Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 25 (30.3.1903)
- Date
- 1903-03-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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in Westfalen denselben Gott, der z. B. in Hamburg das dortige Tempelgebetbuch versteht und seine Gebete erhört, zu was in aller Welt hatten ste erst kürzlich.ein neues zu bestellen brauchen? Was das traditionelle Judenthum mit der Waisenpflege zu thun hat, das will unserem Liberalen nun vollends nicht ernleuchten, und er findet es ganz in Ordnung. daß, als kürzlich ein konservativer Repräsentant diesen Zusammenhang recht eindringlich betont und nachgewiesen hat, chm von der linken Seite: „Mazzebäcker" und „Koscherwächter" entgegengerufen wurde. Dieser Vorwurf charakeristrt den ethischen Kulturgrad, dessen stch unsere Liberalen erfreuen, und auf den ste stch viel zu gut thun, als ob ste ein- Monopol darauf hätten. Ern orthodoxer Jude und selbst ein blos Konservativer weiß, daß es keine injuriöse Handlung ist, Mazzos zu backen und über das Kaschrus der Gemeinde-Institution zu Wachen. Solche Anwürfe sorgen dafür, daß unsere Konservativen die Kluft nicht außer Augen verlieren, die zwischen chnen und solchen Herostraten des Juderühums klafft. Wenn ihr Mundstück in der „Allg. Zeit. d. Jdth." entrüstet frägt, ob denn das JudenthUm eine Magenreligion sei, ob unsere Waisenpflege nur dazu da sei, die Pfleglinge vor einem trefenen Bissen zu bewahren, ob ste nicht vielmehr die Aufgabe haben, den Waisen ein Elternhaus zu schaffen, ihnen Liebe, Gute, edle Sitten und Kenntnisse beizubringen, und wie die schönen Worte alle heißen, so ist damit selbstredend gesagt: Das alles ist nur bei trefener Kost möglich; wenn aber auch die Gesetze über Speise und Trank beobachtet werden, wie sie Gottes Wort vorschreibt, so kann den Waisen das Elternhaus nicht ersetzt, so können ihnen Liebe, Güte, edle Sitten und Kenntnisse nicht beigebracht werden, denn die Waisen liefen dann ja Gefahr, jüdisch zu leben, Juden zu werden, und ste sollen doch Menschen werden in erster Linie, wie uns hier dozirt wird. Diese Menschwerdung sei zunächst dem liberalen Ceremonienmeister der konservativen Repräsentanten- Majorität empfohlen. Auf Purim läßt man stch die hohe Frisur und die lächerliche Grandezza schon gefallen. Aber, wenn man die Leistungen dieses liberalen Confusionsrathes nach Purim liest, LberkoMmt einem eine Seelenstimmung, wie ste Friedrich den Großen bewegt haben mag, als er die denkwürdigen Worte sprach: „Und mit diesen Mameluken muß ich mich herumschlagen," und man begnügt stch damit, ebenfalls nach dem Beispiel des großen Friedrich, das Pamphlet nur niedriger zu hängen. Das genügt. Ü-7 gettrmgSKsHrrchreN <md Ssnesyssderrsm. \ Deutschland. , ■ Berlin, 26. März. In der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 9. d. Mts., führte der freisinnige Mg. Dr. Barth auS: „Der Streitpunkt, um den es stch bei den Ausführungen des Herrn Mg. Dr. Porsch handelt, ist m der That außerordentlich wichtig. Deßhalb liegt mir daran, 'die verschiedenen Standpunkte, die der Herr Kollege Porsch und ich zu diesem Streitpunkte einnehmen, völlig klar zU stellen. Er hat angeknüpft an das, was man die Parität Mischen den einzelnen Konfessionen bei der Stellenbesetzüng nennt. Ich habe zum Ausdruck gebracht, daß das Prinzip, welches seitens des Zentrums nicht erst seit gestern, sondern schon seit geraumer Zeit immer vertreten ist — ich möchte es einmal das statistische Prinzip nennen — im Effekt zu der größten Imparität führt. Ich habe demgegenüber als unseren Standpunkt markirt, daß wir eine wahre Gerechtigkeit nur in dem Zustände erblicken können, wo bei der Stellenbesetzung nicht nach der Zugehörigkeit zu der einzelnen Konfession gefragt wird, sondern nur danach: ist der Bewerber moralisch, intellektuell u. s. w. quälifizirt für die Stelle, ist er der Bestqualifizirte? (Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Das ist der Standpunkt, den wir nicht blos gegenüber der katholischen Kirche, sondern allen Konfessionen gegenüber eingenommen Wissen Wollen^ auch der evangelischen, auch der jüdischen Konfession gegenüber. Wir haben oft genug h'ervorgehoben, daß wir eine schwere Ungerechtigkeit darin erblicken, wenn z. B. ein angesehener Gelehrter, ein junger, strebsamer Beamter, nicht aufrückt, und zwar aus keinem anderen Grunde als dem, weil er nicht Christ, sondern Jude ist. Derartige Fälle kommen oft genug vor. Und darüber hat sich in den Reihen der Zugehörigen zur jüdischen Konfession seit langer Zeit eine, wie ich zugeben muß, außerordentlich berechtigte Mißstimmung ergeben. (Sehr richtig!) Meine Herren, wir stehen auf dem Standpunkt, daß ein Staat, der. wirklich Gerechtigkeit bei der Stellenbesetzung üben will, sich auf den Grundsatz stellen sollte: 1a reclierclie da la confession est . inWdite. (Heiterkeit.) Man sollte bei Stellenbesetz'ungen überhaupt niemals fragen: zu welcher Konfession gehört dler Mann?, — sondern nur danach: ist er qualifizier?" Frankfurt a. M., 24. März. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sprach am 26. Febr. Rabbiner Dr. Plaut von hier über die Juden unter Caligula. In anziehendster Weise schilderte der Redner die Schicksale der Juden unter genanntem römischem Kaiser und ging insbesondere auf dir jüdische Gemeinde in Alexandrien ein. Am 23. Marz hielt Universitätsprofessor Dr. SigMUnd Frenkel