Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1302 da bedurfte er seiner ganzen Manneskraft, um seine Erregung nicht sichbar werden zu kaffen. Hoch aufgerichtet stand er da. mit geisterbleichem Angesicht und weit geöffneten Augen, in denen Thränen sich zu sammeln drohten. Er gehörte zu den Ersten, die nach dem vollzogenen Alt die Neuvermählten beglückwünschten. Beider Hände hielt er gleichzeitig in den seinen und drückte sie innig, doch kein Laut kam über seine Lippen. Endlich sprach er leise: ..Was ich Ihnen wünsche, das wissen Sie —" „Sie haben es uns oft genug bewiesen." erwiderte Max bewegt. „Ich bin Ihnen so vielen, vielen Dank schuldig." flüsterte Frieda. „Dank? Sie mir? — Weil ich meine Pflicht Ihnen gegenüber gethan habe?" „O. Sie haben mehr gethan. viel, viel mehr." „Ich habe es gerne getban, Frieda, denn Sie sind mir theuer wie eine Iachter. Und wenn ich dürfte wie ich möchte," fügte er lener hinzu, „so würde ich meine Hände auf Ihr Haupt legen und Sie segnen, wie Ihr Vater Sic gesegnet haben würde. Aber — der Segen des Abtrünnigen wäre vielleicht Blasphemie, könnte Er ward unterbrochen, andere traten hinzu. .stestler hatte beabsichtigt, auch an dem Hochzeirsmahl Db.eil zu nehmen, doch in seiner gegenwärtigen Erregung, die ibn, ihm selber unbegreiflich, überfallen hatte, hätte dieses allni graste Selbstbeherrschung von ihm verlangt, deshalb schützte er unabweisliche Berussgeschäfte vor und reiste mit dem nächsten Zuge ab. Steffi hatte den sctrönen Spätsonunertaa in Ge sellschaft einiger befreundeter Familien zu einem Ausflug in das nahe Gebirge benutzt. Sie hatte den Dag in angenehmster Stinrmung verbracht, nicht nur durch die heitere Gesellschaft, in der sie sich befunden, sondern auch durch das Bc'.vusttsein, dast mit dem heutigen Tage .stestlers Vormundschaft über das schöne Judenmädchen zu Ende war. Wie oft hatte sie sich in diesen drei Jahren über die Fürsorge des Professors für seine Mündel geärgert. Das war nun vorüber, vollständig vorüber, nun hoffte sie ihn wieder ganz für sich zu haben. Und üe vergaß vollständig, dast es ihrer unglückseligen Leidenschaft stets gelungen war. irgend eine liebreizende Persönlichkert zu entdecken, auf die sie eifersüchtig sein zu können glaubte. Sie hatte ihren Otto erst lange nach Mitternacht zurück erwartet, war daher im ersten Augenblick freudig überrascht, als sie bei ihrer Heimkunft erfuhr, dast der Professor schon vor zwei Stunden gekommen war. Froh erregt eilte üe in sein Zimmer, ihn zu begrüßen. Doch ihre Freude war dahin, als sie in sein bleiches, trübes Antlitz blickte. „Was ist Dir. Otto? Fühlst Du Dich nicht wohl? — oder — oder —" sügte sie mit seltsam heiserer Stimme hinzu, „ist Dir die Heirath Deiner schönen Mündel allzu sehr zu Herzen gegangen? — Ja, ja. jetzt ist's aus mit der beständigen Courmacherei und dem fortwährenden Süstholzraspeln in Form von väterlichen und ärztlichen Rathschlägen etc. So dumm wird der junge Ehemann doch nicht sein, dast er dergleichen weiter gestatten wird." (Fortsetzung folgt.) WochenKalenöer. »'««tag. 5. August. 24. Am. Sabbat-Anfang in Mainz n. Frankfurt a. M. 7 Uhr 15 Min. Samstag. 0. August. 25. Am. n“mo .nm. . Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. X Uhr 5» Min. — Berlin 8 Uhr II Min. — München 8 Uhr 27 Min. — Stuttgart 8 Ubr 89 Mur. — Strahburg 8 Uhr 45 Mnr. — Vasen 8 Uhr 29 <Dlin. — Stettin 8 Uhr 48 Min. — Breslau 8 Uhr 15 Min. — Nürnberg 8 Uhr 84 Min. — Wien 8 Uhr 18 Min. — Bari« 8 Ubr 05 Min — Prag 8 Uhr 20 Mi,u Ter „Israelit" c'.'cheint wöchentlich zweimal, Montag* nu<l Doanerataga, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Pierteljabr bei der Post 3 Ma,k ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man obonnirt ganziälnlick, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vnchhandel verliehrk durch V. Sk einarlirr, $cipjip, Rotzplatz JO. — Inserate 25 Pfennig die vlergcspaltene RonpareiUezcilc oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamcthcil 75 Pfennig. — Dircctc Francozuscndung unter Slreifhand pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen ostcrr., sür's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine Aufgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" tSngerc Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonnircn Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhal« tHauptblalN: Evilog zun, Tode De. verzls. — Zeitungsnachrichten und Correlponbenzen. Deutschland: Mainz. Berlin. Königsberg. Oesterreich: Wien. 5taUen: Nom. Schweiz:,Baden. Numänien: Bukarest. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtung tFortsetzung.) Inhalt d«, »«Nag« Br,»-ke au» der «ounnerfrnche. — Zeitungsnachrichten und Correfoondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Kitzingen. Oesterreich: Au» Galizien. Rusgand: Petersburg. — Personalien: Hamburg. — -inedi'.ial: Karlsruhe. (>horostkom. — Permischte«. PadagagNch« Beilage: 25. Generalversammlung des iSr- Lehrer Vereins für das Königreich Bauern. - .!0. Jahresversammlung der i«r. Lehrerkonsere,^ Hcsseim. , . Srlra-Bettagen: „Spruche der Pater." — Spenden-Berzeichmsse. LerantworUtche Nedaction: O«ear Lehmann in Mainz. — Expedition de« .JSraelit". Schottstratze Nr L Main». Druck und Berlao der 3 oh. Wirth fchen vofduchdruckerei Actien^SefeMchaN ln Main». Hierzu vier Beilage«.