Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1903)
- Date
- 1903-10-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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terndes Schreiben von Narcisse Leven an Dr. Alfred Nossig (welches jedoch nicht zur Verlesung gelangte), ein Kollektivtelegramm aus Wien, welches die eben erfolgte Begründung eines neuen Vereins der Palästinafreunde anzeigte, ein Schreiben aus Budapest, endlich ein Brief von Dr. Nathan im Namen des „Hilfsvereins deutscher Juden", dem wir folgende Erklärung entnehmen: „Unser „Hilfsverein der deutschen Juden" steht ' allen Bestrebungen, ein gemeinsames Arbeitsfeld in Palästina zu schaffen, sympathisch gegenüber und ist gern bereit, so weit das in sein Thätigkeitsgebiet gehört, dieser- Sympathie praktisch Ausdruck zu verleihen." In der auf den Vortrag folgenden Diskuffion ergriff zunächst Willy Bambus das Wort und entwickelte in eingehender Darstellung den gegenwärtigen günstigen Stand der Palästinakolonisation und die Aussichten einer Besiedelung in größerem Umfange. Professor Marburg, der Vorsitzende der Ostafrika- Kommission, erklärte, daß das Ostafrikanische Projekt noch keineswegs ganz ernstlich in's Auge gefaßt wurde und empfahl für die Rettungsaktion besonders Vorderasien, welches er als das vorzüglichste und aussichtsreichste Kolonisationsgebiet der Erde bezeichnete. Dr. Franz Oppenheimer betonte es, daß er auf öffentlichrechtliche Sicherung des Ansiedelungswerkes Gewicht lege und daher, so lange eine solche in Palästina nicht zu erreichen sei, angesichts der dringenden Nothwendigkeit einer Rettungsaktion sich auch für ein englisches Gebiet entscheiden würde. Dem gegenüber führte Dr. Hildesheimer aus, daß gerade die Größe des jüdischen Elends und die Dringlichkeit einer Abhilfe es zur Pflicht machen, nicht die Erreichung eines Charters abzuwarten, sondern zunächst auf kolonisatorischem Wege die Rettungsaktion in erreichbarem Umfange zu führen und sie nach dem Lande unserer Väter hinzulenken. Ephraim Kohn überbrachte den Gruß der indischen Pioniere in Palästina und betonte, daß man im Heiligen Lande die Thätiqkeit des Esra boch bewerthe. Davis Trietscki erklärte seine volle Uebereinstimmunq mit dem Nossia'schen Referat und empfahl insbesondere die industrielle Kolonisation in der Nähe der Städte als Mittel, um größere Mengen jüdischer Bevölkerung im Orient anzusiedeln. Verthold Feiwel sprach vom Standpunkte des volitischen Zionismus, dessen Verhält"iß zur Kolonisations.beweauna er zu dräzisiren versuchte. Da ein Redner gegen die Fassung der Resolutionen vom Standvunkt der Satzungen des „Esra" einen Einwand erhoben hatte, so wurde eine Wendung derselben geändert, worauf die Resolutionen von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Meiiere Versammlungen von Palästinakreunden sollen demnächst in anderen Städten stattfinden. Die Propaganda-Kommission gedenkt überdies eine rege Agitationsthätigkeit auch außerhalb Deutschlands zu entfalten. - Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. (Die Judenexzesse in Homel.) Aus Berlin wird der „N. Fr. Pr." berichtet: Jüdische Flüchtlinge aus Hömel weilen jetzt auf der Durchreise in Berlin. Es sind mehrere ziemlich begüterte Familien, die nicht nach Amerika auswandern, sondern in Holland eine neue Heimath suchen wollen. Sie bestätigen nicht nur vollinhaltlich die Mittheilungen der Blätter von den blutigen Judenverfolgungen in Homel, sondern wissen noch von weit krasseren Fällen von Mord und Plünderung zu berichten. Insbesondere bekunden sie übereinstimmend, daß die russische Polizei die Erzedenten nicht nur nicht abgewehrt, sondern vielfach mit ihnen gemeinsame Sache gemacht hat. Berlin, 27. Olt. Moritz L e w y aus Könitz, der vor einigen Tagen begnadigte frühere Fleischergeselle, schrieb vor etlichen Monaten aus dem Zuchthause an seine Eltern einen Brief, der solche Aufschlüsse über Charakter und Empfindungen des Unglücklichen gibt, daß er als ein wahres „Dokument humain" bezeichnet werden muß, und daher verdient, in weiteren Kreisen verbreitet zu werden. Der Brief wurde seiner Zeit im Wortlaut von einer Berliner Wochenschrift veröffentlicht, wir beschränken uns indeß auf die Wiedergabe folgender markanter Stellen. Zu Beginn seines Briefes beantwortet der Schreiber die ihm von seinen Eltern zugegangene Nachricht über die Verurtheilung: der Redakteure der „Staatsbürgerzeitung", die, wie erinnerlich, im Sommer dieses Jahres wegen Beleidigung des Konitzer Gerichts und der Familie Lewy. erfolgte. Er versichert dabei, daß er, wenn die Verurtheilung auch eine kleine Genugthuung sei, doch durchaus nicht darüber frohlocke. „Ich bin nun einmal nicht rachsüchtig und bitte auch Euch, es nicht zu sein." schreibt er, und fugt als treffende Illustration dieser Denkineise hinzu: „Wie Ihr wißt, war der p. Maßloff zur Verbüßung seiner Strafe hier. Er hat uns doch genug angethan, aber ich betrachte ihn nur als Werkzeug anderer. Wir lagen auf einem Corridor, und so habe ich ihm nicht selten, da er schwerere Beschäftigung hatte, ich auch , damals an Zahnschmerzen litt, mein Essen, natürlich mit Erlaubniß des Beamten, gegeben, welches er mir dankend obnahm." Der Vriefschreiber bittet dann seine Eltern, ihn für seine Handlungsweise nicht zu rügen: „Denn Jemanden, der r..