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Der Israelit · 1904-08-01 · Heft 61 (1.8.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 61 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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litten, werden ihn einzeichncn als ein merkwürdiges Wesen. wüe er nur selten unter uns ivandelt. Ader, aber! Er hatte das Unglück. Jude zu sein. Hatte Kraft seiner Geburt die nimrner zu veräußernde, ewig ihrer Verwirklichung darrende Aufgabe als Jude er halten. Jude fein itt aber nach unserer Anschauung nichts als Mensch sein Indent hum ist durch Gott veredeltes reines Menschcnthuin. Wäre Tr.eodor Her'.! in einem fremden Bekenntnißknise geboren worden, wir hätten ihn huldigend an die 3pHje aller rr; “ zb:?r, gestellt, hätten Gott gesegnet, der aus fremdem Nährboden so edles Reis crsprießcn ließ, und halten . in ihm einen Vorläufer gesehen der einstigen Verbrü , derung der Allmenschheit. Aber, aber! Theodor Her.rl war Jude. Jude aber ist, wer das Goiteswort hält. Und so erklären wir so laut wie möglich, unbekümmert darum, was zionistische Heißsporne dazu sagen mögen: Der letzte Jude auf dem letzten Dorfe, wenn er das Gottes wort treu und ehrlich hält, ist eher „einer der größten und besten Söhne unseres Volkes seit I a h r h u n d e r t e n". als es der Jude Theodor Herzl gewesen. Das ist die Kluft, die uns für alle Zeiten vom Zionismus trennt. Sie ist unüberbrückbar. Nicht der Schmerz um den großen Verlust, den das Judenthum erlitten, ist es daher, der uns ergreift, wenn wir an Herzl Heimgang denken. Wenn wir weinen, ist es nicht der größte Sohn unseres Volles, den wir beweinen. Ein anderer, nicht minder tiefer Schmerz ergreift uns, wenn wir dies reiche, mm abgeschlossen vor uns liegende Leben überschauen. Welch' edler, hoher Geist wohnte in diesem, mit seltener Schönheit geschrnückten Körper. Was hätte er nicht alles feinem Volke werden tonnen, und was ist er ihm ge lvorden! Es ist eine bekannte Thatsache, daß Herzl vom positiven Judcuthum so gut wie nichts gewußt Hai. Sein Geist war dem Judenthum vollends entfremdet und blühte auf einem ganz außerhalb des Judenihums liegenden Gebiete. Während aber so sein Geist mit dem Judentlmm längst gebrochen und es .zum mittel altcrlichen Plunder geworfen, floß durch seine Adern das reine, unverfälschte Blut seiner Ahnen, schlug sein Herz in lodernder Liebe zu seinem armen gequälten Volke, so daß er jeden Schlag seiner Peiniger wie aui eigenen -Körper empfand und nimmer Ruhe finden tonnte ob des Schicksals seines Volkes, mochte sein Geist auch um Himmclsscrnen vom Geiste seine? Volkes entfernt sein. Und immer feuriger wallic in seinen Adern das Blut seiner Ahnen ans. und immer schmerzlicher fühlte er. der sonst so harmonisch Gebildete, den argen Zwiespalt zwischen seinem durch und durch jüdischen Herzen und seinem ach! so fremden Geiste. Aus diesem Zwiespalt heraus ist in Herzls Seele der Zionismus entstanden. Der Zionismus Kat es ihm ermöglicht, sich, der Stimme seines Herzens folgend, j ganz als Inden zu bekennen und zu fühlen. Denn i deui Zionismus zu -folge ist ein-Jeder, dessen Herz mit! st inein Volte suhlt, Jude in der vollsten Bedeutung des! Wortes, ganz unabhängig von seinen sonstigen Anschauungen. Denn Religion ist Privatsache. Es war der große, vcrhängnißvolle Lebensirrthum Theodor Herzls, der aus denr Zwiespalt seines innersten Wesens entstanden ist und unsägliche Verwirrung unter Tausenden seines Volles gestiftet hat. Der Zionismus, dies Lebenswerk Herzls. das auf diesen Irrthum begründet ist, wird nicht bestehen. — Wir aber wollen am frischen Grabe des ersten Zionistenführers in Wehmut!) sein gedenken. Ein edles, echt jüdisches Herz bat zu schlagen ausgehört. Welch' großer Jude hätte er sein können. ZcilmraHrrachrlchten und (5orresporrderrzer». Deutschland. Mainz. In der „Ir. Z." macht Herr Dr. Hugo G a u z den Vorschlag, sämmtliche russische Juden auf ganz Rußland zu vertheilen. Wäre dies der Fall, so kämen auf das ganze Land 4 Proz. Juden, die sich dann leicht erhalten könnten. — Nur schade, daß die leitenden .mcifc in Rußland sich mit dieser „Lösung der Jndcnsrage" noch nicht einverstanden erklärt haben. Sie wäre allerdings die rationellste und ne in es auch, auf die die russischen Juden am eifrigsten Kknarbciten. Tenn diese Lösung bedeutet nur die Auf- Hebung der Rayonbcschränkung. Berlin, 29. Juli, lieber die Frage: „Darf eine Sbuagogeugemeiude Geschäftsinhaber besteuern, Ivelche außerhalb der Gemeinde wohnen?" ist kürzlich eine interessante Entscheidung des Obervcrwaltungsgerichts in Berlin ergangen, der folgender Sachverhalt zu Grunde lag: Die Synagogengemeinde R. hatte nachstehenden. vom Sbervräsidenien der Provinz Brandenburg bestätigten Nachtrag zu ihrem Statut beschlossen: „Inhaber der an: hiesigen Platze bestehenden Filialgeschäfte, ives.be außerhalb ihren Wohnsitz haben, werden von dem l. Sktober 3902 von dem Einkommen dieser Fili.ilgescküiste zu den Steuern der hiesigen Sbnagogeugemeindc herange.zogen." Der Kaufmann W., der in Berlin wohnt und in R. ein Zweiggeschäft hat.- wurdc auf Grund dieser Bestimmung aus dem Eintommen seines Jilialgefckiästes zu den Gemeindeabgaben herange.zogen. Seine Reklamation wurde zurückgewicseu unter Hinweis auf obigen Beschluß und ans die Nothwendigleit dieser Steuer, da die Gemeinde R. sonst ihren Kantor nicht bezahlen könne. W. erhob! darauf .Klage im Verwaltnngsstreitverfahren bei dem Bezirksausschuß in Potsdam. Dieser erkannte dahin.

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