Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1904)
- Date
- 1904-07-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1258 „Ja. ich weiß. Und die gnädige Frau wünschen, daß ich mich erkundige, wie cs dem Fräulein geht?" „Ganz richtig. Anna, Ihnen braucht man in Wirklichkeit nur etwas anzudcuten, und Sie wissen gleich, was man wünscht. Also ich möchte wissen, wie es meinem armen Kinde geht, aber ich möchte nicht, daß Sie hinein gehen zu diesen schmutzigen Juden, mit denen ich absolut nichts zu thun haben will." „Aber wie soll ich erfahren, wie es dem Fräulein gehr, wenn ich nicht in ihre Wohnung gehen soll?" „O. Sie sind gescheidt, Sie werden das schon zu Srande bringen. Nehmen Sie sich eine Droschke und fahren Sie zu unserer Villa. Sagen Sie dem Kutscher, er soll dort einige Minuten warten, Sie wollten ein Buch von da bolen. Dann gehen Sie aber gleich links um die Ecke, dann sind Sie bei der Verwalterswohnung. die Zimmer liegen ja alle zu ebener Erde, Sie werden schon irgendwo hinein sehen, ohne daß Sie gesehen werden. Ich verlasse mich ganz auf Sie, Anna, bringen Sie mir nur Nachricht, wie es dem armen Kinde geht, ich halte es nicht länger aus in dieser Unruhe." Anna schüttelte noch immer staunend den Kopf. „Sehr wohl, gnädige Frau, ich werde mein Möglichstes thun." „Kommen Sie nur bald zurück." „So bald als möglich, gnädige Frau." Das schlaue Mädchen ließ sich nicht täuschen durch die geheuchelte Zärtlichkeit ihrer Herrin für deren Tochter, den wahren Sachverhalt errieth sie trotzdem nicht. Frau Grünwalds Unruhe steigerte sich von Minute zu Minute, was für Nachricht würde Anna bringen? — Wenn nur irgend Jemand kommen würde, sic hielt das Alleinsein nicht aus. — Sollte sie in's Theater fahren? — Aber dann müßte sie noch länger auf Nachricht warten. Daß Anna noch nicht zurück war! — Freilich war es kaum eine Viertelstunde, daß sie fortgeaangen, unmöglich konnte sie bereits zurück sein — aber ihr schien es, als wäre sie seit mindestens zwei Stunden fort. Und noch nicht zurück! Wieder wanderte sie im Zimmer auf und nieder, unaufhörlich auf und nieder. Da ward die Hausglocke gezogen, das mußte der Postbote sein. Was mochte er bringen? Wenn es nur die marternden Gedanken ihr vertreiben würde! Das zweite Mädchen trat in das Zimmer und übergab ihr einen Brief, den der Briefträger soeben gebracht. Sie erkannte die Handschrift schon auf der Adresse, der war von Dr. Peters, bei dem ihre Kinder in Pension waren. Vermuthlich war es wieder eine Klage: was mochten die Jungen wieder angestellt haben? Merkwürdig, wie wenig Nachsicht die Menschen mit ihren unschuldigcn Kindern hatten. Ohne Hast öffnete sie den Brief. Was war denn das? Da stand ja auch alle drei Stunden 15 Tropfen, das war dock zum Vcrrücktwerden! Jetzt vernahm sie das Rollen eines Wagens. Das konnte Anna sein, sie hatte ihr doch gesagt, sie sollte eine Droschke nehmen. Der Wagen hielt vor dem Hause, die Hausthüre ward geöffnet, gleich darauf vernahm sie die Stiege aufwärts eilende Schritte. Anna trat in das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Wochm-Kalenöer. Mittwoch. 27. Zuli. 15. Aiv. irj .iron. Freitag. 29. Juli. 17. Aw. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Ubr 15 Min. Samstag. 30. Juli. 1«. Aw. Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 05 Min. — Berlin 8 Uhr 55 Min. — München 8 Uhr 39 Min. — Stntt» gart 8 Ubr 51 Min. — Straßburg 8 Uhr 55 Min. — Posen 8 Uhr 44 Min. - Stettin 8 Uhr 59 Min. - BreSlau 8 Uhr 28 Min. — Nürnberg 8 Uhr 46 Min. — Wien 8 Uhr 25 Min. - Paris 8 Uhr 20 Min - Prag 8 Uhr 35 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« nud Donnerstag«, jedesmal in mindcslens zwei Bogen Breis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Vnchhaudrl verlrehrl durch V. Zf. S l rinack er, Lripria, Sotzplatz — Inserate 25 Pfennig die oiergrspattene Nonparcillezeile oder deren Raum. 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