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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. Me Aeikage za 58 des „Ismekt^. Jiftifde M« — M SSVtM? von A. Maurrheiwer—Dettelbach. Die Fortbildungsfraae innerhalb des israelitischen Lehrerverbands hat in den jüngsten Wochen eine Wendung genommen, die zu einer offenen Aussprache in der leidigen Angelegenheit drangt. Je offener und freier die Sache zum Austraze kommt, desto bester, desto zweckdienlicher für alle, die naturgemäß daran ein Interesse haben. Und das ssnd nicht nur die israelitischen Lehrer Alldeutschlands, es ist auch der Rabbinerstand, es sind die jüdischen Gemeinden und deren Vertreter, welche dem Prinzip der Sache direkt oder indirekt ein Interesse entgegenbringen. Und ein Prinzip ist's, um das hier der Kampf entbrannt, ein Prinzip ist's, das mit seinen Wurzeln und Früchten erkannt, in feinen Ursachen und Wirkungen gewürdigt werden will. Wo aber Grundsätze verfochten werden, da ist bei aller Mäßigung in der Form Klarheit in der Sache von Nöthen, damit kein Zweifel obwalte an dem Standpunkte, den man vertreten möchte. Jede ehrliche Meinung soll nicht nur gehört werden, sie muß gehört werden. DaS ist zunächst eine Forderung des Rechtes und der Billigkeit, ein Zugeständnitz. welches der gesunde Menschenverstand machen muß und um das man nicht erst im Gnadenwege zu vetitioniren braucht. Ich ergreife umsomehr hier das Wort, als gerade ich es war. der im Vorjahre den Gegenstand erstmals aufgriff und behandelte. Es war vorauszusehen, daß die Angelegenheit noch des längeren die Geister erregen würde pro oder contra. Daß eine derartige Polemik sich herausbildete, wie sie die jüngsten Kundgebungen beiderseits zeitigten, dafür sind jene verantwortlich zu machen, welche auf wohlmeinende Rathschläge nicht hören mögen und taktische Fehler in unbegreiflicher Art zu früheren häufen. So sieht man sich denn am Ende einer lang gebrauchten Geduld und stellt die Kardinalfrage: Taktische Fehler — oder Symptome? Wir möchten die Frage ziemlich gründlich erörtern und wieder hoUn. daß zu ihrem vollen Derfiändniß die Würdigung verschiedener Momente gehört, die mitbestimmend in sie eingreifen. Was nützt eS. über einen Gegenstand zu debattiren. wenn die tiefer liegenden Ursachen nicht aufgedeckt, die Motive nicht klar enthüllt werden? Und diesen Fehler möchte ich durchaus vermeiden! Es soll gezeigt werden, wie man sich' bisher verschied««« Erscheinungen gegenüber gleichgiltig verschloß, nicht achtend der in spateren Jahren daraus resultirenden Folgen. Es soll dargethan werden, daß logischerweise die Dinge den Entwicklungslauf nehmen mußten, den sie tatsächlich genommen. Es sollen die jetzt nach verschiedener Richtung lehrreichen polemischen Erörterungen, welche sich an das Fortbildungsprogramm des Lehrer-Verbands ge- - knüpft, in ihrem Zusammenhang, in ihrer Totalität betrachtet werden. Der Volleindruck wirkt kräftiger und nachhaltiger, als der Theil eines Bildes, ganz abgesehen von größerer Treue der Wahrnehmung. Wir müssen so etwas weiter ausholen und auch manches berühren, was dem Eingeweihten längst bekannt. für viele jedoch, die etwa nicht auf dem Laufenden sein sollten, besonders hervorgehoben werden muß. Wir sind dabei uns wohl bewußt, manchem rechts oder links vielleicht etwas auf den Fuß zu treten, dem Freunde wie dem Gegner nicht zu gefallen. Nichtsdestoweniger wollen wir hier unsere Meinung frei äußern, frei von jedem Byzantinismus, frei von jeder Liebedienerei nach oben und unten, nach links und rechts. Die Stimme des Gewissens sei uns einzig und allein Führer, und den Freund soll man lieben, der uns den Spiegel zeigt, und den Gegner achten, der mit ehrlichen Waffen kämpft. -- Schon länge war es meine Ansicht, — und die Erfahrung hat inzwischen mir recht gegeben — daß in der ganzen Angelegenheit, um die es sich hier handelt, auch andere Faktoren mitsprechen, vor allem das Verhältniß des Rabbinerstandes zum Lehrerstand. Und warum auch nicht? Hier wie dort sehen wir die gleichen Fragen austreten, hier wie dort die gleichen Verhältnisse behandeln. Der Lehrcrstand wie der Rabbinerstand stehen im Dienste unserer heiligen Religion, haben für deren Erhaltung und Verbreitung zu sorgen. Gerade bei uns Juden, die wir im christlichen Staate eine „anerkannte Religionsgemeinschaftbilden, gerade für uns spricht sich der Grundsatz umso deutlicher aus: der Lehrstand der jüdischen Religion besteht aus den Rabbinern wie den Lehrern. Damit ist sogleich gesagt, daß ein gegensätzliches Derhältniß zwischen Rabbiner- und Lehrerstand, wie es bei den Geistlichen und Lehrern anderseits Thatsache geworden ist. gar nicht aufkommen sollte. Daß ' dem nicht so ist und warum, davon später. — Zweitens bestehen hinsichtlich der religiösen Ueberzeugung innerhalb des Lehrerstandes dieselben Unterschiede und Gegensätze, wie es beim Rabbinerstande der Fall. Alle Schattirungen sind vertreten, von der Orthodoxie strengster Observanz bis zur freiesten Religionsanschauung und Lebensfiihrung. Drittens haben beide Stände sich organisirt. Die Rabbiner Deutschlands einigten sich zu einem großen Verbände, der sich seinerseits wieder in die Gruppe der -

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