Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1903)
- Date
- 1903-10-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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gegen den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin Klage mit der Behauptung an, im Hinblick auf die Thatsache, daß nach dem Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893 eine Doppelbesteuerung ausgeschloffen sei, erscheine auch der Schluß gerechtfertigt, daß Synagogenbeiträge in mehreren Gemeinden nicht nach dem vollen Einkommen erhoben werden dürfen. Der Bezirksausschuß erkannte aber auf Abweisung der Klage und betonte: maßgebend sei allein das Statut der jüdischen Gemeinde; dieses verbiete aber nicht eine Doppelbesteuerung. Der Vorstand der Gemeinde könne die Beiträge ermäßigen, sei aber dazu nicht verpflichtet. In seiner Berufung hob der Bankier hervor, eine Doppelbesteuerung erscheine nach den GrurrdsäLen der Steuergesehe nicht zulässig. Vom Oberverwaltungsgericht wurde indessen die Vorentscheidung bestätigt und hervorgehoben, die Bestimmungen der Steuergesehe können hier nicht zur Anwendung kommen; maßgebend sei hier allein das Statut der jüdischen Gemeinde. Hiernach dürfe der Vorstand eine Ermäßigung der Beiträge eintreten lassen, eine Verpflichtung dazu bestehe aber nicht. Königsberg i. P., 23. Okt. Am Samstag, den 17. dss Mts., veranstaltete der hiesige „Verein jüdischer Lehrer" im Saale des Epstein'fchen Hotels eine Abschiedsfeier für zwei seiner Mitglieder, für den zum 1. November aus seinem Amte scheidenden Herrn Kantor Herm. Cohn und für den zu gleichem Termin als erster Kantor nach Halle berufenen Herrn Kantor Leop. Wolf. Der Tag erhielt für die Vereinigung schon am Morgen seine religiöse Weihe dadurch, daß alle Mitglieder derselben durch die Benevolenz eines der Scheidenden zur Thora aufgerufen wurden. Am Abend leitete zunächst ein Festv.ortrag von Herrn Oberkantor Birnbaum über „Kantoren alter Tage" die Festfeier ein. Danach hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Rabb. Dr. Vogel st ein, an beide Scheidende die Abschiedsrede. Er bezeichnte es u. a. als ein Ereigniß für die Gemeinde Königsberg, daß einer ihrer Beamten vor Vollendung seiner Lebensarbeit den hiesigen Ort verlasse. Wie es hier aber im Falle des Herrn Kantor Wolf geschehe, ehre es nur den Scheidenden, der . sich durch Strebsamleit und rllhmenswerthen Eifer die Fähigkeiten zu einer höheren Stellung erworben, und von der Gemeinde heute mit ehrenden Zeugnissen seines Charakters, wie seiner Berufstüchtigkeit entlassen werde. Wie sehr es andererseits Herr Kantor Cohn verstanden, sich in den 35 Jahren seiner hiesigen amtlichen Wirksamkeit die allgemeine Achtung und Liebe zu erwerben, habe erst kürzlich die Feier seines 70. Geburtstages bewiesen. Redner wünschte ihm nunmehr recht lange die Behaglichkeit eines sorgenlosen Lebensabends, dem jüngeren ^Kolleoen aber, der von hier scheidend zu neuer, größerer Aufgabe sich wende, die Erfüllung aller seiner frohen Hoffnungen für die Zukunft. Zum Schluffe überreichte er beiden Herren, als Erinnerungsgabe seitens des Vereins, die Prachtausgabe von „Jüdische Künstler", herausgegeben von S. Buber. Hierauf widmete Herr Waisenhaus-Inspektor P e r i tz dem scheidenden Kollegen Wolf noch einige Abschiedsworte namens des ostpr. provinzialen Vereins. Der Kollege möge auch im Bezirke seines neuen Wirkungskreises stets die Verbindung mit seinen Standesgenoffen suchen und pflegen, und bei der erhofften Mitarbeit für die allgemeinen Standes- und Berufsinteressen allzeit den Geist bewähren, den er hier in Ostpreußen dabei gefunden: den Geist der Brüderlichkeit, des Freisinns, der Ueberzeugungstreue und der Religiosität. Herr Oberkantor Birnbaum widmete danach seinen Abschiedsgruß den lieben „Spezialkollegen". Herr Rabb. Dr. Perles brachte die Wünsche und herzlichen Gefühle der Schüler beiden Herren zum Ausdrucke. Und in langer Reihe folgten dann Toast auf Toast, von denen jeder eine neue, herzliche Beziehung zu ben Scheidenden aufzuweisen wußte. Auch die Gefeierten blieben nicht still. Erst dankte in herzlichen Worten der Senior beider, Herr Kantor Cohn, für die ihm gewordenen Ehrungen, und gelobte den Kollegen, auch in Zukunft stets der alte zu bleiben. Herr Kantor Wolf wendete sich mit dankbarer Rührung an alle, die ihn während seiner hiesigen Thätigkeit in seinem Amte gestützt und gefördert, besonders an seinen Meister Birnbaum; auch des Vereins werde er stets in Liebe gedenken, der ein so seitens Beispiel schönster Harmonie von Rabbinern, Kantoren und Lehrern biete. Er widmete sein Glas dem Blühen und Gedeihen des Vereins. Unter all den herzlichen Reden kam aber auch die heitere Fröhlichkeit zu ihrem Rechte. Musikalische und deklamatorische Genüsse wechselten mit kulinarischen Darbietungen seitens des Vereins. So blieb man in fröhlichem Geplauder bis zum frühen Morgen beisammen und ging am Ende auseinander mit dem Gefühl, den Freunden und sich selbst eine Herzensfreude bereitet zu haben. Könitz, 21. Okt. Verhaftet und in das Justizgefängniß zu Könitz eingeliefert wurde gestern, dem „Q. T." zufolge, auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Könitz, der Nachtwächter und Amtsdiener B e r g i n aus Siegers, der an der am 28. September erfolgten Ermordung des jüdischen Handwerkers Levi aus Warschau mitbetheiligt war. Der Verhaftete ist verheirathet und Vater von acht Kindern. Wiesbaden, 25. Okt. (Endlich ein e r st - klassisches und zugleich streng-koscheres Hotel am Platze.) Das größte und eleganteste israelitische Hotel und Badhaus, das „Savoy-Hotel. Wiesbaden. Bärenstraße, ging aus dem Besitze des Herrn C. S i m s o n in den der Herren