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Der Israelit · 1904-07-28 · Heft 60 (28.7.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 60 (28.7.1904)
Date
1904-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1268 des Geistes sein, ein Volk das durch sein Bestehen künde, daß „nicht für das Brod der Mensch lebe, sondern für diejenigen Wahrheiten, die dem Munde Gottes entstammen." Auch unser Staat und unsere nationale Selbstständigkeit waren nicht Selbstzweck, sondern lediglich Mittel zur Verwirklichung des einen großen Gedankens, der in kurzer, präciser und prägnanter Formel das Wesen des Judenthums, den inneren Kern seiner Lebensbestimmnng zum Ausdruck bringt, daß wir -r '2 veez!?3 bs für den Geist, der den Worten unserer Lehrer innewohnt, zu leben und zu streben haben. Nicht weltliche Macht sollen wir erstreben, nicht irdische Güter aufzuhäufen trachten, sondern Wahrheit zu verbreiten. Dieser geistige Charakter unseres ganzen Daseins sichert uns ewige Dauer. Als man uns unseren Staat zerstörte, als man uns unserer nationalen Selbstständigkeit beraubte, da nahm man uns nickt das Wesentlichste. Man beraubte uns der vorzüglichsten Mittel zur Verwirklichung unserer Zwecke, aber der Zweck blieb und dieser Zweck sicherte uns unsere Existenz auch nachdem wir dieser Mittel verlustig gingen. Es trat eben die Aufgabe an uns heran, andere Wege und andere Mittel zu suchen und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. wo ein Ideal einem leuchtenden Stern gleich uns leuchtet, da schwindet die Finsterniß und wir wandelten im Lichte dieses Sterns, der sich als ein günstiger erwies, denn er schützte uns bis heute und wir künden heute lauter denn je “jaw ‘in, daß trotz aller Unterdrückungen und Quälereien. trotz aller Anstrengungen unserer Feinde, uns die Lebensadern zu unterbinden, das jüdische Volk besteht, e-xr» 'tf "1 '2 mts t>3 b? '3 denn lebt der Mensch f ü r den Geist Gottes, so lebt und besteht er auch ewig durch ihn. Wenden wir uns nun zu unserer .-rcun. Erschütternde Klage tönt uns aus dem ersten Verse entgegen ’:nrp "n n yaw p’S icxm. „Zion spricht Gott hat mich verlassen und mein Herr hat mein vergessen"! Zion ist 'müde, hoffnungsmüde geworden. Was ist es. das Zion an seinem großen menschenbeglückenden Heil verzweifeln läßt, was ist es. das ihn an die Lösung seiner weltbeglückenden Mission nicht glauben läßt? Unsere Lehrer beantworten diese Frage in einer Weise, die uns Aufschluß über die trübe und verzweifelnde Stimmung Mutter Zions bringt. Unserer Haftarah war, wie uns unsere Weisen aufmerksam macken, der den messianischen König betreffende Abschnitt vorausgegangen. „Also spricht Haschem: Zur Zeit der Gnade erhörte Ich dich, rettete dich am Tage des Heils; Ich bewahrte dich, gab dich als Bundeszeichen den Völkern, das Land zu errichten, die verödeten Erbgüter zu vertheilen. Zu den Gefesselten sprach Ich „Ziehet heraus!", zu den im Finsteren Wandelnden „Zeiget Euch!" Auf Straßen wandeln sie. ruhen auf allen Hügeln. Sie hungern nicht, der Durst ist verschwunden, brennende Sonne sticht sie nicht. denn ihr Erbarmer führet sie, leitet sie an Wasserquellen. Alle meine Berge mache Ich eben und bahne die Straßen alle. Sieh, sie kommen aus der Ferne, aus Nord und West und aus dornenreichen Ländern. Jauchzet ihr Himmel, frohlocke Erde, denn Gott tröstet sein Volk und erbarmt sich seiner Armen." r6njn ireu n;*s wni nx pc::n: rpdnv px raun* pe "i -:37r p'x naen xnew n^nm. Als nun Zion sab. daß die Zerstreuten sich sammeln und sie wird nicht zu allererst genannt, da sprach Zion. „Haschem bat mich verlassen und mein Herr mein vergessen!" Die Wan derung durch die Wüste der Völker sollte dem Volte dri- Wortes und der Schrift die Wahrheit bringen, daß das Wort und die Schrift es seiner Endbestimmung Zufuhren können. Seines Landes beraubt, von feinem Boden vertrieben, sollte dem herumirrenden Volke di.- Wahrheit die einzige Heimath werden,, das Gotteswori der Boden, auf dem cs sich weiterentwickeln sollte. Denn auch sein Land und seine Heimath waren nur so lange sein, als sie Zentren jüdischen Geistes. Pflege statten jüdischer Wahrheiten waren. Zion war nur so lange Zion, als auf seinen Zinnen die Thorasabue wehte, als von seinen Höhen das Licht jüdischer Weisheit und göttlicher Wahrheit in die Welt strahlte. Als aber die Irrlehre in Israel Platz griff, daß das Land Zweck an sich sei. der Ertrag des Landes dem Lande Werth und Bedeutung verleihe, da wurde das Vol; aus dem Lande gewiesen, denn es hat seinen Boden verunreinigt, es hat Zion verlassen, noch lange bevor es aus ihm vertrieben wurde; es hat Zion seiner Würde und Weihe, seiner Größe und Herrlichkeit beraubt, es hat die Krone vom Haupte der Mutter gerissen, den sie zierenden Schmuck in den Staub geworfen, fess ernenn. Ihre Schätze gaben sie preis, ihrem innersten Lebenskern wurden sie untreu, indem sie von Zion lediglich irdische Speise verlangten. Sie traten nun die lange Wüstenwanderung an. in der sie lernten, daß sie ein Volk des Geistes sind, daß sie durch das Dulden zu einem Volke der Denker werden müssen. Hat es diese eine Wahrbeit gelernt, daß seine Thora allein seinem Leben Werth, Weihe und Inhalt verleihen könne, dann hat es sich innerlich befreit. Hat es die eine Wahrbeit begriffen, daß es für o rr»o zu leben und zu streben habe, dann hat seine Noth ein Ende und der inneren Befreiung kann die äußere folgen. Hat das jüdische Volk hier inmitten aller Verfolgungen ausgeharrt, wenn es verstanden hat. trotz des drückendsten Mangels, trotz des Fehlens der primitivisten Mittel zur Behauptung seines irdischen Seins, sich als Träger göttlichen Geistes zu behaupten, dann hat es sich würdig erwiesen der ntnrü, deren Zweck wieder kein anderer sein kann als der Entfaltung der geistigen Kräfte, der Pflege jüdischen Thorageifles eine gesicherte Heimstätte zu gründen, daß Zion wieder Zion werde, daß von ihm Licht hinausströme in eine Welt.

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