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Der Israelit · 1904-08-01 · Heft 61 (1.8.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 61 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. - eilage zu M 61 des „Israelit". Briefe aus der Sommerfrische. I. Es gibr Kurorte, in denen man sich beim Kur Eoncert nach dem jeweiligen Geschmack der Knrfremden richtet und je nach Wunsch Mozart. Haydn. Rubin stcin u. a. gespielt wird. Diese löbliche Einrichtung wird auch von manchen jüdischen Gemeinden in Kurplätzen in Bezug auf ihr Indent hum gehandhabt. Der Gottesdienst wird je nach dem Wunsch der anwesenden Fremden geleitet, d. h. nach deren Majorität 2^1 **rx rrsrh* lind zwar werden bei dieser Majorität nicht die Stimmen, sondern das Geld gezählt. Da das Publilnm in» Laufe der Saison ein wechselndes ist, so ist denn auch der Gottesdienst eventuell ein wechselnder und an derselben Stätte, ans welcher vor vier Wochen Bame Madlikin, Ielum Purkon in orthodoxester unverkürzter Weise gesagt wird, mag nach vier Wochen ein ..geläuterter" Gottesdienst mit Orgclklang und Damensang zu hören sein. Soll's doch in einigen Gemeinden Reserve-Orgeln und bmzrh Reserve-'Nrwr geben, je nach Bedürsniß. wie die Rebbczin von Kcltersbach am Sabbat in die Synagoge, aber am Sonntag in die Kirche gegangen sein soll, man tonne doch nicht wissen. wer Recht habe. Deßhalb kann ich noch nichts sicheres über das F... er Iudenthum wissen und berichten, bis ich dessen Entbäntungcn durchgemacht habe und erlaube ich mir daher, wenn ich auch sonst nicht zur Zunft gehöre, einiges über Sommerfrischen im Allgemeinen vorzuplaudern. Bei der Hitze, wie sie jetzt draußen brütet, ist das Schönste an einem Landaufenthalt unstreitig der Umstand, daß man so saus gene sich Kragen und Krawatte entledigen darf und sogar eventuell in Hemdsärmeln — ein Wort, welches inan bei uns in Berlin in feiner Gesellschaft kaum aussprechen darf -- sitzen, auch nicht als Verbrechen angerechnet wird. Es sind doch komische Leute diese Menschen, das bischen Hitze ist die aus rei'bende Entschuldigung für die genannten Dinge — — und unsere Goluß-Hitze, und das Feuer am Sinai, und der eigene Stolz, sic genügen nicht, um es zu erlauben, vor fremden Augen o Graus — Tefilin an zulegen und zn beten oder gar drei Wochen mit ungcschnittenem Bart sich zu zeigen. Es ist lächerlich genug, wenn man diese Schamhaftigkeit gegenüber Andersgläubigen bekundet, und sich einredcn will, daß man damit den Antisemitismus aus der Welt schafft, wenn man niit Aengsilichkeii sein Iudenthum versteckt. Aber weniger zum Lachen ist es, wenn dieselbe ErfrfHUiung gegenüber den eigenen Brüdern, die mehr Stammesals Glanbensgenoffen sind, zu Tage tritt. Ein Kind fürchtet die raschelnde Maus, in Wirklichkeit aber fürchtet die Maus das Kind und erst lvenn das Kind fortsprinat, wagt die Maus ihr Wesen zu treiben, weil sie von niemand gestört wird. Genau so ist in Wirklichkeit jeder gesetzestrcne Jude dem charakterlosen Rachbar. der für einen Gaumenkitzel Gott und seine Thora preis gibt, ein Fragezeichen, ein immer bohrender Gcwisscnsvorwurf: wenn aber der noch der Thora treugebliebene Jude sich alle mögliche Mühe gibt, diese seine Treue zu verbergen, dann darf er .sich nicht wundern. wenn die Mäuse hinter ihm Pfeifen. Hier ist freilich eine koschere Table d'hote — aber nicht lauter koschere Menschen. Alle Sorten von Iudenthum sind hier vertreten, norddeutsches, süddeutsches, nationales, konservatives, liberales, historische«, undurchdringlich schwarzes und durchsichtig weißes Iudenthum. Es gibt leider heute mehr wie je ----- -py nba -D22, und es ist eine bitter traurige Wahrheit, was man Rabbiner Hirsch s. A. nachsagt. Als unser Lehrer Moses die ersten Gesetzestafeln zu Boden geschleudert hatte, da stürzte ganz Israel sicks aus die Scherben hin. Der eine nahm nur die spezifisch jüdischen, der andere die rein menschlichen Gebote, und der dritte von beiden eine halbe Scherbe, so daß nur Halbes und Unfertiges 'herauskam und damals entstand das Schcrbcnjudcnthum. Nächstes Mal mehr, wenn ich die Gäste hier näher kennen gelernt habe. Leben Sie wohl Ihr — r — Zettungsnachrschterr und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. In verschiedenen Blättern war die Meinung verbreitet, daß die Juden einen hervorragenden Anlheil an der Ermordung Plehwes genommen hätten, daß man zwar einen Juden nicht mit der Exekutive beauftragt habe, daß aber die Hintermänner ganz entschieden -auf jüdischer Seite zu suchen seien. Wenn n m auch Plilm-e die Juden mehr noch wie Polen, Armcni.r und Finnländer mit seinem ganz besonderen Haffliehet bat. so müsicn wir dock auf das allerentschied.'nste bestreiten, dasi Juden die intellektuellen Urheber duser scheußlichen That gewesen sind. Das russische Judenthum. das in seiner überwiegenden Majorität der strengsten Orthodoxie angehört, verabscheut geradeso wie icir den Mord an sich und namentlich den Mord

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