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Der Israelit · 1903-11-05 · Heft 88 (5.11.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 88 (5.11.1903)
Date
1903-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. Jahrgang. M 88. Gentrat-Hrg an für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von '' in MsiNF. Donnerstag, den 15. Chefchwan 5664. 5» November LVV3. Ein „jüdischer" Volkskalender. Es gibt in einigen Städten Schlachthäuser, über deren Thüre Vieh abgemalt ist zum Zeichen, daß . es hier in ein besseres Jenseits befördert wird. Ebenso kam mir der Titel „Jüdischer" Volkskalender für das Jahr 66 6 4 (1903/04), redigirt don Dr. Theodor Z l o c i st i" vor, nachdem ich voll Erwartung mich an die Lektüre dieses Büchleins gemacht hatte. Als ich das Autorenregister sah, ahnte ich wohl, daß vom jüdischen Volk, vom Judenthum nicht viel die Rede sein werde, ich ahnte wohl, daß das Iudenthum todtgeschwiegen werde; daß es aber auch todtgesprochen werde, und der Kalender dadurch Aehnlichkeit mit den erwähnten Schlachthäusern erhalte — das ahnte ich nicht — nicht etwa deßhalb, weil ich die Herren Kalenderschreiber nicht für fähig dazu hielt, sondern weil ich sie für zu klug hielt. Denn für den orthodox denkenden Juden, der über seine Stellungnahme zum Zionismus unentschieden ist, dürfte dieser Kalender — eine Vlüthe des Zionismus — wohl deutlich genug sprechen. Für so ehrlich haben wir die Zionisten nicht gehalten, daß sie so offen ihr Credo ablegten, wie in diesem Kalender, der freilich nicht offizielles, aktuelles Zionismusprodukt ist — sein erster Artikel persiflirt den Führer und Leiter der Zionisten — nichtsdestoweniger ist Zweck dieses Jahrbuches, wie es in der Einleitung ausgesprochen wird: ...... Erweckung und Stärkung des jüdischen Volksbewußtseins ... Volksgenossen, Brüder will es schaffen." Ob auch wir Genossen und Brüder werden können, das zu untersuchen, sei der Zweck der folgenden Zeilen. ' , , Der Zionismus hat als hauptsächlichste und ureigenste Schöpfung den Gedanken ausgesprochen, daß es ein „Etwas" gebe, welches alle Juden, abgesehen von ihrer Stellung zur Thora, vereinige, und das nennt man „Nationalzusammengehörigkeit." Man hat, um die orthodoxen Juden zu ködern, so vorsichtig wie möglich das Wort „Religion" vermieden, und hat den gar elastischen Begriff „Nation" gewählt, unter den sich sowohl der schweinskotelletkauende. westeuropäische, als auch der schubitz- und peiestragende, osteuropäische Nachkomme einer jüdischen Mutter unterbringen läßt. Wir wollen heute nicht die Frage aufwerfen, warum die Eltern eines vom Iudenthum Abgefallenen ihr Kind gleich einem Verstorbenen betrauern, da doch das Kind noch weiter National—jude nur nichtjüdischer Konfession ist? Wir wollen auch nicht die Frage aufwerfen, wieso ein Nichtjude zum Juden dadurch tverden kann, daß er die verpflichtende Kraft der jüdischeil Religion erkennt und anerkennt, nicht aber dadurch, daß er das Bürgerrecht in Palästina erwirbt. Wir wollen heute an Hand des „Jüdischen Volkskalenders" ersehen, wie denn die Herren Nationaljuden wirklich über Religion denken. „Jüdisches Volk," wir glaubten in unserer Einfalt, daß das jüdische Volk seinerzeit von Gott aus Egypten erlöst wurde und dann am Sinai die Aufgabe erhielt, Gottes Wort durch die Völker zu tragen . . . der „Jüdische Volkskalender" ist anderer Ansicht. Seite 74 meint ein Herr, der anscheinend viel Nietzsche gelesen hat: „Scheuet nicht allzusehr die Sünde, denn nur die Schwachen sind es, die da zittern in Angst zu sündigen ..." In demselben Artikel stehen noch eine ganze Reihe abschreibenswerthe Dinge, doch zum Theil sträubt sich meine Feder, den Blödsinn, zum Theil die Blasphemien nachzuschreiben. Ich will nur noch je eine Probe von beiden zitiren: Seite 77. „Prüfet Euer Inneres nicht, damit, nicht aufsteige der Duft von Unrath in meine Nase, spricht Gott der Herr!" Mit jüdischen Volkskalendern

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