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Der Israelit · 1904-07-25 · Heft 59 (25.7.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 59 (25.7.1904)
Date
1904-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1256 die Juden eingewandcrt sind, hat es doch nur eine sehr schwache jüdische Bcvölterung. Sie überschreitet kaum 1 vom Tausend der gesammten Einwohnerzahl, von etwa 34 Millionen Italienern sind 35.017 Juden. Was ihre Bcrtheilung anbetrifft, so haben sie sich mehr im Norden als im Süden des Landes niedergelaffen. Am stärksten sind sie in Toskana, mit etwa 2500 Seelen. die stärkste toskanische Gemeinde ist Livorno. Alsdann folgt Piemont mit 1640 Juden, darauf Ligurien und die Lombardei. Ganz vereinzelt finden sie sich im Süden der Halbinsel und auf den Inseln. Auf dem Lande wohnen weit weniger als in den Städten; in den Hauptorten der 69 Provinzen wohnen 85 Prozent der gesammten jüdischen Bevölkerung. Die größte jüdische Gemeinde befindet sich in Rom, mit 7121 Mitgliedern. in weitem Abstand folgen Mailand mit 3012 und Turin mit 2800 Juden. In Genua wohnen 1050 Juden, in Neapel, der volksreichsten Stadt des Landes, nur 327. Größere Gemeinden gibt es noch in den Mittelstädten Mantua (1068 Juden) und Ferrara (1227 Juden). Wahrend die Gesammtbevöllerung des Königsreichs von 1871 bis jetzt von 25 Millionen auf 34 Millionen gewachsen ist, haben sich die Juden so gut wie gar nicht vermehrt. Früher waren die Juden an verschiedenen Orten (Rom. Bencdig und selbst in Piemont) Bedrückungen und Beschränkungen ausgesetzt. Als Piemont die liberale Politik, die zur Einigung des Landes führte, eröffnete. wurde den Juden volle Freiheit gewährt. Heute geniesten sie alle staatsbürgerlichen Rechte ohne jede Einschränkung. Im italienischen Heer befinden sich 173 jüdische Offiziere, unter ihnen der General Ottolenghi, .Kommandeur des ersten Armeekorps in Turin und Kriegsminister im vorigen Kabinett Zanardelli. Auch im diplomatischen Dienst sind einige Juden thätig. Bon hervorragenden Politikern sind der jetzige Schatzminister Luzzatti. eine Autorität auf ökonomischem Gebiet, und der Abg. Sidney Sonnino, dem in erster Linie Italien seine wirthschaftliche Gesundung verdankt, zu erwähnen. Unter anderem ist die Reform des Notenbankwesens Sonnino's Werk. Der größte Philologe Italiens, Prof. Ascoli in Mailand, der den Zusammenhang der arischen und semitischen Sprachen mit der Zigeunersprache nachgewiesen hat. ist Jude, destgleich-n zahlreiche andere Universitätsprofefforen von Ruf. wie Lombroso in Turin und Achille Loria, der den Einfluß der wirthschaftlichen Berhältniffe auf die Geschichte in einem umfassenden System darstellte. England. London. (Menasse ben Jsrael-AuSst e l l u n g.) Zur Erinnerung an den 300. Geburtstag von Menasse ben Israel fand im Hause des Vorsitzenden des „Verein für jüdische Geschichte" eine Erinnerungsfeier statt, bei welcher Gelegenheit viele Bücher. Manuskripte und Portraits. die auf diesen Großen in Israel Bezug haben, ausgestellt waren. An der Ausstellung betheiligte sich auch Herr Vita Israel aus Amsterdam, er sandle u. a. eine Abbildung des Grabsteins von Menasse ben Israel und ein Manuskript einer nicht erschienenen, jüdischen Grammatik (Ecker Berurah). Feuilleton. Ülafyrfyeit und Wichtung. Von Friedrich. Roll. Frieda starrte sie an mit weit aufgerissenen Augen. „Ich soll mein Leben hingeben? — Aber wie?" „Hier, nimm dieses Fläschchen, es enthält Morphiumtropfen, ich nehme sie zuweilen um das nagende Gefühl des Hungers zu bewältigen, wenn ich nichts zu essen habe. Wenn Du dieses kleine Fläschchen austrinkst, hast Du drei Menschenleben gerettet — und Du empfindest keinen Schmerz, absolut keinen. Du schläfst ein, sanft und ruhig und erwachst in einer besseren Wett, wo der Papa Dir danken wird, daß Du die schwere Sünde, zu der er sich hat verleiten lassen, von ihm genommen hast; wo Gott Dich belohnen wird, weil Du drei Menschenleben, gerettet hast. Stecke das Fläschchen ein. .Kind, damit es niemand sieht." Mechanisch gehorchte das vor Entsetzen nahezu gelähmte Mädchen, ohne einen Laut über die bebenden Lippen zu bringen. Da ward ihr Name in einem eben heranrollenden Wagen gerufen. „Frieda, es wird spät, wir müssen nach Hause." __ „Ich komme." versetzte Frieda tonlos, reichte dann der Mutter wortlos die Hand und wandte sich dem Wagen zu. Frau Grünwald aber zog sie in ihre Arme und küßte sie zärtlich. „Mein liebes, liebes, theures Kind! Der Herr segne Dich und verleihe Deinem Thun Gelingen." Dann war sie der Wankenden beim Einsteigen behilflich und hochaufathmend blickte sie dem davonrollenden Wagen nach, bis derselbe ihren Augen entschwunden war. Frieda aber saß zurückgelehnt in der Wagenecke und starrte mit weitgeöffneten Augen hinaus auf den sinkenden Sonnenball, der sich mehr und mehr dem Erdboden zu nähern schien. „Was ist Dir. Frieda? fühlst Du Dich nicht wohl?" forschte Selma. voll Theilnahme das blaffe, erregte und doch überaus müde Angesicht der Freundin betrachtend. Aber sie erhielt keine Antwort, ihre Frage war vermuthlich nicht einmal gehört worden.

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