Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1903)
- Date
- 1903-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Aentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. . . V ' Begründet von ' V. «r. DEhnrsnn m Msinz. •.' 44. Jahrgang. Mm Montag, den l 9. C H e f ch w a n 5 G 6 4. 9. November 1903. Ein Geschäft. Betrachtung zu rra "n 'a Von 9. Anfänge >—M e mmelsdor s. Wie oft und in welch' verschiedenen Variationen kenn man es hören, die Juden seien ein Handelsvolk l>aiexcelleuce, seien geborene Geschäftsleute. Zwar weist die Geschichte, weist das Buch der Bücher für jeden Unbefangenen deutlich genug nach, daß unsere Ahnen im heiligen Lande in der Hauptsache ein Ackerbau treibendes Volk waren, daß nur ein kleiner Theil, seiner geographischen Lage entspr., sich dem Handel widmete; doch wollen wir hier nicht auf diese Thatsache näher eingehen, sondern einmal jenes Epitheton als zutreffend annehmen. Ist doch längst jedes Odium von jener Bezeichnung gewichen, sind doch im Gegentheil gerade die Handelsvölker der Gegenwart die ersten im Reigen der Nationen, an der Spitze marschirend sowohl in Bezug auf Macht und Ansehen, als auch hinsichtlich der Kultur und Gesittung: und sind doch auch alle anderen modernen Staaten eifrigst bemüht, ihren Handel und Verkehr zu heben. Handelsvölker zu werden. Anders sieht sich allerdings die Sache an. wenn der Ausdruck „Handelsvolk" in der Bedeutung „Schachervolk"' auftritt, wenn man dem Juden das „Schachern", d. h. die Kleinlichkeit im Geschästsge- : bahren und damit zusammenhängend.die Unredlichkeit im Geschäft, Lug.und Betrug etc. als Stammeseigenheiten an die Rockschösse heften will. Da. gilt es, , energisch solche vage Beschuldigungen zurückzuweisen, .sie als böswillige Erfindungen zu kennzeichnen und.' nachzuweisen, wie' gerade.im Geschäftsgebahren die strengste Rechtschaffenheit,' Offenheit und Ehrlichkeit von Urbeginn an Charakterzüge des jüdischen Stammes gewesen sind, Eigenschaften, die sich rein und lauter erhalten haben durch alle Zeiten und noch heute den echten, jüdischen Geschäftsmann zieren sollen und auch zieren. Wäre die Hypothese vom jüdischen Geschäftsvolke begründet, so sollte man eigentlich erwarten dürfen," daß unsere heil. Schrift recht viele Beispiele, Erzählungen, Vorkommnisse u. dgl. aus dem Geschäftsleben verzeichnen würde. Das ist nun aber nicht der Fall. ' Nur zwei typische Fälle von Kauf und Verkauf finden unsere Weifen in der Bibel, die Erwerbung der Höhle . Machpelah durch Abraham in der dieswöchentlichen Sidrah, Genesis 2, 3, dann die Erwerbung eines Feldes durch den Propheten Jeremias; letztgenannter Kauf (Jeremias 32). eigentlich, durch göttliche. Inspiration veranlaßt, möge hier außer Betracht bleiben, umsomehr, als das Geschäft sich zwischen Jeremias und seinem Vetter Chanamel vollzieht, also zwischen zwei Glaubensbrüdern. Dagegen soll der Kauf der Höhle Machpelah, deren Erwerbung durch Abraham von Ephron, dem Hethiter-Fürsten, also ein Geschäft, das sich zwischen Juden und Nichtjuden abwickelt, in den Kreis näherer Betrachtung gezogen werden, um daraus - zur Evidenz zu erweisen, nach welch' idealen Anschauungen sich eigentlich den jüdischen Begriffen gemäß, ein Geschäft zu vollziehen habe. „Und Abraham ging von seinem Todien weg und. sprach zu den Hethitern, Fremdling und Beisasse bin ich bei Euch; gebet mir doch ein Grabeigenthum bei Euch, daß ich meinen Todten vor mir begraben kann." Frei und offen spricht es Abraham aus, daß er ein Stück Land erwerben wolle, ja erwerben müsse, muß doch sein theurer Todtrr begraben werden. Wohl hätte er zu befürchten, durch diese Offenheit sich selbst zu schaden, konnte mandoch seine. ,-Nothlage ausbeuten"wie ja wohl der moderne technische Ausdruck lautet,, einen ungemessenen Preis von ihm erzwingen — was auch wirklich schließlich geschah. Abraham bleibt bei der Wahrheit, er vermeidet jede falsche Vor-