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Der Israelit · 1904-08-01 · Heft 61 (1.8.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 61 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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eine» Beamten des Kaisers. Wenn der sozialistischnihilistischen Partei in Rußland Juden angehören, so hat das mit dern Judenthum als solchem, absolut nichts zu thun und die russischen Juden hängen trot. aller Bedrückung und aller Verfolgungen treu an der taiserlichen Regierung. Rach dem jüdischen (Grundsatz: ..Wenn Dein Feind stillt, so freue Dich nicht." freut sich die russische Judenheit demgemäß nicht über den Fall Plehwes. Wenn ausgelassene, russische Studentinnen in Bern Tänze anfgeführt haben und Anarchisten in tltewyork Jubelversammlurlgen und Freudenkundgebungen veranstaltet haben, so kann das auter keinen Umständen dem Judenthum zur Last gelegt werden. Denn dieses erkennt solche nicht als Juden an. als Juden haben sie das Wohl des Landes zu fördern, in das sie nach göttlichem Willen verbannt sind. Daher befinden sich Anarchisten. Nihilisten und Sozialisten in einem bewußten Gegensatz zum Judenthum, und wahre Juden können diesen Parteien nicht angehören. Berlin. (P r e ß st i m m e n über P l e h w e.) Wesentlich anders als die freisinnigen und liberalen Blätter bis in ihre schwächsten Rüancen stellen sich die konservativen, antisemitischen und agrarischen Organe zur Ermordung des rusiischen Ministers. Sie beuten die That, obgleich man über die Person des Thäters und seine Motive noch nichts Näheres weiß, sofort als einen Ausfluß des internationalen Verschwörerthums und zeigen mit anklagendem Finger nach beliebtem Muster auf die deutsche Sozialdemokratie, den Königsbcrger Prozeß und — die Juden. Der „Reichsbote" ist aber mit seinem Urtheil schnell fertig. Er nennt den Mord einfach ein blutiges Siegel auf den Konigsberger Prozeß, nennt Plehwc den von Juden und Revolutionären gleichgehaßren Mann., den man namentlich mit tendenziöser Einseitigkeit für die Vorgänge in Kischinew persönlich verantwortlich gemacht habe. Die antisemitische „Staatsbürgerztg." schwingt sich zu einer Art Verherrlichung Plehwes auf und nennt ihn einen modernen humanen Staatsmann, der nur dem Hast, der russischen Terroristen zum Opfer gefallen sei. die zum grössten Theile aus Juden bestehen. Diesen will sie auch die Verantwortung zuschreiben. Einen ähnlichen Ton schlägt die agrarische ..Deutsche Tageszeitung" an. die u. a. sagt: Ganz unbändig wurde dieser Haß gegen Plehwe besonders seit dem Moment, wo er den russischen Juden rund heraus erklärte, daß sie die eigentlichen, wenn auch natürlich sich stets im Hintergrung haltenden Leiter und Schürer der revolutionären Bewegung in Rußland seien. Das war ein bitteres Wort, das niemals verziehen werden konnte, weil es — wahr ist. Dcr Mann mußte schlecht gemacht werden, und er wurde auch täglich als der leibhaftige Teufel dargejtellt. Berlin, 27. Juli. Dem im Hererofeldzug gefallenen jütischen Leutnant Bendix widmet der frühere Kommandeur der Schutztruppe. Oberst Leutwein. in Nr. 79 des „Militär-Wochenblatts" vom 5». d. Mts. den folgenden ehrenden Nachruf: „Windhut. den 24. April 1904. Am 13. März, im Gefecht bei Owilolotcru, fiel der Leutnant der Reserve. Bendix. vom Königt. Bayerischen 3. Pionierbataillon. Der selbe gehörte als Ingenieur zur Otowibahn Gesellschaft uno war erst seit wenigen Monaten im Lande, als der Aufstand ausbrach. Derselbe stellte sich freiwillig zur Verfügung und leitete zunächst den Wiederherstellungsbau der Eisenbahn. Zur Feldtruppe versetzt, fand er dann einen schnellen ruhmvollen Tod. Seine bervor ragende Tüchtigkeit in seinem Zivilberuf und sein gefälliges, liebenswürdiges Wesen sichern ihm ein dauerndes Andenken bei der Schutztruppe: Leutwein. Oberst und Kommandeur der Kaiserlichen Schntztruvpc für Südwestafrika." Kitringcn. (Zur Nachahmung e m P f o hl e n.) Es ist seit vielen Jahren eine schöne Sitte, daß Freunde und Verwandten, welche zu einer stattsindenden Trauung eine Anzeige erhielten und die nicht persönlich erscheinen konnten, in zum Theil sehr umfangreichen Telegrammen ihre Glückwünsche übersandten. Es wurden und werden jährlich viele Tausende, vielleicht Hunderttausende von Mark für diese Aufmerksamkeit ausgegeben. Wie viel Roth und Elend könnte mit diesem Gelde gelindert, wie viele Thräuen aetrock net werden. Ihr Berichterstatter hatte nun innerhalb kurzer Zeit zweimal Gelegenheit Hochzeiten beizuwohnen, bei welchen Seitens der Eltern des Brautpaares den Trauungsanzeigen ein Brief-Telegramm, Format ähnlich den offiziellen Telegrammen beigelegt war. nebst einem Zettel folgenden Inhalts: „Ew. Wohlgeboren beehren wir uns zu ersuchen, falls Sie die Absicht hätten, uns mit einem Telegramm zu deebren, inliegendes Formular zu benützen und Tags zuvor als 'Brief zu senden und zwar unter Einlage der entsprechenden Wortgebühr in Briefmarken. wekcher Betrag hernach für Wohlthätigkeits- Zwecke verwendet wird. Mit Gruß. Hochachtungsvoll (Name des Brautpaares.) Auf der rechten Seite des „Brief-Telegrammes" befindet sich ein Rechteck mit der Inschrift: „Raum zum Einkleben der Briefmarken" und darunter: „Dieser Betrag wird nrr Wohlthätigkeitsztvecke verwendet." Das Formular enthält auf der Außenseite schon die aufgedruckte Adresse: „Hochzeit R. R. in W." und ist zum Zullappcn eingerichtet. Bei beiden Gelegenheiten gingen namhafte Beträge ein. die ihrem Zwecke zuge führt wurden und fand diese Einrichtung allgemeinen Beifall. Wir empfehlen dieselbe zur gefälligen Nachahmung und hoffen, daß solche bald allgemein emgesührt wird. Die Herren Druckereibesitzer H. Wiß-

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