Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450043--61146-2522187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1296 in feinem Testament verordnet, daß das nach Palästina heimkehrende (wohlverstanden in Folge des Zionismus hcimkehrende!) jüdische Volt seine Gebeine mitnebmen möge? So fest, wie einst der sterbende Joses an die Erlösung des unter ägyptischem Joche seufzenden Iudenstammes glaubte, so sicher, wie einst Josef von der siegenden Kraft der göttlichen Verheißung überzeugt war, so fest glaubte Herz! an seinen Zionismus, so sicher war Herz! von dem endlichen Siege seines Ziouismus überzeugt. Und Herz! war kein gläubiger Jude, für Hcrzl gab es leine göttliche Verheißung. Aber Glaube und Verheißung. dies alles mußte ihm sein Zionismus erfchen, dies Schmerzenskind, das er liebte mit jeder Faser seines Wesens, und das doch nichts war. als die spukhafte Ausgeburt seines weichen, weichen Herzens und seiner grost.cn, grost.en Phantasie, wo sein Herz die Mutter, seine Phantasie der Vater war, aber der Verstand nicht einmal Patendienste leisten durste. Herzl, der Schriftsteller, ist von so manchem seiner Parteigenossen übertroffen worden; Herzl, der Redner, bat nicht die allererste Volle gespielt; Herzl, der küble Politiker, ist ein Widerspruch in sich selbst: aber Herzl, der überzeugte Zionist, stand einzig da in der ganzen Partei. Herzl, der opferfreudige Zionist, wird nicht wiedcrlchrcn, und dcßhalb .war er der providentiellc Führer der Bewegung, des;- halb klagten und weinten seine Anbänger in ehrlichen!, ergreifenden Schmerze, u. desthalb senkten auch wir vor ihm einen Augenblick die Waffe - ein Zeichen unserer Achtung! Herzl war überzeugt; darin lag die grösste Entschuldigung für ihn und die gröstste Gefahr für die große Menge. Die Seele des Zionismus ist todt. An ihre Unsterblichkeit glauben toir nicht. — Es ist nicht unsere Ausgabe, die Lüste zu über messen, die Herzl's Tod in den Reihen der Partei ge rissen, auch nickst, über die Mittel und Wege zu sinnen, wie sein Verlust zu ersehen. Wir müssen das den Zionisten überlassen, die damit wohl oder übel fertig zu werden haben. Wie nur aber zur Zeit des ersten, bei tiaen Schmerzes um Herzl's Heimgang, da in allen zionistischen Blättern die Todeshpmnc ange-stinnnt wurde, uns achtungsvoll damit begnügten, die Weisen dieser Hymne schweigend zu registriren. so erwächst uns nun. da einige Wochen verstrichen, der Schmerz dcr Zionisten in Wehmuth sich aufgelöst und ibr Blick klarer in die Zukunft zu schauen beginnt, die miaf> weisbare, strenge Pflicht zu rüstiger, sachgemäßer Kritik nickst der Art. wie der verstorbene Zionistcusührer betrauert tvurde — die Trauermelodien lieben das hohe «- und wollen vom Herzen empfunden, nickst vom Verstände begriffen sein — wohl aber der ruhigeren, mehr wissenschaftlichen Würdigung, die er im Lager * ier Zionisten gefunden, kurz, der Stellung, die ihm dort in der jüdischen Geschickte angewiesen wurde. Wir schreiben dies nicht für gewisse, gefühlvolle Zionistenseelen. deren Gefühlsduselei ohne Ende; indem wir dies schreiben, appelliren wir an die Manen des verstorbenen Zionistenführers, der fremde Überzeugungen, auch wenn sie seine Person auf's schmerzlichste berührten. stets zu rcspektiren verstanden. „Er war einer der größten und besten Söhne unsercs Volkes seit Jahrhunderten. So lange ein Jude auf Erden leben wird, wird Herzls Andenken leben, ruhmvoll und herrlich. In der Gegenwart und in der Zukunft, im Goluth und io» Zion wird sein Rame Glanz. Ruhm und Ehre bedeuten." So lautet eine Stelle in dem Aufruf, den das Aktionskomitee in Wien am 14. Juli an oie Zionisten aller Länder erlassen Hai. In diesen, drei kurzen Sitzen liegt die offizielle Würdigung, die Tbeodor Herzl bei seinen Anhängern gefunden. In diesen drei kurzen Sätzen offenbart sich uns aber w i e d e r und »nieder die rveithin gähnende, durch kein künstliches Mittel zu Überdruck e n d e Kluft, d i e D r t h o d o r i e und Zionismus trennt. Drthodorie und Zionismus f ü r und für als fick d i a - rnetral aus schließende Gegensätze erscheinen läßt. „Es!var einer der größten und besten Söhne unseres Volkes seit Jahrhunderten." „Sohn unseres Voltes" heißt kn unsere gewöhnliche Umgangssprache überseht „Jude". „Theodor Herzl war einer der größten und besten Juden seit Jabr hunderten." Das ist die größte aller Bcgrisssver- Wirrungen, die der Zionismus auf dem Kerbholz bat. Roch vor r>u Jahren, doch was sagen wir 50. noch vor 10 Jahren hätte man unter einem also Gefeierten mit Sicherheit einen Mann vermuthet, der in seiner Person das Ideal verwirklichte, das das Gottes-!v o r t von einem Juden zeichnet, der an Thoragelebrsamkeit und Frömmigkeit neben einen P'ne Jehoschuah und Vilnaer Gaon, „diesen größten und besten Juden seit Jahrhunderten", zu stellen sei. in dessen Munde Lcbrc und Wahrheit, auf dessen Lippen kein Unrecht, der in Frieden und Geradheit mit Gott gewandelt und viele zurückhielt von Sünde —--: Und nun- und nun-- ist Theodor Herzl einer der größten und besten Juden seit Jahrhunderten. Wem da noch nicht die Augen aufgehen, der ist mit Blindheit geschlagen für alle Zeiten. Wir sind die letzten, die .Herzls Andenken beschimpfen »vollen. Wir werden seine elegante Fcdcr stets zn schätzen wissen. Wir werden ihm niemals vergessen, daß das Leid seines Volkes auf seinem Herzen gebrannt hat. daß er bittere Thronen für sein Volk gesunden, er. der persönlich in angenrlnncn Verhältnissen gelebt. Werden auch stets gedenken. daß all seine Absichten lauter, daß er das Beste gewollt, wenn auch das Schlimmste gethan. Wir werden ihn achten als einen durch und durch edlen Menschen. werden ihn bewundern als einen großen Jdea-