Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1903)
- Date
- 1903-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449971--59384-2522337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
anderwärts als volle Thatsache." Diese »Stellung der „Hazefirah", ihre Abkehr von der ehemals neutralen Haltung zur vollen Gegnerschaft, ist kennzeichnend für die Stimmung in Rußland. Berlin, 28. Okt. (Der Antisemitismus in den deutschen Turnvereinen und seine Folgen.) Unter dieser Ueberschrift schreib^ der Herausgeber der „Allg. deutschen Umversitätsztg.", Geh. Sanitätsrath Dr. Konrad Küster: „Nach allem können wir es nicht billigen, daß die Juden anfangen, rein jüdische Turnvereine zu bilden, und daß eine Aufforderung stattgefunden hat, sich in Deutschland und Oesterreich zu einer jüdischen Turnerschast zu vereinigen. Schuld an diesem Schritte ist in erster Reihe Verärgerung über die antisemitische Strömung in der deutschen Turnerschafi. Wie wir gesehen haben, ist diese Strömung gar nicht so bedeutend. Außerdem haben die antisemitischen Führer so viel bedenkliche, wenig edle Seiten gezeigt, daß der vornehm denkende Deutsche mit Verachtung auf diese Machenschaften herabsieht. Zu einer Zeit, wo unsere Verkehrs¬ und Kulturverhältnisse eine Rassen- und Völkerabsonderung ganz unmöglich machen, erscheinen die antisemitischen Bestrebungen, selbst wenn sie keine Geschäftsmachenschaften sind, doch mindestens mittelalterlich und ganz rückständig. Außerdem wird jeder vornehm denkende Mensch den einzelnen Rassen, selbst wenn er angeborene Abneigung gegen sie haben sollte, doch volle Gerechtigkeit zu kommen lassen. Daß diese Forderung von den Antisemiten niemals innegehalten wird, macht ihre Bestrebungen so minderwerthig. Als echte Deutsche müssen wir bedacht sein, fremdartige Rassen durch volle Gerechtigkeit uns anzupassen, denn nur hierdurch kann ein gedeihliches und harmonisches Leben im Vaterlande erzielt werden. Deshalb müssen wir vom deutschen Standpunkte aus die zionistische Bewegung bei den Juden bekämpfen, deren Führer schon stutzig werden sollten, daß diese Bewegung ganz den Beifall der Antisemiten hat. Die jüdischen Turnvereine neigen gleichfalls zur zionistischen Bewegung. Dies ist ganz verfehlt. Wir werden die Juden als deutsche Staatsbürger jüdischer Konfession betrachten. Bekämpfen müssen wir aber Bestrebungen, die darauf hinausgehen, eine abgesonderte Rasse, einen gesonderten Staat im Staat zu bilden, seien es nun Juden, Polen, Franzosen oder Dänen." Bereut (Westpreußen), 2. Nov. Eine Ehre besonderer Art ist unserer Gemeinde zu Theil geworden. Der Herr Oberpräsident von Westpreußen, Excellenz Delbrück, der zwei Tage hier weilte, stattete auch in Begleitung des Herrn Landrath und Herrn Bürgermeister unserer Synagoge einen Besuch ab. Herr Rabbiner Dr. Münz nebst dem Gemeindevorstand begrüßten die Herren. . Unter den Vertretern der Stadt, die auf dem . Rathshause dem hohen Beamten vorgestellt würden^ befanden sich fünf jüdische Stadtverordnete und ein jüdischer Rathsherr» . ' Excellenz Delbrück, der früher Oberbürgermeister in Danzig war, ist allgemein als ein Mann vom höher, edler Gesinnung bekannt.' ’ - Y v-\ ■ vvY . ' : ■ " - -VvV :.v. „y5rf:: Oesterreich. - - :.' .V Wien. Im niederösterreichischen Landtage geht es wieder zu wie in einer Bauernschenke beim Heurigen. Vor allem wurde der Unterrichtsminister abgegriffen,> weil er „vier unverfälschte Hebräer" zu Universitäts- Professoren gemacht habe. Sodann wandte, sich der be-. kannte Mechanikus Schneider gegen die Subbention für die Poliklinik in Wien. Die Poliklinik sei 'ausdrücklich zu dem Zwecke gegründet worden, um den jungen jüdischen Aerzten Gelegenheit zu geben, an Christen Experimente zu machen, genau mach Vorschriften des Talmuds. Dabei zitirte er Abschnitte uni) Kapitel aus dem Talmud und beantragte, es sei eine Subvention zu bewilligen, um für entsprechende Kontrolle der jüdischen Aerzte Sorge zu tragen.. Unglaublich aber wahr! — Das Schlimmste aber ist, daß der Landtag den Dringlichkeitsantrag (Weiskirchner ünd Genossen) dieser Partei angenommen hat, wonach das Gemeindestatut für die Stadt Wien abgeändert wird und künftighin die Gemeinde Wien berechtigt, für die freiwillige Aufnahme inden Heimathsverband eine Gebühr einzuheben, welche für österreichische Staatsbürger höchstens 400 Kronen, für Personen, welche die österreichische Staatsbürgerschaft nicht haben, höchstens 800 Kronen beträgt. Die Gemeinde Wien ist ferner berechtigt, für die Aufnahme in den Heimathsverband, welche auf Grund des § 5 des Gesetzes vom 6. Dezember 1896, R.-G.-B. 222, nicht versagt werden dürfe, eine Gebühr von höchstens 600 Kronen einzuheben. Diese Gebühren fließen in die Gemeindekasse. Es soll durch die Erhebung eingestandenermaßen der Zustrom besonders jüdischer Elemente aus Ungarn nach der 'österreichischen Hauptstadt verhindert werden. - Lemberg. Vor einigen Zeit versammelten sich in Stanislau im Saale der „Radi powotove", welcher von jüdischem Gelbe errichtet wurde, die Delegierten der „Kolka rolniczi", bekanntlich die größten Antisemiten, zu einer Besprechung. Unter den Erschienenen befanden sich auch Graf Dzieduszicky. Brykczinsky, Pfarrer Eiselt, Zienski u. a. m. und beschlossen unter anderem, eine Bezirksverwaltung zu gründen, deren Aufgabe es sein wird, die christlichen Geschäfte zu kontrolliren und nach Maßgabe zu vergrößern. Man wird sich iw Zukunft nicht mehr damit begnügen, - daß die Zentrale der Vereinigung die Dorfkrämer mit Maare versieht/, was.auch heute schon geschieht,, sondern es. sollen große Niederlagen gegründet werden, damit weder die Dorf-