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Der Israelit · 1903-03-30 · Heft 25 (30.3.1903) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 25 (30.3.1903)
Date
1903-03-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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schränkuNgen wenig Hoffnung auf gesetzliche Regelung der Frage gemacht, und es offen ausgesprochen, daß dem Uebel nicht gesteuert worden wäre, wenn eine von Lord Salisbury im Jahre 1894 eingebrachte Bill zur Regelung der Einwanderung Gesetz geworden Ware. Daß der große Zuzug unbemittelter Fremder ein Mißstand für London geworden ist, kann Niemand leugnen; die Vernehmungen vor Lord James' Ausschuß haben vielfach wahrhaft entsetzliche Schilderungen von den Verhältnissen ergeben, unter denen die überwiegend aus Rußland und Rumänien eingewanderten Juden, im Ostende von London leben. Andere haben den Nachweis unternommen, daß diese Leute mit ihren mehr als bescheidenen Bedürfnissen in verhängnißvoller Weise die Lebenshaltung der englischen Arbeiter beeinflussen, und die ohnehin schon große Zahl der Unbeschäftigten vermehren. Auch die Zunahme der Vergehen und der große Antheil der Fremden aller Nationen daran wurden in den Vernehmungen des Ausschusses berührt. Es ist bemerkenswerth. daß die von diesem befragten Arbeiter, die unter der Einwanderung der Fremden am meisten leiden, vor so radikalen Maßnahmen dagegen, wie ste Sir H. Vincent und sein schutzzöllnerischer Anhang Vorschlägen, zurückschrecken und ausdrücklich den Wunsch äußern, daß gegen die Fremden nicht im Widerspruch gegen die Grundsätze religiöser und poliiischer Freiheit vorgegangen werde. - Sie wissen eben ganz gut, daß die Zustände im Ostende .menschenwürdiger würden, wenn die Wohnungsfrage eine vernünftige Lösung fände, und London mit besseren Verkehrsmitteln ausgerüstet würde, die den Arbeitern ermöglichten, sich weiter ab von ihren. Arbeitsstätten anzusiedeln. Auch würde durch wirksame Gewerbeinspektion und besseren Schütz der Arbeiter vor wahrhaft entsetzlicher Ausbeutung das Uebel wesentlich gemildert werden. Will England aber unliebsame Einwanderung von seinen Gestaden fernhalten, so wende es seine Aufmerksamkeit und sein Interesse der Verbesserung der Lage jener unglückseligen Menschen zu, die um ihres Glaubens willen in Rumänien fortdauernd bedrückt und verfolgt werden, obwohl der auch von England Unterzeichnete Berliner Vertrag ihnen Gleichstellung mit . den anderen Bewohnern des Landes zugesagt hat. In Rumänien und in Rußland liegen die Quellen des Nebels, unter dem die Londoner Arbeiter leiden, und ehe diese Quellen nicht verstopft werden, ist an eine durchgreifende Besserung der Zustände im Ostende von London nicht zu denken. Sfr Howard Vincent scheint durch die Erörterung dieser Angelegenheit im Unter- . hause in der Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit ' seiner Ideen erschüttert worden zu sein. Denn er hat jetzt einen Antrag eingebracht, der sich nur mit der Kategorie von Einwanderern beschäftigt, die in der Heimath mit den Strafgesetzen in Widerstreit gerathen waren. ' F e ü i llt i 0 tt. Von Wobert Käntein. [29 ' XX. 7/77* 7 Am folgenden Tag reiste das junge Paar nach Wien ab. Da durch sein mehrjähriges Studium daselbst Abraham von Korff dort gut bekannt und eingeführt war, so sollte dort ein mehrtägiger Aufenthalt genommen werden, um der jungen Frau alle Herrlichkeiten der Kaiserstadt zu zeigen. Unter der Korrespondenz, die sie in Wien vorfanden, war auch ein Brief Pater Firmians, welcher Abraham erinnerte, daß Wien,,wo der selige Baron Fräulein Luise von Wartenberg kennen gelernt habe, wohl noch immer die meiste Aussicht biete, dort eine Spur von ihr zu finden. Am Rande bestätigte Pater Firmian die betr. Teitelbaum erhaltene Nachricht, und beglückwünschte Abraham zur Auffindung dieses Mannes, in dem Frau Kathinka von Korff nur den Finder des Portefeuilles erblickte und dabei wiederholt ihr Bedauern aussprach, daß sie den ehrlichen Menschen nicht selbst gesprochen habe.' Da das junge Paar in Wien bei verschiedenen Familien verkehrte, die junge Frau also nicht ausschließlich auf die Gesellschaft ihres Mannes angewiesen war, so bat sie ihn, diesen Umstand zu benützen, um Nachrichten über Frl. von Wartenberg einzuziehen. Abraham that dies auch, aber, wie vorauszusehen war, ohne jeden Erfolg. Denn, weil jede Nachforschung ihren Ausgang von hier nehmen mußte, war auch nach dieser Richtung hin alles bereits geschehen. Am Tage vor der projektirten Abreise von Wien erhielt Abraham von Korff ein Telegramm von Pater Firmian mit der Mittheilung, Teitelbaum habe telegraphirt, er habe Schick im städtischen Krankenhause zu Wien gefunden. Sofort fuhr Abraham nach dem Krankenhause und begab sich nach dem Büreau, wo er seine Karte abgab mit dem Wunsche, den Patienten Feiwel Schick zu sprechen. Kaum hatte der Baron seinen' Namen genannt, als ihm ein Brief überreicht wurde, dessen Adresse von seiner eigenen Hand geschrieben war; er war also von Teitelbaum. Aber der Baron hatte den Brief noch nicht geöffnet, als sein Schreiber selber in's Büreau trat. Er hatte sich in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses einlogirt und dem Büreaudiener einen Gulden versprochen, wenn er ihn sofort nach Eintreffen des Barons von Korff davon in Kenntniß fetze.

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