Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1903)
- Date
- 1903-10-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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uns schweres Unrecht und bitteres Leid zugefügt, durch Liebe und Großmuth zur Einsicht zu bringen, ist für mich ein Genuß. Es verfehlte selbst bei diesem rohen Menschen nicht ganz seinen Zweck." Es folgen dann längere Ausführungen über die „Ehre", worin es u. a. heißt: „Die Ehre halte ich für die schwerste Errungenschaft des Lebens und mit ihr verliert der Mensch wohl nicht selten alle Ermuthigung zur sittlichen Ausdauer und alle Spannkraft." Der Unglückliche schließt seinen Brief mit der folgenden nochmaligen Mahnung: „Vergebet und vergesset es unseren Widersachern, und gedenket der Worte, die ich Euch vor 27 Monaten von Könitz schrieb: „Es lebt ein gerechter Richter über uns; sein sei die Rache." Lewy hat von seiner vierjährigen Zuchthausstrafe 28 Monate verbüßt. Die Nachricht von seiner Begnadigung kam am Sonntag, Mittags halb ein Uhr. zur Kenntnitz Lewy's. Gegen 3 Uhr Nachmittags empfing Rechtsanwalt Sonnenfeld in Berlin die Mittheilung und reiste am Abend nach Graudenz ab, um Lewy in Empfang zu nehmen und nach der Reichshauptstadt zu geleiten. Beim Abschied aus der Graudenzer Anstalt gaben die Ober- und Unterbeamten ihrer Freude über die erfolgte Begnadigung offen Ausdruck und wünschten unter Handdruck dem Scheidenden das Beste für seine Zukunft. In Berlin fand am Bahnhöfe kein Empfang statt. Hier, wie vor der Wohnung in der Linienstraße waren Schutzleute ausgestellt. — Bei dieser Gelegenheit sei noch mit einigen Worten aus' die Vorgeschichte des Gnadengesuches hingewiesen, dem Lewy seine Freiheit verdankt. Daß, wie behauptet worden ist, ein solches Gesuch vor Jahresfrist schon einmal eingebracht und abgelehnt worden sei, ist unwahr. Das der Begnadigung zu Grunde liegende Gesuch ist, dem „B. T." zufolge, von den Eltern und dem Rechtsanwalt des Verurtheilten eingereicht und von zahlreichen Männern der Wissenschaft (Rechtsgelehrten, Psychiatern, katholischen Geistlichen und anderen) unterzeichnet worden. Es hielt sich schlicht an die Thatsachen, wies auf die während des Konitzer Prozesses herrschende Aufregung, die mangelnde materielle Unterlage und die exorbitante Höhe der Strafe hin, die in keinem Verhältnisse zur Bestrafung des Maßloff stand. . Rußland. Riga. Ein Bethaus für die hebräische Bevölkerung wird demnächst in der inneren Stadt erbaut. Nachdem die ministerielle Konzession dazu schon seit 25 Jahren erlangt worden war. aber aus mancherlei Gründen die Gemeinde sich mit Miethlokalen hatte begnügen müssen, hat der neugewählte Vorstand, nicht in letzter Reihe der Präsident» Herr Lipschitz, mrt Elser den Bau eines eigenen, bescheidenen Bethauses ms Werl zu setzen beschlossen. Die °br,gl-«l'ch- Genehmigung zum Bau ist nunmehr erfolg! und das Bethaus, dessen freundliche Fa^ade ein Schmuck der stillen Peitanstraße werden wird, soll nunmehr bald erbaut werden. UllthellUWil aus den {iiD. ArNeuvnelM Md für dieselben. (Dämmtliche jüd. Wanderbettelvereine uns Raffen fftr Durchreisende stirb gebeten, und Mitthettungen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukommen zu lasten.) DieSPeck a, Aisckr, 26. Oft. Ich warne hiermit vor einem rafsinirten Schwindler Namens Siegfried S e g a l l. Kaufmann, aus Posen, wohnhaft in Stockholin (Schweden). Segall ist ca. 30 Jahre alt. hat sehr elegantes Auftreten und versteht es, die Herzen zu gewinnen. Er gibt an, er sei in Folge falscher Beschuldigung (Betrug und Verschleierung) neun Monate in Dresden resp. in Zwickau inhastirt gewesen und babe hierdurch sein bedeutendes Vermögen eingebüßt, und seine aus Kopenhagen stammende Frau sei in Folge der Schicksalsschläge tobsüchtig geworden und solle in die Nervenheilanstalt Sayn ausgenommen werden etc. etc. Segall beruft sich bei seinen das Gepräge des -,7w' tragenden Angaben auf die Herren Distriktsrabbiner Dr. Weinberg, Sulzbürg und Grünebanm, Nürnberg, die ihn aber nach eingezogener Erkundigung gar nicht naher kennen. V. F u l d e r, Lehrer. vermischtes. ^München. An den verflossenen 'crjny n'D' wurden in acfct Bctlokalc», davon drei Filialen Gottesdienst abqchaltcn und zwar'in der großen Haupt gemeinde, in dcr^Synazogc b.nre, im Bctsaal in der Furstenftlderstraße. im Betsaal pisn n:^ Bader straße, rotf nes? in der Jahnstr., ferner beteten die russischen Q**»irp im Hackerdräufaal. der Verein D'^in "w'v in Maliers Gasthaus. Hanssacksstraße (Böhmische Inder,) und im Saale d s kgl. Odeon die Reform. — Herr Rabbiner Dr. Werner feierte vor mehreren Wockcn se'ne silberne Hochzeit, bei großer Theil. ahme der hiesigen israelitischen Gemeinde. — In' der^. Ausstellung cesuudcr grauenkleldung im Nationalmusenm erhalt der israelitische Kaufmann, Herr Oltto Landane<die goldene Medaille. Briefkasten der Expedition. E. G in Brünn: Kr: 20.— dankend empfangen. E. in Nnterdenfstetten:'M. 10.— dankend empfangen. FNähr.nd der.Saison' 1903 waren in Thale a. Harz aus JO krntaxpslichrigcn Kurgästen und bis zu 'einrr Dauer von 5 Teuren tlnttar.freic) Fremde awhältlich zusammen: 27661, Passanten ca. 60000 (gegen 20500, bczw. 50000 im Vorjahre). Die erhöhte Frequenz ist ramcn'.lich durch das Bcrgrhcatcr am Hexentauzplatz hcrvorgerufen-