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Der Israelit · 1904-08-01 · Heft 61 (1.8.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 61 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1299 ihnm bezeichnen, aber auch als protestantischer Gerl sorger als Schmach für den Protestantismus, von besten Metropole diese Bewegung ausgcgangen Hl. Ich hege die Hoffnung, dass bas wahre Ehristenthum die Grundsätze der Religion ihres Stifters auch in der antisemitischen Trage .zur Geltung bringen und dass die Liebe endlich den Hast, überwinden wird." Die Worte Haafes übten einen tiefen, aber leider nicht nachhaltigen Eindruck. Wenige Jahre später .zählte das Abgeordnetenhaus bereits eine ganze Reihe von Abgeordneten, die sich zum politischen Antifcmilis u.us bekannten. Im März gelangte c'n Antrag des Abgeordneten Türk auf Einführung einer Börsen steuer zur ersten Lesung, und die Motivirnna des Antragstellers bewegte sich im Rahmen der bekannten antisemitischen Argumente: an der Börse gibt eS viele Juden. ergo müssen sie besteuert werden. Damals stand Haase bereits mitten im Kreuzfeuer der anti semitischen Schmährufc. als er gegen diese Auffassung Protest erhob: aber eS scheint, dass die zündende.straft seiner Worte durch den lauten Widerspruch nur noch verstärkt wurde. ..Der Antisemitismus." so sagte er. „ist nicht bloss religiöse Intoleranz; der Antisemitismus H! der Rassenhass gegen daS Iudcnthum. ist der unter Ans rnfnaa der niedrigsten Leidenschaften geführte soziale Krieg gegen einen ansehnlichen Theil der eigenen Bevölkerung; der Antisemitismus ist die Verleugnung der Kultur und Zivilisation unserer Zeit, er ist die Vcr lcugnnng der SiOl'chkcit und Ehristlichkeit. deren sich auch die Ant'semitcn rühmen." Man darf nicht glauben, dass solche Morte wir lunaslos verhallten. Wenn auch das antisemitische Programm in der folgenden Zeit immer grössere Massen an sich zog, so bleiben doch die Argumente Haales richtunggebend für alle guten, vornehmen, höherstehenden Geister in Destcrreich. Und wenn beute inanche Svw.vtome darauf hindenten. dass der Anti scmitiSmns doch nicht mehr die gleiche unwiderstehliche Anziehungskraft ausiibt. wie in den neunziger Jahren, so rührt das daber, dass die Gedanken, welche Haas? im Jahre 1SS0 ausgesprochen hat. heute ebenso wahr und lebendig geblieben sind, wie sie es damals waren. Italien. Nom, 20. Juli. <"D i e neue Svnagoge in 3io in.) Die Riederreissung des alten Ghetto und die monumentale An-manernna der Tiberwerste brachte die hiesige israelitische Gemeinde auf den Ge danken, an Stelle deS wenig ästhetischen, wenngleich innen reich anSgeschmücklcn Gebäudes der bisberigen Synagoge eine neue erstellen zu lassen. Dieselbe nimmt eine Grundfläche von 17,00 Quadratmeter ein. weitere 2000 Quadratmeter dienen als Gartenanlagen. Die Arbeiten wurden vor drei Jahren begonnen und eine Million Lire dafür auSgewc^fen. Der architektonische Stil zeigt Anklängc an griechische und assyrische Kunst, beide Richtungen harmonisch miteinander vereinigend; die Bogcnlinicn fehlen und sind durch flache Querbalken ersetzt. DaS von Travertinfiein aufgefuhrte, reich mit vergoldetem Stuck verzierte Gebäude hat ein schliesslich der Aluminiumkuppel eine Höhe von 40 Meter, der Borraum am Hauvteingangc ist von vier dorischen Säulen getragen, am Frontgiebel liest man in hebräischer Sprache die Worte: „Gesegnet sei dein Eingang und dein Ausgang", darüber prangt ' der sitbcnarmigt Leuchter. Durch p'fi grosse, vergoldete Spuren gelangt man vom Haupteingange zu breiten Marmortreppen. die zu den Gallcricn führen. An diesen, ebenfallaus Säulenreihen errichteten Tribünen sind vergoldete Kandelaber angebracht, von denen elekrrische Lampen hcrabbängen. Psalmverse sind auf grossen Tafeln an den gewaltigen Pilastern, welche die Kuppel stutzen, angebracht. Gegenüber dem Hauptein gange befindet sich die marmorne Bundeslade mit den Gesetzestafeln. Der Mosaikfussboden des Tempels weist griechische und geometrische Zeichnungen, die Malerei der Seilenwände Palmcnornamente auf. Bcancm und elegant eingerichtete Lokale für die Verwaltung. Wobnnngsränme für den Qberrabbiner. ein Saal für die Zusammenkünfte des Gcmeindevorstandes sind der Svnagoge angegliedert. Schweiz. Baden. l>0. Juli. Eine kleine ernste Schaar aus den verschiedensten Kreisen der hiesigen jüoischen G? nicinde fand sich am 12. d. Mts. am Bahnhofe zusammen. um Herrn Neuburger und Frau noch einmal die besten Wünsche ans ihrem Wege zur neuen Stelle in Fürth mitzugeben. Nur Wenige wussten die Zcit ihrer Abfahrt, aber die es wussten, kamen. Still, einfach und bescheiden, wie daS Wirken dieses trefflichen Ehepaares, so war auch sein Abschied. Nur dir thlänenfeuchtcn Blicke und die stummen Händedrücke sagten, wie innig das Bcrhältniss dieses Beamten zu seiner Gemeinde war und wie schwer die Trennung von beiden Seiten empfunden wurde. Herr M. Neuburger bat in Baden mehr als zwei Jahrzehnte ge'virkt. Er hat da eine Generation heranwachsen sehen, die in Liebe und in Ehrfurcht zu ihm hinaufbli'kte. Der Schwerpunkt seiner Tüchtigkeit lag aber darin, sich alle- 'cit als das Ideal eines jüdischen Kultusbeamten zu bewähren, eines Beamten, der nach den Worten der Weisen ein Schüler Ahrons sein muss, der den Frieden sucht und ihm nachstrebt, der die Menschen liebt und sie der Lehre nahebringt. Was Herr Neuburger feiner Gemeinde war. ist allgemein bekannt und letztere har dieses auch durch eine Widmung bewiesen, über die uo'.l von anderer Seile berichtet wird. Aber auch wir Lehrer der Scsstoeiz werden seinen Fortgang ungemein bedauern. Er verstand es wie kein zweiter. Kollegial, tät zu üben. Gar oft wandten wir uns, namentlich da.

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