Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1904)
- Date
- 1904-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1255 München, 21. Juli. In der Fortsetzung der Bcrathung des Kultusetats in der Abgeordnetenkammer vertrat der Kultusminister seine Anordnung, daß in der Pfalz auch auf die Anstellung katholischer Handarbeitslehrerinnen Rücksicht genommen werden solle. Auf eine Revision der geltenden Verordnung über die Bildung von Simultanschulcn lasse er sich im Interesse des konfessionellen Friedens nicht ein. Uebrigens fei die Bildung von Simultanschulen durch diese Ver ordnung nicht ausgeschlossen. Eine Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht sei wegen der Lcwdragsmebrheit nicht möglich. Es sollen aber mehr als bisher Lehrer zur Schulaufsicht herangezogen werden. In seinem Schlußwort zur General diskussion trat der Referent Abg. Dr. Scbädler sehr energisch gegen die Simultanschule auf. welche von der Mehrheit der Abgeordnetenkammer ans pädagogischen und religiösen Gründen verurtheilt werde. Tie Schule sei eine Erziehungsanstalt, und ohne Religion gebe es keine Erziehung. Die ganze Schule müsse vom Geiste der Religion getragen werden. Was von der Schule gelte, gelte auch von der Schulaufsicht. ftarfc*rufjc. (Wahlen zur i sr. Landess y o d e.l Rach vorläufiger Ermittlung sind als weltliche Abgeordnete zur israelitischen Landessynode gewäblt: 1. *E. Rothschild. Vorsteher. Bezirksältester und Stadtratb in Konstanz: 2. *Iakob Bkrnheimer in Gailingen: 3. Jos. Nordmann. Beürkältcster in Lörrach: 4. Rechtsanwalt Kastewih. Vorsteher in Freibura: 5. *Sq. Epstein. Bezirksältester in Freiburg: 6. % Lang. Vorsteher und Bezirksältester in Altdorf; 7. *Leo Wertheimer. Altvorstcher in Bühl: 8. Rechtsanwalt Dr. R. Bielefeld und *Beinh. Fuchs in Karlsruhe; 9. *Louis Marc. Vorsteher Bezirksältester und Stadtrach in Bruchsal: 10. *Rechtsanwalt IV. Friedbera in Karlsruhe: 11. E. Earlebach. Vorsteher und Bezirksältester in Heidelberg: 12. Halle Vorsteher und Verirksältester in Hockenheim; 13. ^Julius Ettlinger. *D. Kabn. Rechtsanwalt. Dr. A. Staadecker und *Fof. Zimmern in Mannheim: 14. *M. Heinsbeimer. Vorsteber in Epvinaen: 15. *N. Rothschild. Vorsteher in Mosbach; 16. ^Rechtsanwalt Svieael in Touberbischofsbeim; 17. Jul. Schlesinger. Vorsteher in Pforzheim. (Die mit * Bezeichneten gehörten auch der vorigen Synode an.) Oesterreich. Kremster. (Einzug des Erzbischofs.) Am 10. Juli hielt der neue Erzbischof. Dr. Franz S. Bauer, seinen Einzug in die diesige Sommerrestdenz. Die Stadt hatte Festschmuck angelegt. Der Gemeinderath. mit dem Bürgermeister Dr. Josef Pistecky an der Spitze, empfing den Erzbischof beim alten Wasser thor, wo demselben auch die Honoratioren der Stadt vorgestellt wurden. Im Schlosse ertheilte der Erzbischof Audienzen. Nachdem die Stadtgemeinde, der Adel, der Klerus, das Osfizierkorps, die Beamten sowie die Lehrkörper der verschiedenen Anstalten empfangen worden waren, gelangte die Vertretung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zur Vorstellung. Der Kullusvorsteher, Herr Ignaz Knöpfe!- macher, begrüßte den Erzbischof namens der isr. Kultusaemeinde und erbat dessen Wohlwollen für dieselbe. Hierauf stellte er den Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün vor. Dieser drückte die Hoffnung aus, daß der Erzbischof wie seine Vorgänger, unter deren Schutz die Juden sicher lebten, wirken werde und im Geiste des Propheten, der die Worte gesprochen: Einen Valer haben wir alle! Der Fürstbischof äußerte sich über das Verhältnis; der Bibel zu den neuen Forschungen: „Ohne die Israeliten und die Bibel wären die Ideen, welche durch die neuesten Funde historisch bekräftigt un^ bestärkt wurden, nicht sobald zum Gemeingute der zivilistrten Welt geworden, da die Keilschrift über 2000 Jahre verborgen lag. Der Glaube an die Offenbarung ist wichtig, weil die menschliche Vernunft beschränkt ist und in jener eine Stütze und sittlichen Halt findet." Auch der Vorstand des aeliiischen Frauenunterstützungsvereins unter Führung der Vorsteherin Frau Rosa Simon, machte seine Aufwartung. Ungarn. Budapest. (Tod eines Massentäuf c r s.) .Hierselbst starb vor einigen Tagen der Pfarrer des 7. Stadtbezirks, Bela Tothfalußy, eines plötzlichen Todes. Pfarrer Tothfalußy war der Schrecken der ungarischen Judenkinder. Es war seine Leidenschaft. die Juden, auch sehr viele unmündige Kinder, der Taufe zuzuführen. Tothfalnußy hatte dieses ..heil. Sportes" wegen wiederholt Zusammenstöße mit den Behörden, ohne jedoch je ernstlich bestraft worden zu sein. Prcstbnrg. Das hiesige Institut zur Ausbildung jüdischer Krankenwärter versendet soeben seinen diesjährigen Jahresbericht. Die Anstalt besteht seit vier Jahren. Im verflossenen Jahre haben die Krankenwärter der Anstalt bei 2l Familien insgesammt 202 Nachtwachen gehalten, wofür der Verein eine Gesammteinnahwe von 843 Kronen hatte. Der Verein fordert die geeigneten jüdischen weiblichen Personen auf. sich möglichst zahlreich dem Krankenwärterinnenbcrufe zu widmen. Das Vermögen des Vereins beträgt 17,7.35 Kr. 92 Heller. Im verflossenen Jahre betrug der Kassaumsatz 10,656 Kr. 12 Heller. Der Verein verdient gewiß die allseitige Unterstützung unserer Glaubens- und Stammesbrüder. Italien. Mailand. (Die Juden in Italien.) Man schreibt von Inert Obwohl Italien eines der ersten, wenn nicht das erste Land Europas ist. in das