Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 88 (5.11.1903)
- Date
- 1903-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1912 maq es ja der Fall sein, daß man vor ihrer Prüfung nichts von : u:ii darin Enthaltenen merkt, aber Sei anderem Unrath ist im allgemeinen der Tust von der Prüfung unabhängig. S. 76. „Siehe, wer da in Wahrheit fvricht in meinem Namen ... ich. Gott, wahne in ihm. ich, fein Verhangniß und ich. fein — Untergang." (In Parenthese serbemerkt, daß an beiden zitirten Stellen nicht „Gott", sondern der Gottesname sieht, den unsere Weisen s. A. von ‘drzb -cxr der aber nach dem „Jüdischen Volkskalender", S. 34, vom assyrischen „Schaddu" abgeleitet ist.) Recht neugierig ging ich an die Lektüre des Artikels „Zionismus und Religion" (S. 60). Es sind hier zwei Fragen von einander zu trennen, a) die Stellungnahme der zionistischen Partei heute zur Religion, b) die Rolle der jüdischen Religion bei einer zukünftigen Ausgestaltung des Zionismus. Wir möchten einen Preis darauf setzen, die Antwort auf die erste Frage in betr. Artikel zu ergründen. Es heißt hier nämlich: . . . Auf diese Frage antworten die Führer des Zionismus mit Recht: Die Religion gehöre nicht in die Kompetenz einer Partei, die Religion sei eine Privatsache, wenn wir auch diese letztere von fremden Lagern herübergenommene Stilistrung als eine überaus unglückliche, auf wissenschaftlicher Geschichtsforschung beruhende erachten. Die Religion in ihrer Aktualität hat sich mit der bloßen Herzeusangelegenheit beschieden. Synagoge und Kirche waren seither niemals gesellschaftliche Einrichtungen, vermuthlich wird es auch in Zukunft nicht anders werden ..." Offen gestanden, war ich ganz fravpirt, im „Jüd. Volkskalender" einen so wahren, richtigen Satz zu finden, der aber auch die ganze Haltlosigkeit und Hinfälligkeit des direkt Vorherstehenden als nothwendioe .Konsequenz in sich birgt. Wenn wirklich die jüdische Religion nicht nur die Herzen, sondern auch Körper und Geist will, wenn die jüdische Religion nicht nur in der Synagoge, sondern auch im Leben bethätigt werden soll, dann kann Religion keine Privatsache, weder dem Worte noch der Bedeutung nach sein, dann ist es wohl der Erwägung werth, ob ein Staatenleben gegründet werden kann von Männern, denen jene Religion rückständige Altweiberweisheit, gemeinsam mit Männern, denen sie wirklich höchstes Lebensideal ist.Viel mehr dem Geiste des „Jüdischen Volkskalenders" entsprechend, ist die Antwort auf die zweite Frage über die Stellungnahme des künst^igen Zionismus zur Religion. Nachdem der Versager die jüdische Religion in ihren einzelnen Bestandteilen auseinandergelegt hat, als da beispielsweise zmd. „ein . Bünde! abgestandener Zeremonien", die Tyrannis der Symbole" u. w. kommt er zu dem Resultate: „Die jüdische Religion ist trotz ihres hohen Alters an Ent- : Wicklungsmöglichkeiten unerschöpflich .... Ter! Allein Eine paniheisiisch-nnbestimmbare Gort und j sein persönliches Verhaltniß zu einem Volke'. Welch' eine furchtbare Antithese 1 Welch' reicher Nährboden des metaphysischen und poetischen Bedürfnisses einer zu neuem Leben erwachten Nation." Im nächsten Jahrgang wird hoffentlich der Verfasser sein „metaphysisches und poetisches" Bedürmiß befriedigen, und uns und ganz Israel ein balb Dutzend Entwicklung-Möglichkeiten (populärer: neue Religionen) zur näheren Auswahl vorlegen ... Wer einen Kalender für Schuster oder Schneider her ausgibt, muß vor allem etwas vom Schustern oder - Schneidern verstehenwenn Herr Dr. Theodor Zlocisti doch lieber einen Schuster- oder Schneiderkalender herausgegeben hätte, das bischen Leder oder Tuch, daeventuell falsch verschnitten worden wäre, es könme noch ersetzt werden . . . Aber das arme Judentbum soll er doch in Ruhe lassen; es ist nun einmal eine z-o:r 2000 Jahre alte, aber noch immer geltende Wahrheit (Verachot 11,;i) rrdrr rr-rV? rrp rr -- der richtige Begriff, die richtige Einsicht in iüdischen Dingen erschließt sich nicht den Theoretikern., sie er schließt sich nur dem, der mit all seinem Denken u n 2 Thun im Judentbum wurzelt. Daß nun das Judenthum gerade der „Neuorthodoren" Herrn D:. Zlocisti ziemlich unbekannt ist, dürste sich wobl in allen seiner Feder entstammenden Artikeln, wahrscheinlich ihm selbst ganz unbewußt, zeigen . . . Ta meint er z. B. S. 46, daß uns Juden der Sinn für Natur fehle. „Wie weit ist der Weg von 2er jubelnden und sprudelnden Naturfreude des Psalmisten bis zu dem griesgrämigen Saye des wcl: abgewandten Weisen: Wer auf dem Wege gebt uns eins. Mischna „lernt" Und sagt: Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieser Ackerbruch, dem rechne: es die Schrift als todteswürdiges Verbrechen an . . Herr Doktor! Sie haben sich eine kleine Fälschung zu Schulden kommen lassen. Sie zitiren falsch, nämlich das Wort „ p'KC ", „wer sich beim Lernen unterbricht und sagt u s. w.," haben Sie ausgelassen, und doch dürfte dieses Wort entscheidend seim Wenn dieses eben zwei getrennte Dinge sind, das Lernen und die Naturbetrachtung, wer z. B. i n der Thora wobl von einem Gott spricht, draußen aber keinen mebr anerkennt, wer die Wahrheit verleugnet, daß ein Gott kn Natur und Geschichte walte, der freilich hat ein todteswürdiges Verbrechen begangen . . . Nach der Auffassung des Herrn Dr. Zlocisti wäre es mindestens sehr unverständlich, wieso dieselben „griesgrämigen, weltabgewandten Weisen" es verstanden, aus Movgenstrahl und Abendröthe, aus Tageslicht und Dämmerungs.zauber, aus Donnergrollen und Blitzeszucken, aus Bliithenflor und Fruchtesreise dem Schöpfer der Natur den Kranz der Verehrung zu widmen, und uns