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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1228 Resormrabbiner — oder wie man jetzt zü sagen Pflegt „liberalen Rabbiner" — und in jene der strenggläubigen oder gesetzestreuen gliedert. Die jüdischen Lehrer wiederum'schlossen sich zu Provinzialvereinen zusammen, ebenfalls ohne Unterschied der religiösen Anschauung, für die auch innerhalb der Vereine keine Scheidung besteht. Dasselbe trifft für den „Verband der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche" zu. Fragen wir nun: „Wozu haben sich diese Vereine und Verbände konstituirt?" so lautet die Antwort: in erster Linie zur Hebung ihrer materiellen Lage und zur Regelung ganz allgemeiner Standesangelegenheiten, die den religiösen Standpunkt nicht tangiren. Besonders war es die traurige materielle Lage der jüd. Lehrer, welche diese zu Vereinen zusammenschlvß, zwecks Linderung des größten Elends im Erkrankungs-, Jnvaliditäts- oder Todesfälle. Man denke sich einen Familienvater auf einer Stelle mit 700 bis 1000 Mk. Einkommen und ohne Reliktenversorgung! Das sind in der That tieftraurige Verhältnisse, die jeden denkenden Menschen, jedes fühlende Herz bewegen müssen. Erst in den letzten Wochen hatte der Berliner „Vorwärts" in Bezug hierauf von „jüdischem Lehrerproletariat" gesprochen. Dazu nehme man alle die Unbill, welche der ohnehin dornenvolle Beruf eines jüdischen Lebrers mit sich bringt: Willkür seitens der Gemeindeverwaltungen und der Mitglieder, Stellenkllndigung. Gehaltserniedrigung, unwürdige Dienstansprüche. offene Feindschaft und Bosheit, unverdiente Zurücksetzung, ehrenrührige Kränkungen aller Art. und obendrein eine Rechtsunsicherheit, die einer Rechtslosigkeit nahe kommt. Jst's ein Wunder, daß die Lehrer sich die Hände reichten zum Bruderbund? Kein anderer vermag so mitzufühlen, mitzuempfinden, wie der in gleichen Verhältnissen stehende, kein zweiter so Schmerz und Leid zu theilen, wie der nach Bildung und Amt ebenbürtige Kollege. Das Solidaritätsgefühl ist ein gar mächtiger Faktor, die Interessengemeinschaft ein starkes Band; beides zusammen bildet die Seele einer jeden Partei oder Vereinigung. (Schluß folgt.) ZeitungsNachrtHten und Correfyovden, n. Deutschland. Mannheim, 17. Juli. In unserer Denkschrift über die religiösen Verhältnisse in Baden, die in Nr. 64 des „Israelit" veröffentlicht war, erwähnten wir. daß ein Rabbiner einen Schächter seines Amtes entheben wollte, weil er während seiner Militärzeit, ohne daß ein Zwang vorlag, die Speisegesetze übertreten hatte, worauf die Oberbehörde verfügte, daß entgegen dem Gutachten des Rabbiners, der Schächter ln seinem Amte zu belassen sei. Diese Angabe bezeichnet nun der Gr. Oberrath in einer in Nr. 55 des „Israelit" abgedruckten Zuschrift als „unwahr". Das Dementi des Gr. Oberraihs muß in seiner Allgemeinheit den Anschein erwecken, als ob der ganze von uns berichtete Vorgang nicht stattgefunden hätte, also von uns erdichtet worden sei. Demgegenüber konstatiren wir, daß die Richtigkeit unserer Angaben jederzeit urkundlich und zeugeneidlich bewiesen werden kann. Das Dementi kann sich demnach nur auf die Bemerkung beziehen, „ohne daß ein Zwang vorlag". Dieser Punkt, ob ein Zwang im religionsgesetzlichen Sinne vorlag. war es nämlich, um welchen sich hauptsächlich die Meinungsverschiedenheit zwischen dem zuständigen Rabbiner und der Religionskonferenz des Oberraths drehte. Wer in jenem Falle vom theologisch-wissenschaftlichen Standpunkte aus Recht hatte, das zu entscheiden, ist nicht unsere Sache; wir batten den Fall blos angeführt, * um die Nnhaltbarkeit des Zustandes zu beweisen, daß ein nach bestem Wissen und Gewissen abgegebenes Gutachten eines gesetzestreuen Rabbiners durch die Entscheidung einer, auf einem ganz anderen Standpunkte stehenden Oberbehörde umgestoßen werden kann. Dieser Beweis wird aber durch das Dementi des Oberraths in keiner Weise berührt. Wir bedauern es, daß der Gr. Oberrath seinem Dementi eine Form zu geben beliebte, zu welcher unsere streng sachlichen Ausführungen keinerlei Anlaß boten, die aber geeignet erscheint, die Hoffnung auf eine, von allem Parteihaß freie, gerechte und vorurtheilslofe Würdigung unserer Wünsche und Beschwerden, stark zu erschüttern. Der Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judenthums in Baden. A. Ettlinger. 1. Vorsitzender, Dr. Latte, Schriftführer. Fürth (Bayern.) An der israelitischen Realschule wurde der Schluß des Schuljahres wie alljährlich durch einen festlichen Akt begangen, bei welchem Deklamationen in deutscher, französischer und englischer Sprache mit Liedervorträgen des Sängerchors abwechselren. Vor dem Schlußlirde hielt Direktor Dr. F e i lchenfeld eine Ansprache an die Schüler und wies zunächst auf einige wichtige Vorgänge des verflossenen Schuljahres hin. Namentlich gedachte er der hohen Verdienste des in diesem Jahre verstorbenen ehemalige« Direktors Dr. Dessau und forderte besonders die Abiturienten auf. den idealen Prinzipien, die der Heimgegangene einst seine Schüler würdigen gelehrt, in ihrer ferneren Laufbahn stets treu zu bleiben. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Jakob Cr am er, widmete auch seinerseits dem Andenken des verewigt«

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