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Der Israelit · 1903-11-09 · Heft 89 (9.11.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 89 (9.11.1903)
Date
1903-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1940 I 1! spiegelung, jede Täuschung über seine Absichten, seine Kauflust. Und für ewige Zeiten verbindlich ist dem jüdischen Geschäftsmanne, ist jedem Juden dies Musterbeispiel des Ahnen, durch's Gese^ sanktsynirt mit der Vorschrift (Lediiicus 25, 14): „Wenn ihr eürem Nächsten etwas verkaufet^ oder etwaskaufet von eurem Nächsten, so soll einer den anderen nicht zu Übervortheilen suchen." Im weiteren Verlauf der Unterhandlungen macht nun Abraham das Objekt seiner Kauflust namhaft, die Höhle Machpelah. - Er betont wohl, daß dieselbe am Ende des Ephron'schen Feldes gelegen seß ihre Abtretung also den Werth des übrigen Feldes absolut nicht schmälere, erbietet sich aber dennoch rr^v sps, den vollen Geldwerth, eventl. also auch für die etwaige Beeinträchtigung des weiteren Feldwerthes zu entrichten. Er uiacht also selbst den Verkäufer auf eine Möglichkeit aufmerksam, an die jener vielleicht.gar nicht gedacht' hätte, gewiß ein Beweis des reellsten Geschäftsgebahrens. .... Weniger klar. und deutlich sind die Reden Ephron's. Ist es übertriebene Höflichkeit, ist es zu weit getriebene Vorsicht, ist es geschäftliche Geriebenheit, er will nicht recht mit der Sprache heraus und veranlaßt Abraham zu dem Ausrufe:,, wenn Du mich doch nur recht verstehen möchtest." ... Im Geschäft, im Handelsverkehr muß Klarheit herrschen. Ja und nein, mein und dein, das muß ohne Umschweife, ohne dreh- und dehnbare Verklausulirung zu Tage treten; dann bedarf es keiner juristischen Spitzfindigkeiten, und der einfache, klare Menschenverstand kann Eigenthumsstreitigkeiten untersuchen und beurtheilen. ' Der Kauf wird perfekt und Abraham zahlt dem Ephron den verlangten Kaufschilling. 400 Schekel Silbers gangbar beim Kaufmann." In vollwichtiger, giftiger' Münze zahlt ein Abraham. Von höchster Bedeutung sind die in dieser Hinsicht bestehenden Vorschriften unserer mündlichen Lehre, die im Talmud, im Schulchan Aruch, in den übrigen Eodizes so ausführlich behandelt und so dringend eingeschärft werden. Und ist's dann nicht dasselbe, wenn die heilige Schrift gebietet (Deuteron. 25, 13—16), „Du sollst nicht in deiner Tasche haben zweierlei Gewichtsteine, große, und kleine, du sollst nicht in deinem Hause haben zweierlei Mäße, großes und kleines; vollkommene und richtige Gewichtsteine, vollkommene und richtige Maße sollst du haben, damit du lange lebest auf dem Boden, den der Herr dein Gott dir gibt; denn ein Greuel ist dem Ewigen deinem Gotte ein jeder, der solches thut, ein jeder, der. Unrecht thut." Das -sind die Prinzipien, nach denen der jüdische Geschäftsmann zu arbeiten hat, die Anschauungen, die den echten Israeliten im Gefchäftsleben leiten und die schon im Stammvater Abraham-in-schönster, prägnantester Weise zum Ausdrucke kommen. - ZeikmgsrraHrzchLerr rmv Correfporrderrze«. * Deutschland. Berlin, 4. Nov. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken dürfte, die jetzt durch den Blätterwald schwirren, so würden sich die Mächte geradezu um die ruffisch-jüdischen Emigranten reißen. So wußte kürzlich. die „Königsberger. Hartung'sche Zeitung" zu melden: Der russische Regierungsvertreter in Konstantinopel hätte dem Sultan die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß die russische Regierung vollkommen damit einverstanden sei, wenn die Türkei den Zionisten Palästina überlasse mit Ausschluß desjenigen kleinen Theiles. der durch die heiligsten Traditionen der christlichen Kirche geweiht ist. Unmittelbar nach dieser Erklärung des russischen Regierungsvertreters hätte der Sultan Dr. Herzl telegraphisch nach Konstantinopel berufen. Da zugleich nach einem Telegramm in den Tagesblättern die. russische. Regierung den Juden in Rußland einen großen Länderkomplex in der Mandschurei zur autonomen Ansiedlung zu überlassen gedenke, so scheine zur Zeit geradezu ein „Wettbewerb" um die Juden vorzuliegen. Alle diese Meldungen sind falsch. Irgend ein sensationslüsterner Zeitungskorrespondent hat sie sich aus den Fingern gesogen. Nicht weniger interessant aber ist, was der bekannte Journalist und Politiker Maurice Le Blond in der „Aurore" schreibt: „Es ist wahr, daß die Restauration Palästina's uns etwas mystisch erscheint, aber andererseits ist die Lage der Juden in Rußland unerträglich geworden. Wir dürfen uns nicht mehr mit platonischen Protesten begnügen, es muß eine Lösung herbeigeführt werden. Die englische Regierung erklärt sich bereit, ein ostafri- . konisches Gebiet den Juden zur Verfügung zu stellen. Wären wir noch die erste Nation der Welt, so wäre es an dem Frankreich der „Vrvit8 de l’hoiniiie“(bet Menschenrechte), diese Initiative zu ergreifen. In unseren Kolonien, zum Beispiel in Madagaskar, müßten wir die Opfer der russischen Intoleranz beherbergen." Im übrigen haben sich die russischen Juden bis jetzt mit dem Qstafrika-Projekt noch nicht befreundet. Die „Hazefirah" in Warschau hat bereits mehrere Leitartikel gebracht, in welchen die zionistische Parteileitung ermahnt wird, das Ostafrika-Projekt aufzugeben und es der „I. C. A." zu überlassen. Es wurde darauf hingewiesen, daß die von der englischen Regierung den jüdischen Kolonisten angebotene sog. „Autonomie" in Argentinien längst besteht und in Brasilien für jede Kolonisation, also auch für die jüdisches zu haben ist. Die Autonomie für innere Angelegenheiten, bestehe auch _iit Kanada, wo jede Kolonie sich nach Belieben einrich- "ten darf. „Was in Ostafrikä zugesichert werde, bestehe

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