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Der Israelit · 1903-10-29 · Heft 86 (29.10.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 86 (29.10.1903)
Date
1903-10-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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den. und Eintracht vertragen, wenn man mehr an das Viele denken wurde, das sie einigt, als an das Wenige^ das sie trennt. (Bravo auf allen Seiten.) Nürnberg... Unsere - jüdisch? Kultusaemeinde wurde durch die Hochherzigkeit des verstorbenen Herrn Max Heim undseiner - noch-lebenden Gemahlin, Frau Elise Heim in Frankfurt a. M., um eine gemeinnützige Institution - reicher. Aus dem Nachlasse des Herrn Mar Heim wurde, durch Testamentsbestimmung der jüdischen Gemeinde ein-Kapital von Mk. 126,000 zur Errichtung eines israelit. Mädchenstiftes übergeben, welches den Zweck hat, .herangewachsenen und einer-geeigneten Häuslichkeit entbehrenden , israelit. Mädchen, die sich in Nürnberg . oder in näherer Umgebung dieser Stadt einem ehrenhaften Berufe widmen, den Schutz einesgesitteten und geordneten Hauswesens zu gewähren, sowie auch, falls die Mittel dazu ausreichen, die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Da die Kultusgemeinde aus naheliegenden Gründen sich nicht entschließen konnte, das. Stift von Gemeinde wegen in's Leben zu rufen, wurde zur Verwirklichung des Stkftungszweckes ein Verein gegründet, welcher die Anstalt nunmehr stiftungsgemäß gegründet hat und verwaltet. Das Kuratorium besteht aus 13 Mitgliedern, 10 Herren und 6 Damen, an dessen Spitze Realschuldirektor Gombrich steht, unter dessen Leitung die Anstalt mit Gottes Hilfe einer gedeihlichen Entwicklung entgegengeht. Die Stifträume sind in der Mitte der Stadt gelegen, einfach aber praktisch und zweckentsprechend eingerichtet. Vis jetzt beherbergen sie sieben Pfleglinge, welche in Nürnberger Geschäften in Stellung sind und .im Stift gegen ein Entgelt von Mk. 23 per Monat Wohnung und vollständige rituelle Verpflegung genießen. Den Pfleglingen ist in der Anstalt ein wahres Heim geboten, wo sie in ihren freien Stunden gleichsam wie in einer Familie verkehren, und sich gegenseitig als Familienglieder betrachten. Hier finden sie Erholung nach der Arbeit, Aufmunterung und Anregung zum Guten und Schönen, kurz ein wirkliches Heim. das ibnen nahezu das. elterliche Haus ersetzt. Durch diese Anstalt ist einem sozialen Vedürfniß. wenn auch nur in beschränktem Maße entsprochen, und es ist zu wünschen, daß dieselbe in die Lage versetzt wird, ihren Wirkungskreis, zu vergrößern, was durch Beitritt .zahlreicher Mitglieder zum Verein leicht ermöglicht werden kann. Der Verein zählt heute etwa .300 Mitglieder. Des edlen Stifterpaares sei an dieser Stelle gemacht'. ' Diersburg (Baden). Am D begebt Herr Moses' Moch von Nonnenweier seinen hundertsten Geburtskag. Aus diesem Anlaß will seine Geburtsaemeinde Nonnenweier diesen Tag festlich begehen. An alle jüdischen Gemeinden Badens ergingen Einladungen/ durch Deputationen diesen hochbetagten Mann zu ehren. Se. Ehrwurden, Herr Rabbiner Dr. R a w i c z in Offenburg, wird den Jubilar, geführt von drei Altersgenossen, einem Fünfundneunzigjährigen und zwei Vierundachtzigjährigen, an der Grenze empfangen und anreden. Der Jubilar erfreut sich trotz eines im vorigen Jahre uberstandenen Unwohlseins einer ausgezeichneten Frische und Rüstigkeit. Seine Familie besteht aus fünf Kindern, einer großen Zahl, von Enkeln und Urenkeln. Seine Frau wurde ihm schon vor Jahrzehnten entripen, und fand er Ersatz in der Liebe und Hochachtung seiner Kinder. Anläßlich einer Brith-Milohfeier seines Enkels war er vor drei Jahren hier am Platze und setzte alle Anwesenden durch seine klare, helltönende Stimme in Erstaunen; auch liest er noch ohne Brille und betheiligt sich lebhaft an Unterhaltungen. Am Rosch-Haschona wurde er zur Thora aufgerufen und sprach mit kräftiger Stimme die Thorabenediktion. Möge diesem frommen und ehrwürdigen Hundertjährigen noch ein recht glücklicher Lebensabend im Kreise seiner Familie beschieden sein. Oesterreich. Wien. (Antisemitisches Litteratur- R e t t u n g s k o r p s.) Die Majorität des Landtages hat in den letzten Tagen mit einer litterarischen Sanirungsaktion gedroht und die Schaffung eines arischen Autorenpreises für arisch-dramatische Produktion in Aussicht gestellt. Der Finanzausschuß d?s Landtages, die hierfür eompetente Vereinigung christlich-sozialer Mäcene. hat sich mit diesem Plane beschäftigt und ihn in Form des folgenden Antrages zum Beschluß erhoben: ..Zur Wiedererweckung einer heimischen, wirtlich künstlerisch dramatischen Produktion wird ein jährlich zu verleihender Preis von 2000 Kronen gestiftet. Dieser Preis soll nur den dramatischen Werken niederösterreichischer Schriftsteller, welche durch ihre arische Abkunft befähigt sind, unverfälschte heimische Kunstwerke zu schaffen, und in keiner Weise mit dem Litteraturring gemeinsam Vorgehen, verliehen werden. Die Beurtheilung der Werke, die wirklich künstlerischen Werth haben muffen, darf nur Personen anvertraut werden, welche in keinerlei Verbindung mit der gegenwärtigen Kunstklioue stehen, ebenso darf für sie der momentane Bühnenerfolg nicht maßgebend wirken. Bei der Zusammensetzung der Preisrichter sind nur unabhängige Künstler und Schriftsteller des Landes und Mitglieder deS niederösterreichischen Landtages zu berücksichtigen: Sollte der Preis in einem Jahre nicht vergeben werden, so hat er nicht im nächsten Jahre verdoppelt, sondern auf mehrere Werke vertheilt zu werden. Ebenso kann auch der Preis bei gleicher

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