Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 25 (30.3.1903)
- Date
- 1903-03-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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aus Berlin einen Vortrag über „Koran und Bibel". Seit 1200 Jahren übt der KorM einen großen Einfluß aus, zu ihm bekennen sich 140 Millionen, der zehnte Theil der Menschheit. Während für die Hebräer Israel der Mittelpunkt der Welt ist, Zion der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, sind dem arabischen Kaufmann Mohammed, den die Wüste von Änderen trennt, weltgeschichtliche und politische Probleme fremd. Da-- gegen bewegen seine Seele Gedanken, die außer aller Zeit und aller Geschichte, stehen, aber die tiefste Frage berührendie Frage Nach dem Unbekannten, .das das Ende - aller Zeiten bildet.. Erst nach dem Untergang des jüdischen Staates fängt das große Gericht an, eine Rolle bei den Juden zu spielen; das Buch Lenoch spricht darüber, - auch die Mischnah kennt es. Es ist von.den Evangelien übernommen worden, aber mit noch größerer Lebendigkeit ist es vom orientalischen- Christenthum ' ausgebildet worden. Von Mönchen und Büßern hat der arabische Prophet diese Ideen empfangen, und er war ganz geeignet, sie zu verbreiten. Denn was die. Andern in eine ferne Zukunft verlegten, das sah er beinahe, vor Augen. Die'Bilder hat er aus den Evangelien geschöpft, die aber im letzten Ende'auf die Gestaltungskraft bet jüdischen Propheten'zurückgehen. Viel ge? ringer ist der Antheil der Bibel an Mohammeds Schilderungen von Strafe und Paradies. Die Worte Jesajas und des Talmud hat er ganz wörtlich verstanden, und sowohl die wenigen Höllenstrafen, als die Freuden der Religion dem unkultivirten arabischen Volke in sehr realistischer Weise vorgeführt. Auf die Erwartung von Lohn und Strafe ' sollte das Gemüth der Gläubigen stets gestimmt sein. Eindringlicher wurde die Ermahnung, wenn sie sich auf die Erfahrung vergangener Zeiten stützte. Hierzu bot die Geschichte des schriftlosen arabischen Volkes nur wenig Gelegenheit. Dagegen war die Bibel durch die eingewanderten Juden schon seit der Zerstörung des Tempels in Arabien heimisch geworden. Diese benutzt Mohämwed, noch mehr aber die Legenden des Midrasch, die er'wahllos mit den Erzählungen der Bibel vereinigte und Nutzanwendungen in seinem Sinn daran knüpfte. Kain, Noah, .Abraham treten auf. Bei letzterem bringt er die Erzählungen aus dem Midrasch, wie Abraham zur Gottescrkenntniß kam, und wie er die Nichtigkeit der Götzen zeigte. Ganz besondere Ausgestaltung widmete er der Geschichte Josephs (der; Redner trug die romantische Episode mit der Frau des Potiphar, Suleika, nach dem Gedichte des persischen Dichters Firdusi vor). Moses, der die Brust egyptischer Ammen nicht annimmt (nach dem D?idrasch), der brennende Dornbusch werden erwähnt. Dagegen ist aus der Königsgeschichte fast nur Salonron erwähnt und dessen Weisheit und Herrschaft über die Geister rühmlichst Hervorgehoben. Der Besuch; der Königin von Saba bei Salomo wird nach dem zweiten Targüm zum Buche Esther erzählt. Hierin jedoch, wie bei verschiedenen anderen Gelegenheiten, hat Mohammed die eigentliche Pointe nicht verstanden. Mit Salomo endigt die Reihe der biblischen Gestalten im Koran. In der eigenthümlichen Form, die ihnen ein unkultivirter, aber idealer Geist gegeben hat, haben sie seit Jahrhunderten Geltung, und wo immer ein Moslim seine Andacht verrichtet, sind sie ihm vertraute Persönlichkeiten. Wenn heute'aus dem Schutt der Jahrtausende der Stein heryufgewühlt wird, der angeblich bezeugt, daß grundlegende Gedanken der heiligen hebr. Urkunden aus fremder Quelle stammen, so wollen wir abwarten, ob sich etwas davon-bewährt. Einstweilen aber demgegenüber die sichere Thatsache festhalten und nicht verdunkeln lassen, daß die wichtigsten Fortschritte der religiösen Kultur des Qccidents wie des Orients, im letzten Grunde auf die Hebräer zurückgehen, daß in jedem Fall für alle Zeiten eng zusammengehören Koran und Bibel. - vermischtes Tachau (Böhmen.) Eine Chewra-Kadischa-Feier war die Veranlassung, dag sich am Sonntag den 22. v. M. zum Abendgottrsdienste, eine größere Anzahl Glaubensgenossen wie stuft im Gotteshaus«: versammelten. Alljährlich wenn daSVerwalnmgsjahr um ist, versammeln sich hier die Mitglieder der Chewra-Kadischa, welcher beinahe die ganze Gemeinde angedört, um nach nnj?D derer zu gedenken, d e im abgelaufenen Jahre durch Gottes «nerforschlichen Rathschlug von diesem Leben übdcrufen wurden- — Herr Rabbiner Dr. Moritz Wohl, ein Mann von streng religiösen Grundsätzen. der nebenbei bemerkt, sich mir auf Grund des konservativen Programms, hier zum Rabbrncr bestellen lieg, hielt eine längere Rede, die einen aewaltigen Eindruck auf die Gemcindcmitgtie)cr übte und sie zu Thränkn rührte. In hiesiger Kultusgenieinde sind^ die reliaiosen Institutionen mach strengem RituS eingerichtet und herrscht in jhr ein echt religiöser Geist. Shanghai (China.) Sie jüdische Schule Hierselbst ist' bereits in voller Wirksamkeit. Vier Lehrer, zwei bezahlte und zwei freiwillige. unterrichten englisch und hebräisch. Die Schüler machen glänzende Forischritte; die Mädchen werden im Rahen unterrichtet, die Knaben im synagogalcn Singen. Briefkasten der Kedaetion. Chiffre K.: Die Rcdaction of the Light Ne^spaper f«>r Jewisli Interests tu Cape Town, wird Ihnen sicher g» wünschte Auskunft erthcilcn. Personen, welche Beziehungen zu Südafrika haben, oder solche zu erhalten wünschen, dürste es im klebrigen intercssiren zu erfahren, daß The South African Associated Press seit dem 1. März d. I. ihr Havptbureau für den Eontincnt unter der Direktion des Herrn Paulson-Nors in Berlin, Unter den Linden 20, eröffnet hat, wo alle nur wöglickcn Informationen — politische wie ökonomische — über Angelegenheiten Südafrikas crthcilt werden. Auch kann man dort die bedeutendsten englischen Blätter Südafrikas rinsehen. Den russisch-jüdischen Blättern sei diese Notiz zum Abdruck empfohlen. . - Adreffcnveränderungen unserer wertheu Abonnenten wollen uns gefl. rechtzeitig mitgetheilt werden, damit in der Zusendung deS Blattes keine Unterbrechung eintritt.