Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M «1 «in KenLrat-Hrgan für das ortyodore AudenL-um Begründet von I>r. Veftttrattw in f&atttf. Montag, den Tpilog zuin Tode Dr. Herzls. Wenn mitten im Kampf der sich feindlich gegen erstehenden Parteien, da die Erbitterung stetig wächst -ib manch' scharfes, ätzendes Wort hüben und drüben Üt. plötzlich der Tod eingreift und einen her- 'tragenden Führer hiuwegrafft, da ist es eine schöne. h den Tiefen des menschlichen Gemüths stammende >itte, die für einen Augenblick beiden Parteien Ruhe nd Sammlung gebietet, auf dass die eine Zeit gelinue, ihren: Tobten dieKlage anzustimmen und sich or Augen zu führen, was er ihr gewesen, wie viel sie in ihm für immer verloren — aber auch die andere das Schlachtschwert neige, angesichts des Todes allge mein menschlichen Gefühlen Raum gebe, zeige, dasi nicht Hast und Leidenschaft, sondern allein die Sache sie ge lei.kt, und so in der dem Gegner erwiesenen Achtung sich selber achte. Dieser Sitte beim jüngst erfolgten Tode unseres langjährigen Gegners, des Zionistennihrers Dr. Theodor Herzl, nachzukommen, war uns inniges Herzcnsbebürtnisi. Es war nicht die Tragik seines Todes allein, die dazu beitrug. Ist er auch in der Vlüthe seines MannesaltcrS, mitten auS reichem Schaffen und Wirken, dessen Fortdauer nur allzu sehr an seine Perlon gebunden, aus dem Hreife seiner Fa mitte, die in ihm ihren Erhalter sah, abbernsen worden. Man mag seine Familie, seine Freunde, seine Partei beklagen, aber er selbst, sein Tod ist beneidenSwerth. Denn schön ist der Tod. den die Menschen sterben, ge tragen von der Liebe ihrer Umgebung, der Verehrung weitester streife, mitten in der Bahn aufsteigenden Glückes, mit noch nicht verwelktem Kranze des Ruhmes, im Bewusstsein, so bald nicht vergessen zu werden. Mag auch der Zionismus untergehcn — und er wird es — .Herzl's Ruhm wird darunter nicht leiden. Seine Anhänger werden stets in treuem Gedenken seiner 20. Aw 5664» 1. A u g rrst 1904. machtvollen Persönlichkeit sagen können: Wer weiss. wie es geworden wäre, wenn unser Herz! gelebt hätte. Aber ein anderes ist es, daS uns antrieb, ihm ganz besonders den Tribut unserer Achtung zu zollen. Angesichts der traurigen, aber nicht abzuleugnenden Thatsache. dass eS in unserem nervös überreizten Zeitalter immer mehr Regel wird, in der Verschiedenheit der Meinungen, Ansichten und Lebensauffassung Grund genug zu dem Rechte zu finden, den Gegner mit jedem, wenn auch noch so ehreuabschueiderischen Mittel, sei es Verleumdung, Verketzerung oder selbst schnödeste Geschäftskonrurrenz, bekämpfen zu dürfen, um ihm um jeden Preis den Garaus zu machen, ist nicht genug auf den Hingeschiedenen Zionistenführer hinzuweisen, der in dem ewig gleich bleibenden Adel seiner Gesinnung. in der hohen Achtung, die er auch der feindlichen, wenn nur ehrlichen und ernst gemeinten Anschauung enkgcgenbrachte, endlich in der sorfältigen, mit strengster Konsequenz durchgeführten Trennung von Person und Sache als Muster eines vornehmen, objektiven Gegners zu allseitiger Nachahmung hingestettt zu werden verdient. Ein solch' musterhafter Gegner konnte er aber Mir sein, weil er eine Ueberzeugung befass. Ja wohl. Herz! war ein überzeugter Zionist - vielleicht der Einzige. Mag man ihm immerhin vorwerfen, dass er vor den Augen seines geliicchlcien Volles ein märchenhaftes Phantasiegebilde entrollte, das es zu Hoffnungen hinriss, die sich in dieser Weise nimmer verwirk- . lichen werden, dass er eS in Träume versenkte, aus denen eS nur ein schmerzliches Erwachen voll Ernüchterung und Entsagung gibt; man wird ihm immer zu Gute halten müssen, dass dieses Phantasiegebilde ein Stück seiner selbst tvar. an diesen Hoffnungen sein Herzblut hing, diese Traume seinem in die Zukunft schauenden Geiste so konkrete Wirklichkeit waren, dass er ilmen alles, seine Gesundheit, sein Vermögen, seine^ 5tarri« re. sein Künstlerthum opferte und ihnen selbst über den Tod hinaus seine Treue besiegelte. Herz! hat