Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-10-26 · Heft 85 (26.10.1903) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 85 (26.10.1903)
Date
1903-10-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449967--59285-2522286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

schuß dem von dem Magistrat beanstandeten Zusatz hinzu, „auch für den Export-Handel." In der Begründung des Urtheils heißt es u. A.: „Auch sachlich erscheint der Beschluß des Vürgervorsteher-Kollegiums berechtigt. Die Miß stände, welche der Beschluß des Bezirks-Ausschusses vom 3. November 1902 aufführt, werden, wenn das neue Ortsstatut in der von dem Bürgervorsteher-Kollegium beschlossenen Fassung zustande kommt, im wesentlichen vollständig beseitigt. Der Umstand, daß durch die in Folge des Schächtcns für den Export-Handel in großem Umfange stattfindenden Schächtungen eine Erhöhung der Fleischpreise eintreten kann, ist nicht von erheblicher Bedeutung. Da die Schächtungs- Gebühren für die Folge in die Schlachthofkasse fließen werden, kommt ein großer Umfang der Schächtungen unmittelbar der Stadtkasse zu gute. Die Rücksichtnahme auf den Export-Handel der Stadt-Einwohner ist ein berechtigtes Interesse der Bürgervorsteher. Nach der Magistrats-Vorlage und den Anführungen des Magistrats würde die Durchführung der Absichten desselben einer Beseitigung des Exporthandels mit koscheren Fleischwaaren gleichkommen. Es liegt aber im Interesse der Stadt, daß Handel und Gewerbe gefördert werden, und daß einschränkende Maßnahmen nur aus sehr gewichtigen Gründen getroffen werden." Oesterreich. Wien, 23. Okt. Am Sonntag nach dem Neujahrsfeste wurde hier der in den Kreisen der jüdischen Lehrerschaft und Schriftstellerwelt wohlbekannt gewesene Schriftsteller und Dichter Jakob Fischer, welcher im Alter von 82 Jahren am 3. Tischri aus dein Leben abberufen wurde, zu Grabe getraaen. Fischer war eine der markantesten Personen, welche vom alten und gediegenen Schlage des vormärzlichen Judenthums bis in unsere Zeit hineinragte. In Ungarn geboren, war er an verschiedenen Gemeinden, unter anderen in Szered. Neutra, Galgocz, Preßburg. einer der gewiegtesten Lehrer der hebräischen Svrache. Ihm war es ernstlich zu thun um die Pflege und Verbreitung der heiligen Sprache, die seine aanze Seele ausfüllte. Als Schriftsteller gehörte Jakob Fischer seit 30 Jahren der hebräischen Litteratur an. die er mit vielen trefflichen Arbeiten bereicherte. Schon als junger Mensch führte er sich in dieselbe durch seine poetischen Arbeiten ein, die in den „Kochbe Jizchak". im „Hamagid," im „Jbri" erschienen, waren. Eine größere Sammlung seiner religiösen Dichtungen bilden die von beiliaer Begeisterung zeugenden ..Zilzele Kodesch" über die Fette des Jahres. Seine hebräische Uebertragung. des epischen Gedichtes „Primator" von L. A. Frankl unter dem Namen „Rosch Ha-edah" hatte den ungeteilten Beifall der Kenner. gefunden. Fischer war streng-orthodoxer Richtung; er schrieb ein schöne?, allgemein verständliches, glattes Hebräisch, welches selbst in seinen poetischen Arbeiten niemals die Grenze des Zulässigen im Stile überschritte In früheren Jahren hatte er die hebr. Wochenschrift „Hajehudi" heryus-' gegeben, von der sechs Jahrgänge erschienen sind. Hier in Wien wurde er auch zum beeideten Gerichtsdqlmetsch für die hebräische Sprache ernannt. Er besaß eine gutmüthige, leicht empfängliche, kinderfromme Seele, in welcher nur Raum für die hebräische Sprache und für den Kreis gleichgesinnter Freunde war, an. die er sich innig anschloß. . Wien, im Okt. (R u m ä n i s ch e E m i g r a n - t e n.) Nach längerer Pause wurde wieder mti dem Durchzuae armer, rumänischer Emigrantengruvven begonnen. Dieselben halten hier kurze Zeit Rast und werden auf dem Nordwestbahnhofe vor der Weiterfahrt mit einem warmen Essen gelabt.. Unter den hier Angekomwenen sah man nebst jungen Leuten und Zündern, viele Männer und Frauen in bejahrtem Alter. Dieselben hatten einen Wust von Koffern und Bündeln mit dem letzten Rest ihrer Habe. Vor dem Besteigen des Zuges ließ die „Jsr. Allianz" zu Wien die Auswanderer mit einer ausreichenden Quantität guter Würste verproviantiren, damit sie während der Fahrt ihren Hunger stillen können. Für diese Gabe sowie für das warme Esten dankten die Leute dem anwesenden Funktionär des Philanthropischen Vereins herzlichst. ' Baden. (Heilanstalt Allan d.) Der Spruch des weisen Königs: „Der Geist des Menschen lindert sein Leid," bewährt sich in hervorragender Weise bei den jüdischen Patienten in der Heilanstalt Alland vorzüglich deßhalb,. weil der Geist, der diese Leidenden beseelt, ein wahrhaft religiöser ist. Derzeit, befinden sich daselbst 23 Pfleglinge beiderlei Geschlechts jüdischer Konfession, deren mehrere von der Wiener Kultusgemeinde erhalten werden und die sich aus allen Kronländern der österreichischen Monarchie rekrutiren. Dank der loyalen Bedachtnahme der humanen Schöpfer dieser Wohlfahrtsanstalt wurde auch für das religiöse Bedürfniß der Kranken mosaischen Glaubens Sorge getragen, indem zu diesem Zwecke ein Betlokal zur Verfügung gestellt ist, welches'über Anregung des Wiener Kultusvorstehers Dr. Alfred Berger von den Wiener und Badener Kultusgemeinden eingerichtet und von verschiedenen Seiten mit dem Zwecke entsprechenden, frommen Widmungen bedacht wurde. Dieser Raum^ so klein er sich auch präsentirt, ist für die jüdischen Patienten eine reiche Heilquelle in ihrem'deprimirten Seelenzustand. Dort versammeln sich die Kranken.mit gehobenem Gemüthe fast.täglich zu gemeinsamer Andacht; einer derselben fungirt als Vorbeter, hält das „Ncr-Tomid" instand und beaufsichtigt überhaupt den heiligen Raum Mit pietätvoller Aufmerksamkeit. Dieser rege religiöse Geist wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.