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Der Israelit · 1903-10-26 · Heft 85 (26.10.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 85 (26.10.1903)
Date
1903-10-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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durch die stetige Forderung des Badener Kultusvorstandes, insbesondere durch die Herren Moriz Leitner I und Anton Schneider nicht nur in gleichem Eifer er- I halten, sondern immer intensiver angefacht. Zu diesem Zwecke besuchten die genannten beiden Herren am 20. September die Heilanstalt, um mit dem dortigen Direktor behufs der abzuhaltenden Andacht an den hohen Feiertagen Rücksprache zu nehmen und den Patienten durch warme Theilnahme Aufmunterung und Trost zu geben. Der Direktor erwies ihnen in allem außerordentliches Entgegenkommen, war über die seinen Pfleglingen geschenkte Aufmerksamkeit erfreut und diese selbst waren von dem ihnen gewordenen Besuche aus das angenehmste berührt. So wurde auch durch die Fürsorge der Wiener und Badener Kultusgemeinde an den hohen Feiertagen in der Heilanstalt ein andachtsvoller Gottesdienst abgehalten; zum Vorbeter war Herr G. S ch Ö n aus Wien bestellt. Am Sonntag nach dem Neujahrsfeste ward den Anstaltspfleglingen eine weit überraschende Aufmerksamkeit zu Theil. Fast der gesammte Badener Kultusvorstand mit dem Präses Herrn Moriz Leitner und Vizepräses Anton Schneider an der Spitze, begleitet vom . Gemeinderabbiner Herrn Wilhelm Reich und dem Kantor Herrn M. Seifert, wie von dem 1. Vizepräsidenten und dem Vorsteher der Wiener Kultusgemeinde, den Herren Doktoren Alfred Stern und Alfred Berger erschienen Nachmittags in der Heilanstalt, um daselbst eine Weihandacht abzuhalten. Herr Rabbiner Reich hielt eine Ansprache, durch welche alle Anwesenden aufs Tiefste ergriffen und andachtsvoll erbaut wurden. Sodann trug Kantor Seifert das Minchagebet vor. Der Dank der Kranken war ein ergreifender und war es von ihrem Gesichtsausdrucke abzulesen, wie innerlich befriedigt und geistig gehoben sie von der ihnen zu Theil gewordenen Seelenkräftigung waren._. Feuilleton. Mi %m töb ZiMm Heller. io. Von Heinrich Lebermann, ix. Während am „Unteren Werd" die Aussprache zwischen Beck und Pardubitzer stattfand, präsidirte in der Hofburg Kaiser Ferdinand II. dem Ministerrathe, der über die militärischen Operationen in Böhmen entscheiden sollte. Der Bedeutsamkeit der zu fassenden Entschließungen entsprechend waren nicht nur sämmtliche Minister geladen und erschienen, sondern auch der Statthalter des Königreichs Böhmen. Fürst Karl von Liechtenstein, sowie der Vicestatthalter von Prag, Rudolf Waldstein, und der berühmte drei Jahre vorher zum Generaloberstfeldhauptmann ernannte Albrecht von Wallenstein. Die Frage, zu der sich die lange hingezogenen Verhandlungen zuspitzten, war die. ob die Prager Besatzung einen kühnen Ausfall wagen und den ehernen Gürtel durchbrechen solle, der Hich immer fester um st: schloß, oder ob man es zu einer regelrechten Belagerung Prags kommen lassen solle. Hier waren die Ansichten getheilt. Wallenstein, der schon zu lange müßig mit seinen Truppen gelegen hatte, drängte zur That, d. h. zum sofortigen Ausfall gegen die Schweden und die anderen heranziehenden feindlichen Truppen. Der Kriegsminister war dagegen und machte sein definitives Urtheil davon abhängig, ob nach Aussage des Statthalters und Vicestatthalters von Prag die Befestigungsarbeiten derart fortgeschritten seien, daß man eine regelrechte Belagerung riskiren könne. Ueberhaupt meinte der Kriegsminister, müsse in erster Reihe das Urtheil der beiden Statthalter gehört werden, da füglich alle anderen Entschließungen sich nur darauf aufbauen können. Unter allgemeiner Spannung ergriff auf diese mittelbare Aufforderung hin Fürst Karl von Liechtenstein das Wort, um zunächst zu konstatiren, daß die Fortifikation Prags allen Anforderungen einer Belagerung vollkommen entspreche. Öb eine Belagerung oder ein Ausfall zu empfehlen sei, habe für ihn persönlich nur ein untergeordnetes Interesse, da er die feste Ueberzeugung habe. Prag werde sich so oder so halten und siegreich aus diesen Kämpfen hervorgehen. Eine so ungewöhnliche bündige Zusicherung mußte alle Theilnehmer dieser erlauchten Versammlung auf's Höchste frappiren. Als das erste Erstaunen vorüber war, ergriff der Kanzler, Fürst Eggenberg, die Gelegenheit, um seinem alten Gegner etwas am Zeuge zu flicken. Er sagte, daß er gewiß im Sinne aller Anwesenden spreche, wenn er der freudigen Genugthuung Ausdruck über die Zuversicht gebe, mit welcher Se^ Kgl. Hoheit, der Statthalter des Königsreichs Böhmen, über die nächste Zukunft Prags erfüllt sei, die bei uns allen so schwere Besorgniß errege. Diese Freude würde aber wesentlich gesteigert werden, wenn Se. Kgl. Hoheit die Güte haben wolle, uns die Quelle anzugeben, aus welcher diese Gewißheit fließt, damit wir dieselbe dann auch theilen können." Da jeder der Anwesenden wußte, daß der Kanzler und der Statthalter persönliche Gegner waren, so hätten diese Worte.nicht den gewünschten Eindruck gemacht. wenn sie nicht durch den Generaloberstfeldhauptmann von Wallenstein wirksam unterstützt worden wären. Diesem, der nach neuen Kriegslorbeeren dürstete, kam eine solche Prophezeiung sehr ungelegen;' er gestattete sich daher die Frage, wenn Se. Könkgl.

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