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Der Israelit · 1903-10-26 · Heft 85 (26.10.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 85 (26.10.1903)
Date
1903-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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unerheblich die Zahl der Rückwanderer nach Kischinew. welche die Hilfe des Vereins in Anspruch nahmen. Das Hilfskomitee in Kischinew ist zur Zeit als abgeschlossen zu betrachten und wird binnen Kurzem ein Bericht des Vereins über dasselbe erscheinen, ferner wurde in der Sitzung über die Snbventionirung und Errichtung von Schulen im Orient verhandelt. Üebereinstimmend war man der Meinung, daß die Vorbedingung für gute Schulen die Heranbildung guter Lehrer sei. Die Heranbildung müsse im Orient selbst erfolgen, denn die Lehrer sollen die dortigen Verhältnisse gründlich kennen lernen. Es erschien durchaus unzweckmäßig, sie durch Berufung nach Europa zwecks Ausbildung den großstädtischen Einflüssen auszusetzen. Der geschäftsführende Ausschuß hat daher beschlossen, ein Lehrerseminar im Anschluß an die Lämeleschule in Jerusalem zu errichten und die gesammten dafür nöthigen Kosten zu bewilligen. Die Lehrer sollen dort neben einer gründlichen beruflichen Ausbildung, welche der deutschen Seminarbildung entsprechen wird, befähigt werden, den gesammten Unterricht in hebräischer Sprache zu ertheilen. Natürlich tritt die notwendige Kenntniß der Landessprache, des Arabischen und des Türkischen, hinzu. Es ist zu erwarten, daß aus diesem Seminar pädagogisch geschulte Lehrer hervorgehen werden, welche dem Bedürfnisse des Orients und den Forderungen unserer dortigen Glaubensgenossen Genüge leisten können. Außer diesem hochbedeutsamen Beschluß bewilligte der geschäftsführende Ausschuß Subventionen für die deutsch-jüdische Schule in Konstantinopel, für einen Kindergarten in Jerusalem und einen solchen in Jaffa, für den Neubau der Lämeleschule und für rumänische Schulen. Daran schlossen sich ferner Bewilligungen für die Abgebrannten in Monasterczyska, für den Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg, für das Komitee für Rückwanderer in Breslau. Berlin, 23. Okt. Am 28. Oktober feiert.der Hofbuchbindermeister Alexander Demuth hier seinen 80. Geburtstag. Der alte Herr mit dem langen, schneeweißen Bart und dem vollen, weißen Haupthaar ist in Berlin eine bekannte Persönlichkeit. Mit Rüstig-, keit leitet er noch sein großes Geschäft. Sein guter Humor erhalt ihn frisch und an fröhlicher Tafelrunde versteht er treffend die Zeit zu schildern, wo er als armer Handwerksbursche durch, die Welt zog. Alexander Demuth ist 1823 zu Elbing geboren und ist mit dem Ränzel auf dem Rücken nach Berlin gekommen. Durch eisernen. Fleiß, durch minutiöse Pünktlichkeit hat er sich nach und nach emporgearbeitet; die Erzeugnisse seiner Kunst gehen durch die ganze Welt. - Kaiser Wilhelm I.. Kaiser Friedrich und Kaiser Wilhelm II. haben das Demuth'sche Geschäft sehr häufig mit Aufträgen beehrt. Im vorigen . Jahre konnte Herr De- Nluth sein 60jähriges Meisterjubiläum feiern. Der Kaiser sandte ihm zu diesem Feste den Kronenorden. Auch eine Reihe kommunaler Ehrenämter hat Demuth bekleidet und bekleidet sie heute noch. Posen, 21. Okt. Der Verein vNDb ps£» hielt am 11. Oktober seine 51. halbjährliche General-Versammlung ab. Von den in derselben gegebenen Berichten. die die Zeit vom 1. Mai bis 1. Oktober d. I. behandeln, ist besonders der Lernbericht hervorzuheben. Es fanden in diesen fünf Monaten 226 Stunden statt, und zwar in min 12 Stunden mit zusammen* 57 Theilnehmern; 18 St. mit zus. 105 Theiln.; i“s 22 St. mit zus. 1Q8 Theiln.; D'in in 3 Abtheilungen 57 St. mit zus. 293 Theiln.; jwd In 2 Abtheil. 37 St., mit zus. 343 Theiln.; »*»3 in 3 Abtheil. 67 St., mit zus. 441 Theiln.; und ow 13 St., mit zus. 106 Theiln. Die Bibliothek ist auf 703 Bände angewachsen, und das Vereinsvermögen.beträgt am Ende des Semesters Mk. 949.30. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich am 1. Oktober auf 60 hiesige und 11 auswärtige. Nach Ertheilung der Berichte wurde dem Vorstand auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Die Versammlung trat dann in eine Besprechung des Lehrplanes für das Wintersemester ein. und nahm, nach Erledigung einiger Anträge, die Neuwahl des Vorstandes vor. Es wurden wieder- . gewählt die Herren: Elia Rzeszewski zum Vorsitzenden. H. Gabriel zum Schriftührer, I. Hirsch zum Beisitzer. Neugewählt wurden die Herren: I. Jacobstamm zum Kaffirer, P. Pleßner zum ersten Bibliothekar und S. Posener zum zweiten Bibliothekar. Mit einem Appell des Vorsitzenden zum eifrigen Besuch der Stunden wurde die Versammlung nach fünfstündiger Dauer geschlossen. HildcSheim, 22. Okt. Zwischen Magistrat und Bürgervorsteher- (Stadtverordneten-)Collegium war eine Differenz bezüglich der Bestimmungen über das Schächten im hiesigen Schlachihof entstanden. Der Magistrat hatte den Antrag gestellt, wonach Schächtungen nur in dem Maße vorgenommen werden dürften, als das Bedürsniß der jüdischen Einwohner unserer Stadt dies erfordere. Das Bürgervorsteher- Kollegium hatte den Zusatz gemacht, daß außerdem der Bedarf der hiesigen Schlachter oder Wurstwaaren- Fabrikanten an Fleisch geschachteter Thiere Berücksichtigung zu finden habe; er verlangte also eine Ausdehnung der Schächtbefugnisse. der der Magistrat aber seine Zustimmung versagte. Es kam deßhalb zu einem Verwaltungsstreit-Verfahren, in welchem die Auffassung des Bürgervorsteher-Kollegiums den Sieg davontrug. Der Bezirks-Ausschuß entschied, daß das Bedürfniß der Schlachter und WurstwaareN-Fabrikanten an geschächietem Fleische bei der Bemessung des Umfanges der zuzulaffenden Schächtungen zu berücksichtigen sei. und zwar, so fügte der Bezirks-Aus-

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