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Der Israelit · 1903-03-30 · Heft 25 (30.3.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 25 (30.3.1903)
Date
1903-03-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zetturrgsrrachrichten und Correspou-enzen. Deutschlan d. •' Mainz, 27. Marz. Dem Rechenschaftsbericht des „Israelitischen Hilssvereins in Mainz" für das Jahr 1902 entnehmen wir: An erster Stelle müssen wir in unserem diesjährigen Berichte des Mannes gedenken, der stch nicht nur an der Gründung des Vereins in hervorragender Weise betheiligt, sondern auch bis zu seinem Hinscheiden mit seltener Pflichttreue, mit Gewissenhaftigkeit und ungewöhnlichem Geschicke die Geschäfte desselben geleitet hat. Unser Vorsitzender, Herr Vernarb Albert Mayer, der leider zu früh uns Entrissene, hatte ein warmes Herz und eine mildthätige Hand für die Armen und Schwachen. Es wird schwer sein, die Lücke auszufüllen, die durch seinen Tod in unserer Mitte entstanden ist. Die Anforderungen an unseren Verein wachsen fortwährend. Die Zahl derjenigen, welchen ständige Unterstützungen gewährt werden mußten, hat stch um sieben vermehrt, und die Ausgaben sind um ca. 1400 Mark hierdurch vergrößert worden. Durch Wegfall resp. Verringerung von Unterstützungen haben wir ca. 600 Mk. weniger auszuzahlen, sodaß immerhin noch ein Mehraufwand von 900 Mk. nöthig ist, gegen das. Vorjahr. Dabei sind die Mitgliederbeiträge gleich geblieben und die Geschenke sind ihrem finanziellen Ergebnisse nach viel spärlicher ausgefallen, so daß wir auch dieses Jahr gezwungen sind, aus den letzteren und dm Zinsen eine weit größere Summe als im vorigen Jahre zur Bestreitung unserer Bedürfnisse zu entnehmen. Wir müssen unsere Mitglieder immer wieder auf's Reue bitten, bei jeder Gelegenheit dafür Sorge zu tragen, daß die Zahl unserer Mitglieder sich vergrößere und daß die Kenntniß der Ziele und Zwecke unseres Vereins in immer weitere Kreise getragen werde. An Mitgliederbeiträg'en gingen Mk. 6861 ein, unterstützt wurden 63 Personen mit Mk. 7412. An Geschenken wurden Mk. 2306 eingenommen. An Vermögen sind Mk. 57,691 vorhanden. Berlin, 26. März. Graf P ü ck l e r befindet sich zur Zeit in einem Berliner Sanatorium, worin als Chefarzt Professor Dr. Mendelssohn, sowie zwei Aerzte, Dr. Hirsch und Dr. Cohn, ihres Amtes walten. Die antisemitischen „Deutsch-sozialen Blätter" nennen das einen unerhörten Skandal und bemerken dazu: Wir finden keinen Ausdruck zur Kennzeichnung der Gesinnung jener Leute, die den edel und ideal veranlagten, aber krankhaft überreizten Mann, Jahre lang für ihre Zwecke mißbrauchten und jetzt nicht verhindert haben, daß er in dieser Weise zum Kindergespött gemacht wird. Es gibt doch wohl noch in Berlin oder sonstwo in Deutschland Sanatorien mit christlichen Aerzten. Memel, 26. März. Am Montag Nachmittag wurde Herr Jakob Schapiro hierselbsi unter überaus großer Betheiligung zur letzten Ruhe bestattet. Herr Jakob Schapiro war einer der bedeutsamst'en Männer der Memeler Judenschaft, der weit über das Weichbild hiesiger Stadt allgemein geehrt und geachtet war, ein Mann, in dem Thorakennttriß und weltlicher Besitz vereint war. Jahrzehnte hindurch hatte der Verewigte der hiesigen Gemeindevertretung, wie auch dem Kuratorium des hiesigen jüdischen Krankenhauses angehört, und in dieser seiner Stellung viel Gutes und Lobenswertes gethan. was ihm die'Unsterblichkeit seines Namens innerhalb der Gemeinde sichert! Besonders viel verdankt ihm unser Arth Hamidrasch. dessen er sich stets warm und wirksam angenommen hatte, und worin er oft stundenlang dem Thorastudium oblag. Sein'Haus war der Sammelplatz der ThorakuNdigen und Thorajünger und eine Zufluchtsstätte für Hilfesuchende aller Art. Als Mitglied des „ständigen Hilfs-Komitees für die auswandernden russischen Juden" hatte der Verewigte sich ganz besonders hervorgethan. Am Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Carleb a ch von hier und ein auswärtiger, dem Verblichenen befreundeter Rabbiner, Herr Michel H o w s ch a aus S k u d (Rußland), welche beide das vielseitige und gemeinnützige Schaffen und Wirken des Heimgegangenen in längeren, geistvollen Reden schilderten. Fast kein Auge blieb thränenleer. Die Teilnahme war umso größer, als der Verstorbene das Opfer eines langwierigen Leidens geworden, das ihm den Abend seines thatenreichen Lebens verbitterte. Möge er in Frieden ruhen. Emil Benjamin. München, im März. Eine Beschwerde des Viehhändlers David I o e l s o h n gegen den Beschluß des Bezirksamts Gunzenhausen, wegen Erhöhung des bisherigen Beitrags zu den israelitischen Kultusumlagen daselbst wurde vom Verwaltungsgerichtshof kostenfällig verworfen, unter Festsetzung der Beschlußgebühr auf 25 Mk. Die Zuständigkeit des Gerichtshofs ist nach Artikel 8, Ziffer 36, und Artikel 9 des Gesetzes vom 8. August 1878 begründet, da es sich um einen bestrittenen Anspruch der israelitischen Kultusverwaltung handelt, der im Kultusgemeindeverb'and beruht. In der Beschwerde wurde zwar die Berechtigung der Kultusgemeinde zur Erhebung von Umlagen nicht bestritten, jedoch die Verpflichtung zur Entrichtung erhöhter Umlagen aus dem Grunde bestritten, weil keine Bereicherung durch Erbschaft vorliege, sondern eine Schenkung seitens des Erblassers zu Lebzeiten. Die Schätzungskommission hat jedoch nach eingehenden Erhebungen und Prüfung der thatsächlichen Verhältnisse eine Vermögensvermehrung in Folge Erbschaft als erwiesen erachtet, und hiernach die Umlageerhöhung festgesetzt, nachdem seitens der Gegenpartei jedes Zeugniß bezw. jede eidliche Aussage verweigert worden. Bei dieser

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