Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1904)
- Date
- 1904-07-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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128« nur zu sagen, dann Kt man’*. Nur stolz, recht tioch den Nacken aufgeworfen und immer wieder unermüdlich wiederholt, daß man für’s arme Judenvolk ein Herz besitze, eifrig auch nach allen Richtungen gespäht, wo sich, den Völkerparias zur Ruhestätte, ein schmaler Landstrich fände — und die Menge sollte nicht irren, nicht wachend zu erleben glauben, was nur verfliegender Traum, vorbeihuschendcr Schatten^ Kein Köder sa wirksam wie Mitleid, keine Maske so täuschend wie die Phrase. Die unversehrte Schale täuscht über den wurmzerfressenen Kern hinweg. Die Presse, weil entfernt dem Uebel zu steuern, wird selber zum Spiel der Wellen. Der Katzenbuckel, den sie vor des Pöbels Maj'- stät vollführt, ist der krümmste von allen. So wird lein König von seinen Unterthanen gefürchtet, wie der letzte Abonnent von seiner Zeitung. Die Leser schwingen den Taktstock, die Zeitung heult mit den Wölfen — gibt es. ein Konzert von widerlicherer Dissonanz? Dab.'i brauchten diese Zeitungen nur etwas weniger denkfaul zu sein, um sich der Jmmoralität ihrer Grundsätze bewusst zu werden. Es gibt hier nur ein Entweder oder: Die Dbora iss Wahrheit oder Lüge. Ist sie wahr, dann ist sie die höchste Wahrheit, denn dann stammt sie von Gott, und die Presse hat keine andere Pflicht, als ibr den Weg zu ebnen, ^ü sie’s nicht, kam sie uns nickt von des Horeb's Xwben und ward sie aus Götzenlng und Priesierwahn von sterblicher Menschenhand gebraut, dann ist sie der verderblichste Aberglaube, der je auf Erden gewandelt, und die Presse hat keine andere Pflicht, als sie mit Stumpf und Stiel aus der Welt zu rotten. In dieser ^frane iss das Wählen zwischen Sein und Nichtsein kein Recht, sondern unabweisbare Pflicht. Eine Bewegung, deren intellektuelle Urheber und massgebende Leiter es nicht einmal der Mühe werth zu halten scheinen, über diese Trage in's Reine zu kommen, ist dcsshalb von vornherein gerichtet. Eine Presse, die in bedauernswertem Unverstand einer solchen Bewegung Sklavendienste leistet, verfällt dem gleichen Schicksal. Es iss ja oft reckt vortheilhaft und klug, mit allen Wölfen der Welt zu heulen. Allein mit Manneswiirde und Ebarakteradel verträgt sich's schlecht. D i e heisihen das Gegentheil: Ein ganzes Rudel, wenn es gilt, nicderzustrecken. einer ganzen Welt, wenn’s sie’s verdient, in’s Angesicht zu schleudern: Du lügst. Man muss auch zu hassen verstehen. Allerweltsfreunde sind verdächtige Ebarakiere. Popularität ist ein schöner Schmuck, doch selten eckt. Im Kampfe gegen die Lüge muss man anck seine Popularität dreinzuschlagen wissen. Das ist die zweite Lehre, die uns vor fünfzig Jahren Hirsch's Je'chnrun gebracht. Nickt durch rauschende Festestage. lasst uns das Gedäcktniss dieser Zeitschrift feiern! Wir wollen sie lesen und beherzigen. Das ist der würdigste Abonnemcntspreis, den man Zeitschriften vom Schlage des Je schurun zahlt, die stille, aber würdigste Erinnerungsfeier. die nachgeborene Leser ihnen weihen können. Andere Blätter leben und vergehen mit der Zeit. Wer liest sie? Sie sind nicht für die Ewigkeit gegründet. Die alten Ideale werden morsch und sterben ab. Dann jagt man anderen nach, bis auch diese faulen. Weil er des Höchsten Dolmetsch ist gewesen, bleibt Hirsch's Je schurun ewig frisch und jung. Es kann der Zeitensturm ihn nickt verwehen, und seine Blätter werden nie vergilben. Seine Größe stirbt im Lethe nicht. Möchten dock vor allem die Herren Redakteure mit ihrem Skribentenstab den Geburtstag des Jeschurnn nickt unbenutzt vori'ckerstreichen lassen. Es ist nicht leicht, jüdischer Journalist zu sein. Zeitungschreiberei ist ein gesäbrlich Spiel. Ein Artikelschreiber ahnt es nicht, welch’ hohen Segen er oft stiften könnte, wollte er nur seinen unsagbaren Kohl statt in Zeitschriften, die überallhin bis in Re letzte Hütte fliegen, in dickleibigen Büchern verewigen, die Keiner liest. Durch Zeitungen erst wird die Lüge epidemisch. Umso dringender möchten wir den jüdischen Zeitungsschreibern auf weitern Erdcnrunde ratben. stch erst selber an den Aufsätzen des Jeschurnn zu Juden heranznlesen, bevor sie mit eigenen Geistes- oder Eitelkeitsprodukten Andere für’s Judenthum gewinnen wollen, um schliesslich im besten Talle dock nur mit unnützem Zeitungspapier den Makulaturbesitz ihrer bemitleidenswerten Leser zu vermebren. Vielleicht gibt es vorurtheilslose Leute, die es nickt der Enkelpietät auf’s Konto schreiben, wenn wir lübnlick die Behauptung riskiren: Ein jüdisches Blatt hat nur dann Eristenzberechtigung, wenn es sich als Geisteserben des Iescknrun begreift, ein jüdischer Zeitungsschreiber ist nur dann berechtigt, die Feder einzutancken, wenn er beim Jeschurnn in die Lehre gegangen. Zeitungsnachrichten und Correspondcnze«. Deutschland. Soran. Auf Veranlassung der Schlachthof-Verwaltung war Seitens des Magistrats dem Stadtverordnetcn-Kolleginm der Antrag auf Erlass eines Schacht-Verbots am städtischen Schlachthof unterbreitet worden, welcher bereits vor einigen Wochen zur Verhandlung gelangte. Die Beschlußfassung wurde s. Zt. ansgesetzl. da die Stadtverordneten es für billig und gerecht erachteten, dem Begehren unserer Glaubensgenossen stattzngeben und den Vorstand der Syna-! gogengemeinde vorher zu hören. Der Magistrat hat! inzwischen den Vorstand in der Sache protokollarisch j vernommen, und Seitens der Synagogengemrinde > war inzwischen dem Stadiverordneten-Vorsteher noch 1 eine Sammlung von Gutachten thierärztlicher Autori-