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Der Israelit · 1904-08-01 · Heft 61 (1.8.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 61 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1300 wo rasche Hilfe nöthig lvar, an unfern Neuburger, wir tonnieu stets auf sein kräftiges Mitwirken rechnen. Mögen also auch die herzlichsten Glückwünsche seiner schweizerischen Kollegen ihn in seinem verantwortungsvoller Berufe begleiten. Möge auch seine neue Thätigteit von Segen und Gelingen gekrönt sein! S. i. E. Rumänien. Bukarest. 18. Juli. Der Direktor des statistischen Bureaus im Domänenministerium, Leonida Eolesku, veröffentlicht einen intereffanten Bericht über die Bevölkerungsstatistik Rumäniens im Jahre 1903. Es ist daraus zu ersehen, daß der natürliche Zuwachs, der im Jahre 1902 einen kleinen Rückgang erlitten hatte, 1903 wieder in die Höhe gegangen ist und alle bisherigen Zahlen überstiegen hat. Es betrug nämlich in diesem Jahre <1903) der Ileberschuß der Geburten über die Todesfälle 90,234. Für die letzten fünf Jahre betrug die Bevölkerungs-Zunahme 25 Prozent. Zu dem erwähnten Ueberschusse trugen die Städte 8.3 Proz.. die Dörfer 91.7 Proz. bei. Rack der Religion kommen vüv diesem Ileberschuß 93.7 Proz. auf die Orthodoxen, 4 Proz. auf die Juden und 1,6 Proz. auf sämmtliche andere Konfessionen. Am 1. Januar 1904 betrug die Bevölkerung Rumäniens 6,292,032 Einwohner. Feuilleton. 88ahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rotl. (r,5 «Die gnädige Frau haben recht gesehen, Fräulein Frieda ist sehr krank." ..Sie haben sie gesehen? Wie sieht sie aus?" „Ich habe sie nicht gesehen, aber gerade als ich bei der Billa ausgestiegen bin. ist einer von den Leuten aus der Wohnung des Verwalters gekommen. Mein Kutscher hat ihn gefragt, wo er hin will, da hat er gesagt, er müsse rasch in die Stadt, um den Doktor zu holen. Fräulein Grünwald wäre erkrankt, er meinte sie würde sterben. " Aschfarbene Blässe überzog das Angesicht der unglücklichen Mutter, sie stieß einen unartikulirteu Laut aus und sank laut schluchzend in die Kniec, indem sie das Antlitz in den Händen barg. Staunend betrachtete das Mädchen die Schluchzende. Das war Natur, das war nicht geheuchelt, und dennoch hätte sie darauf geschworen, daß sie ihrer Herrin eine ersehnte Nachricht gebracht. — Wilder und wilder ward das -Schluchzen der Unglücklichen. mit tausend Stimmen rief es in ihrem Innern „Mörderin! Mörderin! Kindesmörderin! —" verzweifelnd rang sie die Hände. Anna schüttele den Kopf unaufhörlich, das hatte sie nicht erwartet, das nicht. „Um Gottes 'Himmelswillen gnädige Frau! nehmen Sie sich doch nicht gar so sehr zu Herzen, nnd vielleicht ist es gar nicht so arg. wie der Mensch es gemacht hat. solche Leute, was wissen denn die — vielleicht wird das Fräulein morgen schon wieder gesund sein." Frau Grunwald richtete sich hastig auf und blickte wie irrsinnig auf die wohlmeinende Trösterin, dann aber bracksie abermals in lautes Weinen aus. — Weßhalb sie sich so verzweifelt geberdete, ob aus Reue über ihr Thun oder aus Angst, daß es nicht gelungen sein könnte? Berinuthlich wußte sie es selbst nicht. Bald war es chr als könne sie nicht leben mit dem Bewußtsein. ihr Kind in den Tod geschickt zu haben, bald hielt sie cs für unmöglich zu leben, wenn dieses Kind am Leben blieb. — Herr Gott im Himmel! wenn Frieda am Leben blieb und ihrer Umgebung mittheilcn würde, was ihre Mutter von ihr verlangt, was sie ihr gegeben hatte? — Wieder sprang sie auf. hielt den Kopf mit beiden Händen und rannte wie wahnsinnig im Zimmer umher, und dann warf sie sich wieder vor dem Bilde des Gekreuzigten nieder und flehte zu ihm und zu allen Heiligen — um den Tod ihres Kindes. — Inzwischen lag Frieda im wildesten Fieber, wi zusammenhängende Worte flüsternd, oder wenigstens Worte, deren Zusammenhang ihre Umgebung nicht errathen konnten. Der Arzt schüttelte bedenklich den Kopf, an die geplante Abreise war vorläufig nicht zu denken. Frau Müller hielt sich verpflichtet, den Vormund von der Erkrankung seiner Mündel in Kenntniß zu setzen, Tags darauf war Keßler an ihrem Bette.- Er hatte sich von Frau Müller und ihrer Tochter und als der behandelnde Arzt kam, auch von diesem, alles auf's genauere berichten lassen; er war auch der Bermuthung des Arztes, daß das Ganze Folge einer starken Erkältung, die sie sich bei ihren Besorgungen in der Stadt zugczogen, nicht entgegengetreten. Nachdem er sedoch einige Zeit am Krankenbette gesessen und den Worten gelauscht hatte, die die Patientin mit geschlossenen Augen halblaut murmelte, da ward diese Bermuthung stark erschüttert. Unwillkürlich richtete sich sein Blick auf einige Medizinflaschen und Fläschchen. die auf dem Tische standen; der behandelnde Arzt hatte ihm alles angegeben, was er verschrieben hatte, er batte sich mit allem einverstanden erklärt, aber dort stand ein Fläschchen, das war noch nicht geöffnet worden: auf der einen Seite der Vignette stand, alle drei Stunden 15 Tropfen, auf der anderen Seite: Morphium. Kopfschüttelnd betrachtete Keßler das Fläschchen. Der Arzt hatte ihm doch nicht gesagt, daß er Morphium verschrieben habe, das hätte er auch nicht gut geheißen.

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