Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 25 (30.3.1903)
- Date
- 1903-03-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Keuchend kam Teitelbaum in das Bureau, als der . dafür sorgen, daß Sie Joseph in einem besonderen DaroN gerade feinen Brief öffnen wollte. . Zimmer sprechen können, indessen werde ich Joseph „Der Herr Baron brauchen den Brief jetzt nicht zu ablösen und so lange bei dem Kranken bleiben." . - lesen, ich kann es Ihnen besser mündlich sagen, wie ich Sie traten aus der Fensternische hervor, in der sie unfern armen Freund so rasch gefunden habe. Nach I ihre bisherige Unterhaltung geführt hatten, und Teitel- Sabbat-Ausgang reiste ich sofort nach Budapest, wo ich bäum ersuchte um ein Zimmer für kurze Zeit zu einer vom jüngsten Sohn der Familie, von Joseph, etwa I Unterredung. vor einem halben Jahre Nachricht hatte, daß er in einer! Die Brsritwilligkeit, mit der man allen Wünschen Gerberei Anstellung gefunden, dort den Sabbat und die! Teitelbaum's entgegen kam, zeigten Abraham, daß sein Feiertage frei habe, und bei seinem ziemlich guten Ge-! Cicerone das ganze Personal durch reichliche Trinkhalte auch noch etwas seinen armen Eltern allmonatlich I gelder für sich gewonnen haben mußte; denn die bloße schicken könne. In Budapest angekommen, sagte mir I Persönlichkeit Teitelbaums hätte ohne derartige Nachher Chef von Joseph, daß der letztere vor ca. acht Ta- I Hilfe diese Bereitwilligkeit nicht erklären können, gen von der Verwaltung des städtischen Wiener I „Die Ihnen versprochenen tausend Gulden-muß Krankenhauses benachrichtigt wurde, sein Vater liege! ich jedenfalls erhöhen," bemerkte der Baron, „da Ne, wie dort schwer krank danieder. Joseph sei in Folge dessen I ich sehe, ungewöhnliche, nicht vorgesehene Ausgaben an das Krankenbett des Vaters geeilt. Ich reiste sofort | hatten." ' ... hierher und traf Joseph am Krankenbette seines Vaters, I „Verzeihen Sie, Herr Baron," entgegnete Teitelwo er ohne Zweifel auch jetzt sein wird. Der Vater 1 bäum, „das Gegentheil ist der Fall. Wenn der Herr war von den Entbehrungen, Sorgen und Aufregungen! Baron gedacht hätte, daß meine Sendung so rasch und der letzten Jahre so hart mitgenommen worden, daß er! so leicht sich erfüllen würde, so hätten Sie gewiß keine ' in Men auf offener Straße vor zehn Tagen zusammen- I so große Summe dafür ausgesetzt. Ich habe alles in , brach und in's Krankenhaus gebracht werden mußte. I allem noch lange nicht hundert Gulden gebraucht." Die Ruhe und Pflege, besonders aber die Anwesenheit! Während dieser Unterhaltung hätten sie das ihnen Josephs haben dem Patienten sichtlich wohlgethan, so! reservirte Zimmer erreicht, in welchem Teitelbaum den daß eine eigentliche Gefahr nicht zu befürchten und alle I Baron allein zurückkieß, um Joseph zu schicken. In Hoffnung vorhanden ist, daß die Krankheit in wenigen! wenigen Minuten standen sich die beiden Milchbrüder Tagen gehoben sein und Herr Schick in spätestens vier- I gegenüber und fielen sich weinend in die Arme. Nachzehn Tagen das Spital verlassen kann." I dem sie sich gegenseitig iy großen Umrissen ihre Erleb- „Und wo ist die Mutter und die anderen Kinder?" I nisse erzählt hatten, fragte Abraham von Korff, ob er fragte der Baron hastig. ' I den Vater sprechen könne. „Die Söhne sind in verschiedenen Orten Galiziens I „Sprechen wohl nicht; er schläft. Aber auch, wenn und Ungarns zerstreut und suchen sich so gut und so.! er wach sein sollte, weiß ich nicht, ob ihm diese Äufschlecht, wie es geht, zu ernähren. Frau Dina Schick I regung gut bekommen würde," entgegnete Joseph, und zwei Töchter sind in einem gakizischen Dorfe, wie! „Kann ich ihn nicht wenigstens sehen?" fragte mir Joseph sagte, der Name ist mir im Augenblicke I Abraham. entfallen." | „Gewiß, selbst wenn er inzwischen erwacht sein „Gott sei Dank, daß wir soweit halten," sagte I sollte, da er ja keine Ahnung haben kann, wer sein Be- Abraham v. Korff, „und nach Gott Ihnen, Herr Teiiel- I sucher ist." bäum, meinen herzlichsten Dank. Haben Sie dem Va- I Sie gingen in den Krankensaal und fanden den ter ettvas von unserem Zusammentreffen gesagt, daß! Patienten schlafend. Teitelbaum zog sich ehrerbietigst er auf mein Kommen vorberätet ist?" ] zurück, während Abraham und Joseph sich vor den „Nein," entgegnete Teitelbaum, „bei seinem Zu-! Kranken hinsetzten und ihre Blicke zunächst dem stände hielt ich jede Aufregung für schädlich, selbst wenn I Kranken zuwandten, ohne die ersten Minuten ein Wort sie freudiger Art ist. Aber Joseph ist von allem unter-! zu sprechen. Abraham stürzten die Thränen aus den richtet. Er hat die Depesche aufgesetzt und besorgt, die I Augen. Leise sagte er zu .Joseph: ich an den Herrn Baron aufgegeben habe." I „Wenn ich den edlen Wohlthäter meines Lebens. „So wollen wir 'ihn zunächst aufsuchen. Wollen 1 hier krank, arm und elend liegen sehe, möchte mir der Sie mein Führer sein, Herr Teitelbaum?" fragte der! Gedanke schier das Herz brechen, daß ich die mittelbare Baron. „Sic wissen hier doch gewiß gut Bescheid."! Ursache seines Unglücks bin, die ihn fort von Haus und „Es ist jetzt keine Besuchszeit für Fremde; aber! Hof in's tiefste Elend getrieben hat. Lieber Joseph/ wenn dies auch wäre, so könnten Sie doch in dem! ich bin hier auf der Hochzeitsreise: meine Frau hat keine großen Krankensaale, in dem unser Patient mit noch i Ahnung von meiner Vergangenheit und Herkunft;- sie einigen dreißig Kranken liegt, doch weder, den Vater! hält mich. für . einen geborenen von Korff. Ich habe sie noch den Sohn ungestört sprechen. Aber ich werde > schon länger als billig bei einer befreundeten Familie