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Der Israelit · 1903-10-26 · Heft 85 (26.10.1903) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 85 (26.10.1903)
Date
1903-10-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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dem Namen: Edler von Treuenburg in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben.*) Wenn es demgegenüber auch nicht an Kaiserlichen Aeußerungen fehlt, welche eine gewisse Voreingenommenheit gegen die Juden voraussetzen, so haben schon verschiedene Historiker darauf hingewiesen, daß es eben die Sympathie des Kaisers für die Juden war, die ihnen keine größere Liebe erweisen zu können glaubte, als sie zum Christenthum zu bekehren. Wir lassen noch eine hierhergehörige Aeußerung von Johann Franz von Hermann aus seiner „Geschichte der Israeliten in Böhmen" folgen, welche die Stellung, welcher der Kaiser später in der Beurtheilung Rabbi Jom tob Lipman Hellers einnahm, genügend erklären wird. „König Ferdinand II. verlieh im Jahre 1627 den Juden in Böhmen nicht nur die nämlichen Begnadigungen, wie seine Vorfahren, sondern, weil die Juden eine namhafte Geldsumme zur Bestreitung der Kriegskosten erlegt, und einen jährlichen Zins von 40,000 Gulden an die Kammer zu entrichten gelobt haben, so erweiterte Ferdinand II. die von seinen Vorfahren den Juden in Böhmen verliehene Rechte mit königlicher Freigebigkeit. Rach dem Inhalte dieses Gnadenbriefes dursten sie von dieser Zeit an gleich anderen Kauf- und Handelsleuten, alle öffentliche Jahr- und Mochenmärkte besuchen und daselbst ungestört Handel treiben; sie wurden nicht mehr wie ehedem verhalten, höhere Mauth- und Zollgebühren, als die christlichen Glaubensgenossen zu entrichten. Es ward ihnen gestattet, sich aller Orten und selbst da, wo das königliche Hoflager war, aufzuhalten, Handwerke zu erlernen und zu betreiben; endlich aber wurden sie auch in dem Besitze der im Jahre 1623 nach gedämpften inneren Landesunruhen erkauften Häuser in der Judenstadt bestätigt. Rur blieb Ferdinand II. unaufhörlich bedacht, die Juden in Böhmen zur christlichen Glaubenslehre bekehren zu lassen, und gebot daher aus Regensburg vom 1?. August 1630, daß die Juden zu Prag aw jedem Samstag in der Kirche zu unserer lieben Frauen an der Lake genannt, eine christliche Predigt in deutscher Sprache anhören, dabei immer wenigstens zweihundert jüdische Glaubensgenossen, und unter denselben nicht mehr als 40 Köpfe von'15 bis 20 Jahre alt, theils männlichen, theils weiblichen Geschlechts, unter der Strafe eines Reichsthalers, und Verdoppelung dieses Strafbetrags bei öfterem Ausbleiben (welcher Strafbetrag für diejenigen, die sich zur christl. Glaubenslehre bekehrten, bestimmt ward) erscheinen sollen. Insbesondere ward aber den Juden entboten, sich des Geschwätzes und des Schlafens bei den angeordneten geistlichen Reden zu enthalten. Aus eben demselben.Bekehrungseifer floß auch schon ftüher und zwar im Jabre 1622 eine eigene Stiftung, welche Albert Wenzel, Freiherr von Waldstein, damaliger Gubernator und nachmaliger Herzog von Friedland in Böhmen, zur Beförderung der christlichen Glaubenslehre und zur Bildung jener Kinder, welche von der mosaischen zur christlichen Glaubenslehre übertreten, in dem ehemaligen, unter Aufsicht des Jesuitenordens geleiteten Erziehungshauses, zum heil. Bartholomäus in Prag genannt, von neuem gegründet hat; das Stammkapital dieser Stiftung entsprang aus einem Sirafbetrage von 10,000 fl., mit welchem die Juden zu Prag einen ihrer Glaubensgenossen von der Todesstrafe befreit haben, welcher gegen das emanirte Verbot, von einem Soldaten geraubte, aoldreiche Tapeten erkauft hat." Nach dieser zum Verständniß des Folgenden erforderlichen Abschweifung kehren wir zum Helden unserer Erzählung zurück. (Fortsetzung folgt.) ♦) Wac6: Ferdinand ir. n. die I«den. von G. Wolf. Nach Akt -«stücken tu den Archiven des k. k. Ministeriums des Innern und des Aeußern.__ D«r WoHrnkalrndrr befindet sich in der Beilage. Der „Israelit" erscheint rrSeiroutlleli zweimal, Montag» nnd -Donnerstag», jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mmk ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt aanzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich Alle Brrchhandlunacn und Postämter nehmen Bestellungen an.— Der Vnchhandel verkrhrk drrrch V. f. 0 f ei u n tft tv, Deiprig, Voßplatz jb. — Inserate 25 Pktnnig die vkerg.spaltene Nonpmeillercile oder deren Naunr. Prei« der Zeile im Rcclanntheil Pfennig. — T irrcte Francozrrscndrrng unter Strel'-and pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark,, an die Expedition f-arco eirrsenden. Postieitungsliste 3932. Telephon 1015. 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