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Der Israelit · 1904-07-28 · Heft 60 (28.7.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 60 (28.7.1904)
Date
1904-07-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1277 Zeitungsnachrichten und Correspaudenzen. Deutschland. Berlin. (Die Beobachtung des Geisteszustandes des Grafen P ü ck l e r.) Schon seit einigen Wochen ist Graf Pückler, wie die „Zeit a. Montag" erfährt, Gegenstand psychiatrischer Beobachtung, und in den letzten Tagen ist der Zustand dieses Herrn ein so bedenklicher geworden, daß die llcberführung desselben nach einer amtlichen Beobachtungsstation sehr bald erfolgen dürfte. Zur Verschlimmerung des Zustandes des gräflichen „Volksredners" hat offenbar die Hitze beigetragen, die den Grafen nicht-hinderte, in jeder Woche zwei große Der sammlungen abzuhalten, während der ihm hierbei zu Theil gewordene Beifall ihn vollends um den Verstand gebracht zu haben scheint. Denn in jeder Versammlung wurden die Reden Pücklers um mehrere Grade schlimmer, bis die letzte, die er am Freitag Abend in der Tonhalle zum Besten gab, den vollständigen Durchbruch der Gcbirnkrankheit offenbart hat. Ein Irrenarzt. welcher an dieser Versammlung Theil nahm, gab darüber folgende Erklärung ab: „Wollte man an die letzte Rede, welche der Graf gehalten hat, den Maßstob normaler Geistestbätigkeit anlegen. so hieße dies, den gesunden Menschenverstand verhöhnen. Ich spreche daher nur von der allgenreinen Haltung Pücklers, betreffs deren jeder ärztliche Fachmann schon in dem blöden Lachen, welches der Redner nach jedem seiner Ausfälle gegen die Juden ausstieß, alle Kennzeichen des Irrsinnigen feststellen konnte. Die schnelle, ungeordnete und oft ganz avathische Redeweise, mit welcher der Graf die unglaublichsten Unfläthigkeiten vorbrachte, ging febr häufig in die querulantenmäßige Vielrederei geistig Gestörter über. Ebenso zeigte der unsichere und geistlose Blick des Redners die Abnormität der Gehirnthätigkeit. Es ist daher ganz richtig, wenn die überwachenden Polizeibeaniten in den letzten Versammlungen ven Redner gar nicht weiter störten, sondern ihn ruhig aussprechen ließen, um dadurch das Material zu bekommen, das zur völligen lleberführung des Kranken erforderlich ist." — Die „Zeit a. Montag" bringt dann ein paar Proben der Piickler'schen Wahn sinnsreden, die aber so gemein und ekelerregend sind, daß wir sie nicht wiedergeben. Posen, im Juli. Das in weiteren jüdischen Kreisen bekannte, vor ungefähr 87 Jahren auf Veranlaß ung des b'r vn Krp* n ptr von einem Herrn S. B. Latz gegründete «rren ra und Krankenhaus, das nach dem Namen des Stifters rvbv rrz genannt wird, ist in diesen Tagen nach einem anderen, der Snnagogengemeinde gehörigen Hause verlegt worden. Das Gebäude soll nämlich der Straßenverbreiterung zum Opfer fallen. In diesem v'wr steht noch als Erinnerung an »z-py pm der Sessel, auf dem er bei seinen Talmudvsrträgen zu sitzen pflegte. Einige Tage vor dem Umzug wurde, um den Abschied von dem alten Lokale würdig zu begehen, seitens der tTji ein cra auf rrcx pc gemacht, wobei Herr Rabb. Dr. Feilchenfeld tief empfundene und ergreifende Worte sprach und mit dem Wunsche schloß, daß auch in dem neuen Lokale, wie in dem bisherigen. Thora gelehrt und gelernt werden möge. In gleicher Weise sprachen auch Herr Rabbinatsassessor Krause und Herr Jacobsohn. Das neue Lokal ist übrigens nur ein interimistisches. Es soll vielmehr. da der Bau einer großen Gcmeindesynagoge devorsteht, das ganze Terrain der beiden alten Synagogen. der sog. alten und neuen Vetschule. zur Aufnahme des s'.t: und eines Krankenhauses definitiv eingerichtet werden. Zum Synagogenbau muß hervorgehoben toerden, daß bei demselben die Einführung einer Orgel, wie sie leider bei neuen Snnagogenbauten beliebt wird, vollständig ausgeschlossen ist. Die hiefige Gemeinde bleibt eben ihrem strengreligiösen Charakter getreu. Leider ist dies im Einzelnen nicht der Fall, denn der rcv W>n nimmt bedenklich überhand, sowohl seitens der Geschäftsleute. als auch der iuugen Handlungsgehülsen, die freilich zum größten Theil durch Roth gezwungen sind, Stellen anzunehmen, die ihnen rcv W*n auferlegen. Es ist dies ein eigenes Martyrium der Neuzeit. — Ich halte es nun für nicht überflüssig, auf einen Umstand hinzuweisen. der für das rituelle Leben in unserer Gemeinde van einiger Bedeutung ist. Der Inhaber einer seit 182*'. mit dem besten Erfolge betriebenen und sehr srequentirten Konditorei, die auch allen rituellen Anforderungen entspricht, ist durch Familienverhältnisse genöthiat, dieselbe aufzngeben. Der Mangel einer solchen Konditorei würde sich dann hier unangenehm fühlbar machen, namentlich am Pesachfeste, da eine zweite derartige am Orte nicht existirt. Es wäre daber für einen betriebsamen Konditor ein lohnendes Unternehmen, sich hier niederzulaffen. Allerdings müßte die Einrichtung zeitgemäß sein und der Betrieb den rituellen Anforderungen genügen. In dieser Weise ist die bisherige Konditorei mehrere Generationen hindurch zur Zufriedenheit des jüdischen wie des christlichen Publikums mit dem besten Erfolge betrieben worden. Ebenso nothwendig wäre die Niederlassung eines religiösen Traiteurs, der auch die Herstellung von Hochzeit- und anderen Festmahlen übernehmen konnte. Es ist dies für den hiesiaen Platz geradezu ein Bedurfniß. Der Unternehmer müßte freilich sich den Anordnungen des Herrn Gemeinderabbiner in Bezug auf nrj unbedingt fügen. Ein solcher Traiteur würde bei ge-

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