Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 25 (30.3.1903)
- Date
- 1903-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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stehen/die beiden Fleischpräparate Soson, ein grauweißliches Pulver, und das bräunlich aussehende MyogeN; in diese Kategorie gehören auch Gluton, ein aus threrischen Abfällen gewonnenes, pulverisirtes Leimpräparat, sowie Antweilers Pepton, das freilich jetzt sehr wenig im Gebrauch ist. Eine Kombination verschiedener Produkte stellen mehrere hierher gehörige Präparate dar. Das Tropon setzt sich aus thierischen und pflanzlichen Stoffen zusammen; es besteht zum größeren Theil aus vegetabilischen Rohmaterialien, zUm kleineren Theil aus Fleisch- und Fischabfällen; die Alcanose ist aus Muskeleiweiß und Milchzucker zusammengesetzt, und gelangt bis jetzt nicht sehr viel zur Verwendung. Eine viel größere Verbreitung hat das erstgenannte Präparat, das Tropon, gefunden, welches eine feinpulverige Substanz von graubraunem Aussehen darstellt, geschmack- und geruchslos ist; dieses Präparat besitzt viele Vorzüge, und den der Billigkeit — ein Kilogramm kostet kaum 6 Mark. Es haftet ihm aber der Nachtheil an, daß es im Waffer nicht löslich ist und darum etwas sandig schmeckt. Zch habe zwar die Troponwerke in Mühlheim a. Rh. zu veranlaffen gesucht, ein rituelles Tropon in den Handel zu bringen, aber meine diesbezüglichen Unterhandlungen führten zu keinem Resultate. Ich betone dieses deßhalb hier, weil in meinem „Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke, mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze", die Annahme vertreten ist, daß die Tro< ponwerke ein rituelles Präparat zu fabriziren bereit seien. Außer diesen pulverförmigen Nährmitteln gehört in die Reihe dieser rituell unzulässigen Präparate eine . große Anzahl von bald dickflüssigen, syrupartigen, bald dünnflüssigen Produkten, welche als Fleischextrakte in den Handel gelangen und sich eines großen Ansehens erfreuen. Um aus der Schaar derselben die bekanntesten herauszugreifen, erwähne ich die Fleischertrakte von Liebig, Kemmerich, Koch, Valentine, Denager, Maggi, die Fleischsolution von Leube-Rosenthal, ferner Bootil, Carnigen, Karno, Puro, Toril. Das älteste und wohl verbreitetste Präparat ist unter diesen der Fleischextract von Liebig, der seit mehr als 40 Jahren sich im Handel befindet, und in Südamerika in großen Mengen durch Extraction des gehackten Rindfleisches mit Wasser bei 70" C. und nachherigem Eindampfen des Saftes, gewonnen wird. Da die Fleischextracte bei der Fabrikation nur geringe Mengen hon Eiweiß in sich aufnehmen, so ist ihr eigentlicher Nährwerth kein allzugroßer. Die Fleischextracte besitzen vielmehr die Bedeutung von concentirten Fleischbrühen, und spielen wie diese durch ihren Gehalt aus den Salzen und Extractivstoffen des Fleisches, mehr oder minder die Rolle von Anregunzs- und Genußmitteln, welche eine angenehm anregende Wirkung auf die Magennervcn, sowie auf das ganze Nervensystem ausüben. Wenn Fleischextract der Bouillon oder anderen Suppen und Speisen nur m geringen Mengen, etwa 1—2 Gramm — in großen Mengen können sie schädlich sein — zugefügt wird, so ist er im Stände, den Geschmack zu verbessern, den Appetit zu heben und die Nerven zu stimuliren. , \ . Es ist darum mit Freuden zu begrüßen, daß auch rituell zubereitete Präparate auf den Markt gebracht werden, und so Gelegenheit geboten ist, sich überall dort, wo man in jüdischen Haushaltungen eines angenehm wirkenden Anregungsmittels -nicht entbehren möchte, . eines der Fleischextracte ebenfalls zu bedienen. DaS älteste unter den rituellen Fleifchextracten ist das Praparat von Dr. Papilski; tS gelangen jetzt noch zum Verkaufe die Präparate von Halberstadt-Mainz, und das vielfach empfohlene Fleischextract Uri-Uri von Morgenthau - Mainz. Die rituellen Fleischextracte sichen, was ihren Geschmack und ihre Wirkung anbetrifst, den anderen derartigen Präparaten an Werth, nicht nach; sie zeichnen sich sogar durch eine besondere Reinheit aus, da das rituelle Speisegesetz und' die hierdurch bedingte peinliche Aufsicht der zu-' ständigen konservativen Rabbinate Garantie bietet, daß sie nur von gesunden, kräftigen Thieren stammen. Wenn man bedenkt, aus welchem minderwerthigen Material meist die Fleischextracte in den Pampas von Südamerika hergestellt werden, so wird man diesen Faktor, der die rituellen Präparate auszeichnet, zu würdigen wissen; ebenso ist hervorzuheben, daß auch der Preis der rituellen Fleischextracte ein angemessener ist. Aehnlich wie die Fleischextracte erweist sich auch Maggis Suppenwürze, in geringen Mengen den Suppen oder sonstigen Speisen zugesetzt, als geeignet, den Geschmack zu verbessern; seine Herstellungsweise ist. nicht ganz bekannt. So lange es nicht feststeht, daß es . nur die würzigen Bestandtheile von Pflanzen enthält, ist seine rituelle Zulässigkeit anzuzweifeln. Erst in der jüngsten Zeit ist der Suppenwürze von Maggi in der Edelwürze Jenil Concurrenz geboten woÄen; es enthält nur würzige Extracte von Pflanzen, ist durch Reinheit und angenehmen Geschmack ausgezeichnet, und gelangt auch in ritueller Herstellung auf den Markt. Die Anwendungs- und Wirkungsweise von David Bauers Jenil ist ganz dieselbe, wie bei der so reclamehaft empfohlenen Suppenwürze von Maggi. Man hat auch versucht. Fleischfast zu sonstigen Genuß- oder Nahrungsmitteln hinzuzufügen, und so. ihren Werth zu erhöhen. Auf diese Weise entstanden Roß' Kraftbier, Viald' jonischer Wein, die, weil rituell unzulässige Stoffe enthaltend, dem rituellen Genüsse entzogen sind. Ebenso sind vom religionsgesetzlichen Standpunkte alle jene Präparate, welche diesen oder' jenen rituell unzulässigen Stoff enthalten, unzulässig; ich erwähne hier die verschiedenen Cacaos, Cakes, Zwiebacks oder sonstigen Produkte, welche Samatose, Tropon, Tersan oder ein ähnliches Präparat in sich bergen. (Fortsetzung folgt.)