Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1904)
- Date
- 1904-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1254 deutscher Schriftsteller sind?", da hat er mir nicht widersprochen. An diese Unterredung mutzte ich denken, als ich die trotz unserer flüchtigen Bekanntschaft mich wahrhaft erschütternde Kunde von seinem Tode erhielt. Und je mehr ich daran denke, desto mehr komme ich zu der allerdings schmerzlichen Ueberzeugung, datz der Allwisser es mit diesem edlen Manne woyl am besten gemeint hat, als er ihn fast im Jünglingsalter mit dem noch grünen Siegeskranze auf dem Haupt abberief. Viel Leid ist ihm ohne Zweifel erspart worden. Seine Miffion im Zionismus hatte Herzl mit der Schaffung der Organisation, sei es auch durch den Zionsgedanken, erfüllt, mit der nothwendigen Wendung und Lenkung in realere Bahnen hätte er aber viel von seinem Prestige verlieren müssen. Wer weitz, ob Herzl, von den ungeahnten Erfolgen verwirrt, die Einsicht besessen und die tleberwindung gefunden hätte, um ein zweitesural „inkonsequent" zu werden, und ob es ihm gelungen wäre, der „Biedermänner" Herr zu werden. Für unser kulturstolzes Jahrhundert aber ist es tief beschämend, datz einer seiner besten Männer — weil im Innersten verlebt — sich dazu veranlaßt sehen konnte, seine Jugendikeale zu verbergen und wie ein trotzig-naives Kindergemüth den Spietz umzukehren. Weil sie ihn nicht mehr wie ein „Heil!" riefen liehen so rief er „Heddad!", weil sie ihn nicht mehr als Alben gelten lassen wollten, so wurde er Zionist. Wob! sprach dies gegen reife Abklärung und schulgerechte Logik, nicht aber gegen seine edelste Empfindung. Und seine Empfindungen haben sowohl bei Lebzeiten, wie nach seinem Tode nur bei wenigen die richtige Deutung erfahren können. Ein gekrönter oder ungekrönter König von Zion zu werden, wie man es nach dem Vorgehen allzu beflissener Adelten glauben könnte, danach hat es Herzl wahrlich nicht gelüstet. Herzl's Gestalt kann in der jüdischen Geschichte zu einer größeren werden, als cs die Bar Kochbas oder Sabatei Zewy's war, oder er wird nur als ein verunglückter Moses erscheinen, dem es nick! beschieden war. seine Brüder heimzuführen. Die Gestaltung liegt in der Hand derer, die berufen sind, das Erbe des zionistischen Vermächtnisses anzutreten. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Berlin, 19. Juli. Die antisemitischen Radaureden des Dreschgrafen Pückler sollen selbst der Staatsbürgerzeitung-Clique zu toll geworden sein. Rach der letzten aufgelösten Radauversammlung kam es nämlich. wie das „Kl. Journal" erzählt, zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Dreschgrafen und seinem Protektor Wilhelm Bruhn. Letzterer machte dem Grafen ernste Vorhaltungen ob seiner „blutrünstigen Sprechweise" und betonte, daß man unter diesen Umständen davon absehen müsse, den gräflichen Redner künftig „auftreten" zu lassen. Der Graf überschüttete seinen bisherigen Parteigänger Bruhn mit Redeblüthen, unter denen Wendungen, wie „Feigling" die mildeste Form im Ausdruck bildeten. Wuthschnaubend verließ der Kaltgestellte daraufhin das Lokal und sann nach Rache. Diese sollte nicht lange auf sich warten lassen, denn bereits am nächsten Tage fand sich in der Person des Schneidermeisters Donner vom „Allgemeinen Verein der Gewerbetreibenden" ein anderer Unternehmer antisemitischer Versammlungen, der seine Bereitwilligkeit erklärte, den Grafen sprechen zu lassen. Darob ist die „Staatsbürgerztg." verschnupft und sperrt, wie sie es einst ihrem Freunde Ahlwardt gegenüber gethan. alle Mittheilungen über Pücklers ferneres Erdenwallen. Vermuthlich hat selbst die „Staatsbürgerztg." eingesehen, daß Graf Pückler nicht mehr ernst genommen wird und will sich deßhalb das weitere antisemitische Geschäft nicht verderben. Hamburg. Rach vielmonatlicher Prüfung und Vorbereitung ist unlängst Hierselbst ein weitausschauendes. großangelegtes Unternehmen zur Thatsacke geworden. dessen eminente Bedeutung für die jüdischen Kolonien Palästinas nnd für die agrikulturelle. wie industrielle Entwicklung des heiligen Landes überhaupt nicht dargelegt zu werden braucht. Auf Anregung des Herrn Wilb. Groß aus Jaffa, der seit einer Reihe von Monaten zur Propagirun.g dieser Idee in. unserer Stadt weilt, ist die Begründung einer „Palästina- Handelsgesellschaft m. b. H." erfolgt, welche ihre Tbätigkeit natürlich nickt aus den Vertrieb der Produkte jüdischen Ackernnd Gewerbefleißes beschränken wird, aber in erster Reihe zu diesem Zwecke in's Leben gerufen wurde, nm nach Lage der Verhältnisse auch vorwiegend unseren Glaubensgenossen zu Gute kommen. Das neue Unternehmen erfreut sich der Zustimmung und Förderung erster deutscher Firmen, und wenn auch das Grundkavital zunächst nur auf 100.000 Mark festgesetzt ist. so liegt es doch im ganzen Plan der Gesellschaft. daß ihr die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, sobald bei ihrem, wenn auch nur Schritt für Sckritt erfolgenden Vorgehen sich weitere Aufwendungen als erforderlich erweisen. Der Verwaltung der „Palästina-Handelsgesellschaft m. b. H." gehören folgenden Herren an: Sally M. Mainz (in gleicher Firma) als Vorsitzender. Alfred Cohn (in gleicher Firma). Ignatz Friedländer (l F.: I. H. Friedlander & Co.). Emil Magnus (i. F.: Magnus & Friedländer). sämmtlich in Hamburg, und Prof. Dr. O. Marburg in Berlin.