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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1238 für die Welt einkehrt-). Abaje fugt ergänzend hinzu: Dies aber nur, wenn Vogel •cm. auf etwas Festem sitzt und seinen Lockruf ertönen läßt. Ferner sagt Abaje: Es ist uns überlieferte Lehre, daß, wenn einmal dieser Vogel cm auf der Erde sttzt und lockt und ruft, unverweilt der Gesalbte (Messias) kommt, denn es steht ja geschrieben: „Ich winke sie herbei und sammele fie, denn Ich erlöse sie" (Secharj. 10,6). Da stellte R. Jdi, Sohn Simi's, an Mar bar R. Idi folgende Frage: Es ist doch vorgekommen, daß ein solcher Vogel sich zwischen den Furchen eines umgeackerten Feldes niedergelassen und seinen Lockruf pipi» ausgestoßen hat, und es kam ein Stein aus den Höhen") und zerschmetterte ihm den Kopf? Jo, antwortete der Gefragte, dieser Vogel war eben ein lügnerischer Wetterprophet gewesen. (Ehulin 62 und Jalkut zu Secharja 10,6.) Erklärung: Der Vogelfang, der den milden Regen, die Liebesgabe des gütigen Himmels, voraus ankündigt, wird von der dürren Flur und den sehnsuchtsvollen Menschen mit Freuden begrüßt, cm soll das liebe Vöglein heißen, und ccm soll es künden. Liebe, das Gnadengeschenk des allliebenden Vaters, Liebe, die Triebkraft der edelsten Pflanzen mit ihren herrlichen Blüthen und Früchten, Liebe, die Seele alles menschlichen Wohlthuns, welche die kalte Welt mit ihrem warmen Odem durchschaut, damit das Edle, Große und Schöne wachsen und gedeihen könne; die Liebe sendet der Welt ihren freundlichen Vorboten zum Gruße. Ein süßes Ahnen durchzieht jede Creaiur, welche die Botschaft vernimmt. Soll ja die gütige Regentin Liebe mit ihrem Rosenszepter die starre Satzung der Nothwendigkeiten mit ihrem eisernen Stabe ablösen. Das Harte, Strenge soll sich lösen in weiche Milde, und der liebebedürftige Menschenfreund steht bereit, die Welt mit ihren Gerechten und ihren Bösewichtern, mit ihren Glücklichen und ihren Elenden in die Arme schließen. Jst's ja die Priesterin der Versöhnung, welche ihr jubilirend' Vöglein vorausgesendet und diesem ihr Lied in den Mund gelegt. Doch da erhebt die Weisheit unserer Agada ihre warnende Stimme und spricht: Wohl kann es eine Versöhnung geben zwischen den Guten und Bösen, den Gerechten und Ungerechten, jedoch das Gute und Böse, das Recht und das Unrecht, sie können sich niemals miteinander aussöhnen. Darum können wir nur diejenige Liebe als wahrhaft beglückend begrüßen, welche auf dem Grunde des Rechts und der Wahrheit sicher ruht. Eine 2) Rachi erklärt D’Dm hier mit "po — Regen und sucht damit die Beziehung des auf rwbl bezüglichen Au»sp'ucheS (V. 6) zu V. 1. der mit ibd beginnt, herzustellen, cm wäre demnach ein Zugvogel, der zu Besinn der Negenz'it eintrint. und sein Rufen wäre als An« küntigung des Regens zu begrüßen. Ueber die Beziehung zwifchcn C'DiM C? und nv'rj psp vgl. Taanith 8b. 3) S. Nascht zu Thuliu 62. Liebe, die ohne festen Halt und Untergrund in der Luft schlvebt, ist jenen Blumen der Lüste, jeneu Schmetterlingen gleich, deren Farbenpracht in der Sonne schimmert, aber gar bald vergeht, "tcn ohne coro ist durch nichts gewährleistet, ist wie eine Despotenlaune, die leicht in s Gegentheil, in Hatz und Grausamkeit umschlogt. Darum, meint Abaje, sieh' erst nach, ob das Vöglein cm, das Dir ccm kündet, auch auf sicherem, festem Aste sitzt. Dann erst magst Du Dich seines piprv seines Lockrufes freuen. Der Gesellschaftskreis, das Volk, das Land, dessen Grenzen umstellt sind von den Wachen des Rechts, dessen ganzes Fühlen, Denken und Handeln entwickelt und gebildet ist auf der Grundlage von Recht und Wahrheit, kann der Liebe, wie sie Gott einsetzen will aus Erden, zum sicheren Heim dienen. Das ist der Standpunkt, der starke Ast, auf dem das Vöglein cm sein Lied singen kann, ohne dem Sturm der Lüfte und Launen preisgegeben zu sein. Ja, es kommt die Zeit, da die ganze Erde der Liebe ein solch' gesichertes Heim bieten wird. Es kommt die Zeit, da Gotteserkenntniß die Erde und ihre Bewohner erfüllt, da Recht und Wahrheit die Stützen der Throne und die Pfeiler der Paläste und Hütten sind, dann magst Du auf allen Thronen, in allen Palästen und Hütten die wahre Liebe, das wahre gottgesandte wem suchen und wirst es auch finden. Gewiß, diese Zeit kommt; das ist unser messianischer Glaube. Doch die Zeit ist noch nicht gekommen. Auch die jüngsten zwei Jahrtausende, welche so viele hohe, weithin klingende Worte vernommen, so manche edle, menschenfreundliche Thaten und so viele — Scheiterhaufen gesehen, sie haben die Bedingungen der allgemeinen Menschenliebe nicht erfüllt, und wenn Vogel cm diese Zeit als die Zeit der erfüllten Gottesverheißung mit mächtigem Lockruf angekundigt, so war dies eine Täuschung des verfrüht sein Lied anstimmenden Wetterpropheten. Stürme haben sich erhoben, Wolken haben das Firmament der Welt überzogen; auch an vernichtend niederfahrenden Blitzen hat es nicht gefehlt, doch der Regen, der milde, allgemein befruchtende Tropfen des Segens ist ausgeblieben. Es hat Zeiten gegeben, da die Menschen, der praktischen, gewerblichen Seite des Lebens abgewendet, sich in das Wesen Gottes zu vertiefen suchten. Da drang die Sektirerei mit scharfem Eisen ein in das Feld der Gottesforschung, der Glaube machte Gläubige und die Leugnung Leugner, und die Askese warf über Beide ihr fadenscheiniges Gewand; da wies das aufgewühlte Feld breite Furchen auf, und Vogel cm fand sich zwischen den Furchen (*ro ’re) ein und verkündete das Reich der — evrn. Allein zwischen diesen Furchen gingen wohl nach Gottes ewigen Plan manche Saatkörner der Kultur und der fortschreitenden Erleuchtung auf für die in götzendienerische Finsterniß Wandelnden, jedoch die Saat des allgemeinen Friedens und der Versöhnung unter

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