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Der Israelit · 1903-03-30 · Heft 25 (30.3.1903) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 25 (30.3.1903)
Date
1903-03-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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itgjte Rolle spielt, so ist eS erklärlich, daß die meisten Kunstpräparate diesen Nährstoff enthalten, und zwar derart konzentrirt, daß geringe Mengen ausreichen, um den Bedarf des Organismus an Eiweiß zu decken. Es wäre aber verfehlt, die Ernährung des Menschen einzig und allein aus die Darreichung der künstlich gewonnenen Eiweißffoffi zu beschränken: soll die Ernährung eine ausreichende sein, so dürfen auch die anderen Nährstoffe wie Fett, Kohlehydrat (Mehl, Zucker), verschiedene Salze nicht fehlen. Im Allgemeinen stellt sich der tägliche Bedarf eines mäßig arbeitenden, erwachsenen Menschen aus etwa 120 Gramm Eiweißstoffe,*) 80 Gramm Fette, 400 Gramm Kohlehydrate, 30 Gr. Salze. Dabei ist nicht zu vergeffen, daß das N'ahrungsbedürsniß bei gesunden und arbeitenden Menschen ein größeres ist. als bei solchen, die nicht arbeiten oder gar das Bett hüten. Richtig angeordnet, sind die künstlichen Nährpräparate geeignet, den Körper stets dann, wenn die Zufuhr der gewöhnlichen Nahrungsmittel eine mangelhafte ist. vor allzugroßem Stoffverbrauch, vor allzugroßem Eiweißzerfall zu schützen, ihn in allen Krankheitsfällen zu stärken, und so auf den Ablauf der Krankheit selbst günstig einzuwirken. „Wer gut ernährt, heilt gut." Es ist darum nicht zu verwundern, wenn sich die Industrie dieses neuen Ernährungszweiges mit großem, ich möchte fast sagen, mit übergroßem Eifer bemächtigt, und ein ganzes Heer von Nährpräparaten auf den Markt gebracht hat. Ein jedes findet natürlich gleich seine Lobredner und Fürsprecher, ein jedes will dazu berufen sein, die anderen zu verdrängen. Wir verlangen von einem guten Nährpräparate, damit es den Anforderungen der Hygiene entspreche, daß es vor Allem in sich die Eigenschaften der Nahrhaftigkeit und Verdaulichkeit vereine, wir verlangen aber auch von ihm, daß es dem Gesch'macke entspreche, keine schädlichen Keime enthalte und, wenn wir den volkswirthschaftlichen Standpunkt berücksichttgen, nicht zu hoch im Preise stehe. Und da. ist es erstaunlich, zu sehen, welche Unterschiede in dieser Beziehung zwischen den einzelnen Nährpräparaten bestehen, in wie weiten Grenzen sich ihr Werth und Preis bewegt. Dabei dürfen wir einen wichtigen Faktor, der nicht in den Präparaten selbst liegt, keineswegs aus den Augen verlieren; es ist erforderlich. daß wir jeden einzelnen Krankheitsfall individualisiren, den Zustand des Kranken und seine Geschmacksrichtung berücksichtigen, und danach die Wahl des Nährpräparats bemessen. Die Gesichtspunkte, die uns bei der Darreichung eines Nährpräparates zu leiten haben, sind darum gar mannigfacher Art. Es ist da rum für den Arzt, geschweige denn für den Laien, gar nicht so leicht, unter der großen Schaar von Präparaten. die sich iM Handel befinden, die richtige Auswahl *) Nach neueste Untersuchungen beträgt der Bedarf an Eiweiß sogar nur 80 Gramm. zu treffen. Für diejenigen gar, die ihre Nahrung innerhalb der Grenzen des religiösen Speisegesetzes wählen, muß die Wahl Än'e um so schwierigere sein. Denn zu jenen Momenten, welche für die Wahl eines Nahrungsmittels an und für sich bestimmend sind, tritt noch eine Rückstchtnahme auf das rituelle Speifegesetz hinzu/ welches eben eine Reihe von Nährpräparaten, weil aus religionsgesetzlich unzulässigen Produtten zuberÄtet, aus dem Regime der Ernährung ausscheidet. Die Frage, welche Stellung das rituelle Speisegesetz zu den einzelnen Nährpräparaten einnimmt, ist nicht so leicht zu entscheiden; nur derjenige vermag sie zu beurthÄlen, welcher den Ursprung, die chemische Zusammensetzung und die Fabrikationsweise der einzelnen Präparate kennt. Es erscheint Mir darum von Interesse, gerade von diesem Standpunkte den Werth der bekanntesten Nährpräparate zu beleuchten und einen Ueberblick über ihre rituelle Zulässigkeit zu geben. Ihrem Ursprünge nach stammen die Nährpräparate, wie sie in den Handel gebracht werden, entweder von Produkten des Thierreiches ab (von den Muskeln, dem Leimgewebe oder Blut der Thiere, von Milch, Eiern) oder von solchen des Erdreiches (von Getreide, Reis, Erbsen), oder stellen schließlich eine Kombination beider Arten dar. Ihrer chemischen Zusammensetzung nach enthalten sie in erster Linie entweder Eiweißstoffe, Fette, Kohlehydrate oder die Nährsalze des Fleisches, und gelangen theils in trockener, pulveristrter oder flüssiger, syrupartiger Form in den Handel. BoM .religiösen Standpunkte müssen wir uns überall dort, wo eine Beachtung des rituellen Speisegesetzes in den strenggläubigen Kreisen nicht nur erwünscht, sondern uch Gew'issenssache ist, einzig und allein von der Erwägung leiten lassen, ob Abstammung, Herstellung und Beschaffenheit des Präparates auch den Anforderungen des Religionsgesetzes entspricht. Wir müssen-uns darum stets die Frage vorlegen, ob das betreffende Präparat aus Produkten der Fleisch-, Milch- oder Minniggruppe (indifferente Stoffe wie Eier, Erdreichprodutte) besteht und ob genügende Garantieen für seine rituelle Herkunft und Darstellungsart geboten sind. Es ist klar, daß alle jene Präparate, welche aus dem Muskelfleisch oder sonstigen Geweben nicht rituell, geschachteter Thiere stammen, oder irgendwelche religionsgesetzlich unzulässige Beimengungen, wie Blut enthalten, im Allgemeinen auch für den rituellen Gebrauch fortfallen. In diese Gruppe gehören alle bisher in den Handel gelangten pulverförmigen Präparate, die aus dem Fleisch der Schlachtthiere heraestellt sind; sie stammen fammt und sonders von nicht gefchächteten Threren her. In erster Linie ist hier zu nennen die Samatose ein gelblich aussehcndes. fast geruch- und geschmackloses Präparat, das sich trotz des hohen Preises — ein Kilogramm kostet etwa 60 Mk. — sehr großer Beliebhüt erfreut. Der Somakose in ihrem Werthe sehr nahe

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