Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-07-28 · Heft 60 (28.7.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 60 (28.7.1904)
Date
1904-07-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450042--61117-2522139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1272 lasten, aus der- Reserve berauszutreten. In der letzten Nummer des „3>'l Talpioth" erschien ein flammender Protest gegen den Zionismus im Allgemeinen und den „Misrachi" im Besondern. Die ehrw. Herren Oberrabbiner von M a i tz e n. H u ß t und H u n s - d o r f warnen das ungarische Judenthum vor einem Anschluß an eine Bewegung, die weit, weit gefährlicher als die unselige Reformbewegung ist, sie warnen die jüdische Jugend, daß sie den in Pretzburg stattfindenden „Misrachitag" besuchen soll und sie bitten endlich die altehrwürdige Preßburger Gemeinde, daß sie den Herren Zionisten zu verstehen geben solle, daß sie sehr wenig erbaut von der zionistischen Heimsuchung sei, und daß sie Alles thun werde, um dem Vordringen zionistischen Geistes hindernd in den Weg zu treten. Besonderes Interesse erhält dieser Aufruf durch die Veröffentlichung eines Briefes der größten rabbinischen Autorität der Gegenwart, des weltberühmten Gaon vor Vrisk l Rußland). Dieser Gaon bittet die ungarischen Rabblnnen, daß sie doch energisch gegen den Zionismus in jeglicher Gestalt auftreter. sollen, denn der Zionismus sei eine Gefahr für das Judenthum und er habe in Rußland schon verheerend gewirkt. Tausende Jünglinge in Rußland sind in Folge der zionistischen Bewegung vom gesetzestreuen Judenthum abgefallen. Man irrt sehr, so fährt der Brisker Gaon fort, wenn man den Zionismus als eine harmlose Kolonisationsbewegnng ausfaßt. Gr ist eine Knlturbewegung. und zionistische Kultur ist mit Abfall gleichbedeutend. Die Wirkung dieses Aufrufes ist eine gewaltige und wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, haben schon weit über hundert orthodoxe Rabbiner Ungarns den ehrw. Gaon von Waitzen ihrer Zustimmung versichert. Es war auch höchste Zeit, daß die ungarische Orthodoxie gegen den Zionismus Stellung genommen hat. Es ist die rwsn naÄ c~p. Die Leser des ..Israelit" wird es interestiren zu erfahren, daß dem „Israelit" das Verdienst gebührt, diese energische Stellungnahme der ungarischen Orthodoxie gegen den Zionismus herbeigeführt zu haben. Auch die Protesterklärung der holländischen Rabbiner beruft sich auf die Artikel des „Israelit". *xp xsirp 'xp xtz xip». Kl. WtMllSM aus Sen W. Ameuuereineu m fit dksrlbru. (Eamvtttche jüd. Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende sind gebeten, «ns Mitthellungeu über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Thatigkeit machen, zukrnme» zu lassen.) Mainz. Mayer Linder. Lehrer aus Karlsruhe, war auf unserer Redaktion und legte uns seine Papiere vor. Ueber denselben wurde vor einiger Zeit berichtet. daß seine Papiere gefälscht seien, und daß seine Angaben unrichtig. Herr Linder ersucht uns zu berichtigen. daß seine Papiere echt und seine Angaben wahr sind. Wir nehmen keinen Anstand zu bemerken, daß auch uns die Papiere echt scheinen. Red. d. Jsr. Feuilleton. Mine vereitelte Wochzeit. von N. Mayrrev. ui „Vielleicht wäre Ihre Freude noch größer, wenn Sie zum Herbst statt die Universität eine Jeschiba besuchten," sagte nachdenklich Hirsch Pappenheim. „Ja, das denke ich ja selber," erwiderte rasch der Jüngling. „Wenn ich nur einmal aus dieser abgeschiedenen Einsamkeit fort bin, dann will ich mir ganz gewiß auch einmal eine solche jüdische Lehranstalt ansehen." „So nieinte ich's nicht, sondern ich glaubte. Sie sollten statt der Universität eine Jeschiba besuchen." bemerkte zögernd Herr Pappenheim. „Wo denken Sie hin?" unterbrach ihn der junge Graf. „Dazu werden meine Eltern niemals einwilligcn, wie die Dinge nun einmal liegen." „Das weiß ich wohl," entgegnete Pappenheim, „mit Wissen und Willen Ihrer Pflegeltern werden Sie niemals einen Schritt über die Schwelle einer Jeschiba setzen, aber - .Sie meinen doch nicht." unterbrach ihn Ignatius, „daß ich auf eigene Faust handeln und mich in Zwiespalt setzen sollte mit meinen Eltern?" ..Mit Ihren Pflege-Eltern meinen Sie?" berichtigte Hirsch Pappenheim. „Dieser Zwiespalt ist ja bereits vorhanden und Sie werden ihn nicht umgehen können: Früher oder später werden Sie sich zu entscheiden haben, ob Sie's mit Ihren Eltern und Großeltern oder mit Ihren Pflegeeltern halten wollen. Aber heute braucht das nicht zum Austrag gebracht zu lverden. Ich bitte sogar dringend, daß wir fur's erste darüber nicht mehr sprechen wollen, sonst laufe ich doch wieder Gefahr von Ihnen für einen heimlichen Theologen oder Missionär gehalten zu werden. — Wenn Sie gestatten, ziehe ich mich jetzt zurück, um morgen Früh recht pünktlich Sie um sechs Uhr zu erwarten. Wo soll ich mich einfinden?" „Ich denke am Hosthor!" erwiderte Ignatius und verabschiedete sich von Pappenheim, indem er ihm herzlich die Hand zum Abschiede reichte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.