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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1237 den Menschen blieb im Schoße der Erde zurück und wird — das ist unser messianischer Glaube — dem Schoße der Zukunft entsteigen und an der Sonne reifen, die a l l e Menschen mit ihrem Glücke und ihren Wonnen warm bescheint. Ob diese „Furchen", von denen R. Jdi berichtet sich in den Gefilden Galiläas (? kSk1*:! hin gedehnt? Für uns. Söhne Israel'? bleibt es sich gleich. Wir haben für jeden Zugvogel *eni., der von Galiläa oder Mekka aus das gekommene Reich ccr mesiianischen Weltliebe kündet, die Antwort' 'in:! Wir selbst sind die Zugvögel der Jahrtausende, und wir streben unserer Hochwarte zu. xmro t,k *ro p-svisp -vcv kjnx bv ttp Uns steht es traditionel! fest, durch unsere Seher und Sänger erschaut und hinausgesungen: Die ganze Erde muß es sein, die dem beschwingten Künder des einzichenden Weltfriedens zum Fuß und Haltevunkt dient: die Erde mit ihren Völkern und Ländern muß durch den Mund ihres lieblichen Herolds das messianische Lied anstimmen, dann ist der Gesalbte unseres Gottes gekommen. Noch warten wir auf die Stunde der Erfüllung. Noch sind Recht und Wahrheit nicht Gemeingut der Erdenbewohner, so daß der Himmel der Liebe sie überspannen könnte. Die Stunde kommt aber, da Israel, die einst so große, edle Nation allen Völkern der Erde den welterlösenden die Gotteseinheit kündenden Morgengruß bietet, da Er beginnt und spricht zu mir. mein Geliebter: Auf. meine Holde, meine Schöne, o komm! Denn siehe! Der Winter ist vorüber, der Regen ist verschwunden und dahin. Die Blumen zeigen sich auf dem Boden, die Zeit des Gesanges ist da, schon wird das Girren der D urtel gehört in unserem Lande (Hohel. 2. 12). Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Bruchsal. Dem sechzehnten Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden entnehmen wir: Es ist für die Vereinsleitung — und gewiß auch für alle Freunde unserer Bestrebung — sehr erfreulich, konstatiren zu können, daß auch im Jahre 1903 der Verein eine äußerst günstige Entwickelung aufzuweisen hat. Wir waren in der glücklichen Lage, alle berechtigten Anforderungen, die an uns gestellt wurden, zu befriedigen. Im Laufe des Jahres konnten 14 Kinder aus unserer Fürsorge entlassen und 16 neu ausgenommen werden, so daß der Stand unserer Pfleglinge 79 ist. Unter den entlassenen 14 Kindern befinden sich sieben Mädchen und sieben Knaben, Ein Mädchen nahm eine Dienststelle an. die anderen werden von ihren Müttern weiter versorgt. Drei Knaben widmen sich dem Kaufmannsstande, einer wird Lehrer, einer hat das Sattlerhandwerk erlernt, und einer mußte wegen unangemessenen Betragens in eine Zwangserzichnngsanstalt verbracht werden. Don den in unserer Fürsorge verbliebenen 79 Kindern sind vier in Pflege bei geeigneten Familien, vier Knaben erlernen Handwerke, hiervon je einer mit Unterstützung der „Vereine zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogthums Baden Mannheim, Karlsruhe und Freiburg", und die übrigen sind unter Gewährung von Erziehungsbeiträgen bei ihren Müttern bezw. Verwandten verblieben. Unser Vermögen hat im abgelaufenen Jahre abermals zugenommen; die Mitgliederbeiträge sind sich gleich geblieben, und wir wurden wieder mit größeren Schenkungen und Stiftungen reichlich bedacht. Amerika. Netv-Nork. (Zur Einwanderungsfrage.) Der im Gebäude der „Hebrew Charities" an der Ecke der 2. Avennue und 21. Straße tagende Nationalkonvent der israelitischen Wohlthätigkeits- Organisationen beriech eingehend die Einwanderungsfrage. Der erste Redner Simon Wolf von Washington, Präsident vom dortigen B'nai Berith, griff auf den kürzlich verlesenen Bericht über „Vorbeugendes Wirken" zurück und sagte, daß noch vor zehn Jahren unter den Israeliten hiervon nicht die Rede zu sein brauchte. Herr Wolf beklagte die jetzt in Europa wie auch in diesem Lande beginnende Bewegung gegen jüdische Einwanderung und erklärte, daß die Frage israelitischer Einwanderung nicht zu einem Spielball der amerikanischen Politik gemacht werden dürfe. Der Jude verlange hier, wie jeder andere amerikanische Bürger, daß in der nationalen Politik nur nationale Fragen in Erwägung gezogen würden. Religiöse Neberzeugungen Eingewanderter könnten in keiner Weise als Nationalaffairen gelten. Die Uebersiedlung von Juden aus den übervölkerten Distrikten New- Porks halte er ebensowenig für eine Frage jüdischer Politik, wie er die Einsendung von Leuten anderer Nationalitäten aus gleichermaßen überfüllten Centren für eine Sache halte, die nur die betreffende Nationalität anginge. Er sei der Ansicht, daß die sanitäre Wohlfahrt des ganzen Gemeinwesens in der Umsiedlungssrage ebensosehr interessirt sei. wie irgend ein Theil der Bevölkerung .solcher Centren im Besonder«. David M. Breßler, der Leiter des industriellen Umsiedlungsbureaus in New-Aork, erklärt, daß die Lösung des Problems, dem sein Bureau gegenüberstände, noch in so weiter Ferne sei, daß er bezüglich des endlichen Erfolges keine Versprechungen machen könne.

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