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Der Israelit · 1904-07-28 · Heft 60 (28.7.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 60 (28.7.1904)
Date
1904-07-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1274 die zuversichtliche Ueberzeugung habe: „Sie werden zu uns zurückkehren. Sie werden dem Rufe Ihres Großvaters folgen und wieder einer der Unseren werden, Josef! Neunundneunzig Schloßgüter und alle Esterhazy'schen Millionen werden auf die Dauer keine Scheidewand bilden, zwischen Ihnen und Ihrem Vater im Himmel und mit Jbren Eltern auf Erden. Dessen bin ich so sicher, als Menschen etwas mit Sicherheit behaupten können." Sie waren nun auf der Höhe angelangt, von der sie das Ziel ihrer Reise in einer halbstündigen Entfernung vor sich liegen sahen. Der Jüngling suchte die Erreichung dieses Zieles hinaus zu schieben, weil er fürchtete, daß sie dann durch die Anwesenheit des Oberförsters in ihrer Unterhaltung gestört sein werden. ..Welch' herrliche Aussicht hat man hier!* ries Graf Ignatius aus. „Wollen wir hier nicht ein halbes Stündchen rasten und frühstücken? Ich finde, es schmeckt einem Morgens niemals besser, als wenn man einige Stunden nüchtern marschirt ist, wie wir es heute yethan haben. Es ist jetzt erst acht Uhr, wir haben noch Zeit genug." Bei diesen Worten ließen sie sich auf einem Steinhaufen nieder, und der Graf nahm aus seinem Tornister kaltes Fleisch. Brod und Wein, wovon er die Hälfte seinem Begleiter gab und die andere Hälfte für sich behielt. Dieser aber lehnte dankend ab und zog aus der Tasche ein Stück Schwarzbrod und Käse. ..Warum wollen Sie nicht mit mir frühstücken: Sie sehen ja. wir haben genug, ich habe für uns beide Wegzehrung mitgenommen?" fragte Ignatius. ..Ich darf nicht;" erwiderte Pappcnheim. „Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß wir Juden besondere Gesetze über Speise und Trank haben, diese versagen es mir." „Gewiß weiß ich das." entgegnete der Graf, „aber cs ist ja kein Schweinefleisch, es ist Wildpret, das ist Ihnen doch auch gestattet." „Von Wildpret sind uns nur Rehe und Hirsch gestattet. Aber auch diese dürfen nicht geschossen, sondern müssen nach der Vorschrift des Gesetzes getödtet und dann einer inneren Untersuchung unterzogen werden. Der Genuß kranker oder mit einer genau be stimmten Art von Fehlern und Gebrechen behafteter Thiere ist uns ebenfalls untersagt. Ist ein Thier nach Vorschrift geschlachtet und auch durch Untersuchung als zulässig festgestellt, so müssen aus dem Fleische noch vor dem Kochen gewisse Fett- und Blutadern ausgeschieden und dann muß noch das Blut durch Einweichen und Salzen des Fleisches aus demselben entfernt werden. Diese Behandlung wird Ihr Fleisch, das Sie so gütig sind, mir anzubieten, wohl nicht erfahren haben. Aber wenn Sie das alles ganz gewissenhaft selber hergesrcllt hätten, so dürste ich das Fleisch doch nicht genießen. Ein Nichtjude und ebenso ein Jude, der das Gesetz nicht kennt und nicht selber erfüllt, gewährt keine Bürgschaft für die genaue Einhaltung aller in Betracht kommender Vorschriften." ..Also schenken Sie der letzten jüdischen Küchenmagd mehr Vertrauen als mir, dem Grafen Ignatius Esterhazv?" fragte der Jüngling, indem er den Pappenheim gereichten Theil des Frühstücks wieder zurücknahm. „Allerdings. Herr Graf." entgegnete Pappenheim. ..und ich glaube, daß Sie auf Schritt und Tritt selber nicht anders handeln. Was würden Sie zu drr Taufe eines christlichen .Kindes sagen, die von einem Rabbiner, einem Derwisch oder einem Heiden vollzogen würde, selbst wenn Sie deren persönliche Glaubwürdigkeit und Ehrenhaftigkeit?n keiner Weise anzweifeln? Würden Sie nicht die Taufe Seitens der letzten christlichen Kindsmagd verziehen? Würden Sie die Führung der Tabellen, die Angabe der Messungen und Entfernung.n für die Arbeit, die wir gemeinsam Vorhaben, einem noch so ehrbaren christlichen Arbeiter anvertranen, wenn er nicht lesen und schreiben kann? Würden Sie nicht einen Juden vorziehen, selbst wenn er Hirsch Pappenheim hieße?" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wSehentllch zweimal, Montag* nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen a». — Der Buchhandel verkehr! durch V. Zf. Skrinarkrr, Leipzig, Notzplatz ZS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. 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Aus dem Kunstleben der hessischen Residenz am Anfang des vorigen Jahrhunderts. (Schluß.) vrlea-Betlagt: Kritik. Vertrauensseligkeit — oddr That» Verantwortliche Redactton: Oscar Lehmann in Main». - Expedition de« ^JSraeNt'. SLottstraße Ar L Mai«. Druck und Verlag der 2 oh. WirtblLen Hosbuchdruckeret Actien-Gesellschast in Main». Hierzu vier Beilage«,

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