Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 86 (29.10.1903)
- Date
- 1903-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1871 Würdigkeit zweier Werke getheilt, eventuell kann unter besonderen Umständen ein Werk für den Preis des nächsten Jahres vorgemerkt werden. Ausgeschlossen von der Zuerkennung des «Preises sind Operetten. Ausstattungsstücke und lascive Tendenzwerke. Werke, welche eine. Begebenheit auf niederösterreichischem Boden zur Grundlage haben, sollen bevorzugt werden." Die - neueste Rettungsaktion der Christlich-Sozialen wird in der litterarischen Welt zweifellos den gebührenden Beifall finden. Das „christlich-soziale litterarische Rettungskorps" und seine Jury wird stch als eine würdige Institution des antisemitischen Wien erweisen. Umgarn.' Pretzlmrg. Die „Anstalt zur Heranbildung isr. Krankenpfleger" hielt vor Kurzem ihre diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitze des Primar- Arztes Herrn Dr. Jakob Fischer ab. Wie aus dem Berichte des Direktionsrathes ersichtlich ist, hat die Anstalt, welche bereits schon das dritte Jahr besieht, erfreuliche Fortschritte gemacht und glänzende Resultate erzielt, auf welche nicht nur die Anstalt, sondern auch unsere Konfession stolz sein kann. Im vergangenen Jahre haben die Wärterinnen in 28 Familien bei kranken Angehörigen Pflegerdienste geleistet; 166 Nächte haben sie durchwacht und 266 Tage haben sie gepflegt. Die übrige Zeit verbrachten sie im isr. Krankenhause. Ihr guter Ruf verbreitete sich auch in die weite Provinz. So wurden sie nach Wagbistritz, Oedenburg, Szered a. W., Komore, Eisenstadt und Vösing zur Ausübung des Krankenpflegerdienstes gerufen. Trotzdem sie in erster Reihe nur zur Pflege unserer kranken Glaubensgenossen berufen sind, so hat der Direktionsrath die Wärter auch unseren nichtjüdifchen . Mitbürgern zur Verfügung gestellt. Die Wärterinnen wurden derartig in Anspruch genommen, daß der Direktionsrath die Aufnahme und Ausbildung einer neuen Wärterin in Vorschlag brachte. Die Generalversammlung nahm den Bericht und die Vorschläge zur Kenntniß und ertheilte dem Kassirer, Herrn David Naß, Decharge. Aus dem Kassenberichte ist zu erfahren, daß die Anstalt ein Vermögen von 16,000 Kronen besitzt und ca. 1000 Kronen Jahresbeiträge gezeichnet sind. Das Präliminar weist gegen Einnahmen von 3100 Kr., an Ausgaben 2800 Kronen aus. Es ist aus diesen Daten ersichtlich, daß die Anstalt auf starke materielle Unterstützungen angewiesen ist. R u ß l a n d. Petersburg. (Die Gesetze in Betreff der Juden.) Blättermeldungen zufolge hat der russische Minister des Innern an die Gouverneure der Provinzen und an andere Behörden ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie aufgefordert werden, über, die Schwierigkeiten zu berichten, auf die man bei Durchführung der auf die Juden bezüglichen Gesetze gestoßen wäre. Es wird zugegeben, daß viele der Gesetze veraltet, einander widersprechend und im Wortlaut ungenau seien. Die Folge davon wäre, daß die Auslegung nicht nur bei verschiedenen Gerichten, sondern manchmal in ein und demselben Gerichtshöfe eine verschiedene sei. Selbst der oberste Appellationsgerichtshof, der Senat, habe zu verschiedenen Zeiten diese Gesetze widersprechend ausgelegt. Die Regierung finde es unter diesen Umständen nothwendig, eine Revision der Gesetze vorzunehmen und sie zu verbessern. Der ganze Inhalt des Schriftstückes laufe daraus hinaus, daß die Behandlung der Juden durch die Gouverneure der Provinzen in vielen Fällen eine strengere gewesen sei, als das Gesetz gestattet. In einigen Fällen habe sich der Senat sogar genöthigt gesehen, zu erklären, daß die Gouverneure ungesetzlich vorgegangen seien. Eine solche Erklärung schädige aber die Autorität der Gouverneure. Petersburg, 7. Okt. (Eine russische Stimme zu Gunsten der Juden.) Das ' Stadthaupt von Kiew, W. N. P r o z e n k o, hat sich \ an den Minister der Volksaufklärung mit dem Gesuche. f gewandt, 22 Juden in die Zahl der Stuvirenden der I Kiewer Universität aufzunehmen, die den Kursus der j örtlichen Gymnasien absolvirt haben und nur wegen j der Begrenzung der Zahl der jüdischen Studirenden! durch einen festen Prozentsatz an der Fortsetzung ihres I Bildungsgangs gehindert werden. In seinem Gesuch j weist Herr Prozents unter anderem darauf hin. daß j die Juden sich überaus eifrig an vielen örtlichen Woblthätiakeitsunternebmunaen betheiligen und große Opferwilligkeit in allen Fragen bekunden, die das ' Schul- und Erziekmnaswesen betreffen. Viele der Kiewer Erziehungsanstalten verdanken ibren Bestand lediglich der Munifi-en^ der indischen Mitbürger. — Dies Gesuch steht nicht nur in einem wohlthuenden j Gegensatz?u den jimasten Reden der Gouverneure i Trepow und Klinoenbera. sondern es gibt auch eine : j sebr beberzigcnswerthe Erklärung für die in diesen j Reden hervorqebobene Erscheinung, falls leßtere überhaupt zutriff!: denn es wird wohl ohne Weiteres klar.; daß junge Leute, die man bis an die Pforten der .Noch-\ schule herankomwen läßt, dann aber ledialich ihrer Nationalität be-m. ihrer Religion weai-n ausschließi. sehr ruaänolich ssir jede Art von revolutionärer Provaaanda sind Die russischen Staatsmänner., die die ] Inden beschuldiaen dürfen akauden. daß ihre Juj acnd besonders lebßoft rm der aeaen die Reaiernna gerichteten R-mennna betbeiliat i^. können hieraus sehen. , daß eS di* R^ai-rnnn' ,„»n Tbekk fekhN i^ dl» dl» ‘Yuden durch ilme rü<kNnndine Gefe^n-hnnn der Ikmstnrzbewegung geradezu in die Arme treibt.