Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1904)
- Date
- 1904-07-21
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1249 Poesie. Klausner, M. A. „Die Gedichte der Bibel in dcutscher Sprache. Mit Buchschmuck von Judith Klausner. 3 Bde. Zweite und dritte Ausl. Kart. M. 4. Berlin. S. Calvary LCie. 1904. Das treffliche Buch, das ohne Zweifel zu den schönsten und bedeutsamsten zählt, die die jüdische Litteratur der letzten Jahre hervorgebracht hat, ist bereits bei seinem ersten Erscheinen von uns an dieser Stelle ausführlich besprochen und nach Gebühr gewürdigt worden. Wir wiesen s. Z. auf die geradezu einzige Schönheit hin. in der der schöpferische Nachbildner und Nachempfinder biblischer Schönheit, der bewunderungswürdige Interpret unserer erhabenen Poesie, einige Theile unseres heiligen Buche-, ganz besonders aber das Hohelied uns dargeboten hat, wie er mit seltener Meisterschaft die feinsten dichterischen und musikalischen Mittel der poetischen Sprache, die mannigfachen Formen und Gestaltungen von Metrum, Vers und Reim handhabt und dm verschiedenen Nuancen der in seinem Original hertschendm poetischen Stimmung entsprechend verschieden und mit genialer Treffsicherheit anwendet. Wir zeigten, wie Schwung und Eleganz der Sprache. Feinheit und Hoheit poetischer Nachempfindung, Wärme und Tiefe religiöser Begeisterung, feinsinniger Takt und edler, litterarischer Geschmack sich in diesem Buche zu innigem Bunde vereint und ein Wcrk geschaffen haben, das sich unbestrittene Anerkennung erwerben und dauernden Werth behalten muß. Di? Folgezeit hat die Richtigkeit dieses Urthe lbestätigt, da<' Buch hat sich einmüthige Anerkmnung erworben, allfeitiges, ungetheiltes Lob errungen, was auch schon der bei jüdischen Büchcm wohl äußerst seltene buchhbndlcrische Erfolg beweist, welcher bewirkte, daß di? erste Auflage trotz des im Vergleiche zu dem gegenwärtigen hohen Preise schon nach sechs Wochen vergriffen war. Der Verfasser hat nunmehr eine zweite Auflage dieses prächtigen Werkes veranstaltet und durch Hinzvfügung einer Reihe weiterer poetischer Bücher der heiligen Schrift vergrößert und bereichert. Denn auch von diesen, den hier neu abgedruckten Uebersetzungm der Sprüche Salomos, des Predigers, der Bücher Esther, Ruth, Jona und der Abschnitte aus den prophetischen Schriften gilt, was von den früher herausgegebenen gesagt wurde: sie sind eine Zierde unserer neueren Litteratur, ein Meisterwerk jüdischer llebersehungskunst. Auch ein äußerer nicht zu unterschätzender Vorzug dieser neuen Auflage verdient rühmend hervorgehobm zu werden. Es ist dies der in der That erstaunlich, ja unbegreiflich niedrige Preis dieses Buches, der eS I ihm auch in dieser Hinsicht ermöglicht, ein Volksbuch I zu werden im edelsten Sinne dieses Wortes. Daß drei! prächtig ausgestattkte, mit hübschem Buchschmuck von j Künstlerhand versehene Bände, die selbst kartonirt eine Zierde des Büchertisches bilden, für 4 Mk. abgegeben werden können, zeugt von großer Opferfähigkeit des Verlegers sowohl als auch des Verfassers. Mögen diejenigen, die das Buch noch nicht besitzen, die günstige Gelegenheit wahrnehmen, um baldigst in den Besitz desselben zu gelangen. Kein Vater sollte versäumen, seinem Heranwachsenden Kinde dieses herrliche Buch in die Hand zu geben, das vollauf verdient, ein Familienbuch des jüdischen Hauses zu werden und von dem das Wort Malachis gilt: „Es führt das Herder Väter zurück zu ihren Kindern, das Herz der Kinder zu ihren Vätern." Möge es auch fernerhin mitwirkm an der Erweckung und Neubelebung des Interesses und der Liebe für die heilige Schrift, das theure, heilige Erbe der Väter. - D. Holzer. Casutftisches. Schück, Bcrnat (Rabbiner d. Temesvarer israelit. aut. orthod. Gem.) j'-n m Religion und Staat. Eine Studie. Temesvar 1904. Das vorliegende Buch ist nicht aus dem Gesichtspunkte einer litterarischen, auch nach ihrer ästhetischformalen Seite zu würdigenden Leistung zu betrachten, sondern von dem unvergleichlich höheren einer religiösen That. Mitten aus einem harten Kampfe heraus, den die Glaubenstreuen in Ungarn für die Erhaltung heiliger jüdischer Satzungen führen müssen, ist es entstanden, edler, rühmenswerther Eifer für unsere Religion und ihre Gebote hat es geschaffen, vielseitiges, gründliches Wissen auf dem Gebiete der talmudischen und der einschlägigen fremdsprachlichen Litteratur hat ihm den Boden geebnet, wissenschaftlicher Sinn und kritischer Geist heben es weit über das Niveau einer bloßen Kampf- und Tendenzschrift heraus und sichern ihm für die Dauer Werth und Bedeutung. Dazu kommt, daß dem Werke etwa 40 Responsen bedeutender Rabbiner der Gegenwart beigefügt sind, die auch als Quellensammlung für die hier behandelte wichtige Frage hohen Werth besitzen. Was den Verfasser, den angesehenen, gelehrten Rabbiner, zur Herausgabe dieses Buches veranlaßt hat, legt er in kurzen Zügen in der Einleitung desselben dar. Einem jüdischen Manne, der in Zivilehe mit einer nichtjüdischen Frau lebte, war ein dieser Ehe entsprossener. sechsjähriger Knabe gestorben. Et ' verlangte, es möchte der Knabe auf dem jüdischen Friedhofe kstattet werden, trotzdem nicht einmal die Beschneidung an ihm vorgenommen wurden war und seine Zugehörigkeit zum Judenthum einzig und allein auf der Thatsache Lasirte, daß er auf Wunsch des Vater-