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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1224 meine ergebene Anfrage an Großherz. Oberrath der Israeliten zu Kalsruhe. U. A. w. g. Ein ehemaliger Religionslehrer im badischen Lande. Amerika. Nctv-Aork, 18. Juli. Aus Anlaß des Streiks im Fleischtrust sind in Chicago Ruhestörungen vorgekommen. bei denen sieben Personen verletzt wurden. Zwanzig -Arbeiterführer hielten eine geheime Versammlung ab, in der die Ausdehnung des Streiks beschlossen wurde, falls die Arbeitgeber nicht binnen 24 Stunden nachgeben. Die hiesigen Schlächter koscheren Fleisches verabredeten die Schließung ihrer 600 Läden, bis normale Preise wiederkehren. Feuilleton. Dine vereitelte Mochzeit. von A. x^atznev. uo Nachdenklich hatte der Jüngling diese Auseinandersetzung angehört und erst nach einigen Sekunden ernsten Sinnens, ergriff er das Wort: «Ist es nicht merkwürdig, daß Christen und Juden schon so viele Jahrhunderte neben einander leben, ohne sich gegenseitig zu kennen? Wir Christen sehen von Euch Juden nur die langen Röcke und Bärte, auch die Gluth der Augen und die Form der Nase, aber von dem Geist und der Gesinnung, von dem wie die Herzen unter diesen Röcken schlagen, haben wir keine Ahnung! Ihr geht hier herum, Herr Pappenheim, als einer der niedrigsten Arbeiter auf dem Schlosse und seid uns doch so thurmhoch an Wissen und Charakter überlegen; ist das nicht merkwürdig? Darüber müssen wir doch einmal eingehender sprechen, als es jetzt möglich ist." «Wer sich darüber wundert, kann auf noch viel Wunderbares stoßen und braucht gar nicht so weit zu gehen," erwiderte Pappenheim. «Warum sollen denn die Christen unbefangen über Juden urtheilen. wenn sie es bei ihren nächsten Glaubensgenossen nicht einmal fertig bekommen? Wie verkennen sich doch Katholiken und Evangelische gegenseitig so gründlich? Wie sprechen sie-sich gegenseitig jeden Vorzug ab und dichtet einer dem anderen alle Thorheit und Verkehrtheit an? Und es sind doch keine langen Röcke und großen Bärte, keine Schmachtlocken und keine Nasenformen gegenseitig da. an welchen der Blick haften bleiben müsse, ohne das Innere erreichen zu können! Um das bischen Duldung zu Wege zu bringen, das heute mit knapper Noth zwischen beiden Kirchen aufrecht erhalten wird. war ein dreißigjähriger Krieg nothwendig? Der hat uns Juden glücklicherweise gefehlt, deßhalb hat man nur ein Auge für unsere Locken und Bärte, unsere Fehler und Schwächen, und ist blind für den guten Kern in uns. Und wenn uns diese Blindheit verblendet nennt, so thut sie uns im Grunde genommen nicht mehr, als was die Katholiken den Protestanten und die Protestanten den Katholiken ihun.- «Aber wir sind gewiß schon zwei Stunden hier." fügte dann Pappenheim bei, «ich muß zu meiner Arbeit, sonst kann ich die versäumte Zeit nicht einbringen und der Aufseher merkt, daß ich die Arbeit unterbreche." „Ich werde mix überlegen," bemerkte der junge Graf. ..wie ich Euch, ohne daß es auffällig ist, einen anderen Posten anweise, der uns mehr zusammenführt und uns gestattet, länger mit einander zu sprechen. Könnt Ihr lesen und schreiben?" Als dies Pappenheim bejahte, meinte Ignatius: „Dann wird's nicht schwer fallen. Euch mir mehr anzuschlietzen. Ich werde Euch benachrichtigen lassen und zwar durch den Arendar, wann und wo wir uns morgen sprechen. Lebt wohl! Mein Plan ist schon gemacht, also auf Wiedersehen!" . X. Graf Ignatius Esterhazy begab sich von den Weinbergen in's Schloß und suchte das Arbeitszimmer seines Vaters aus. Dieser war gerade in einer Verhandlung mit dem Oberförster wegen Anlegung von Wegen in einem der gräflichen Wälder begriffen. Der Wald war so dicht mit Bäumen bewachsen, daß er wie eine Art Urwald geradezu unzugänglich war. Wenn für den Holzverkauf Stämme gefällt werden sollten, so mußten sie daher immer von denjenigen am Waldrande genommen werden, was nach verschiedenen Seiten hin von Nachtheil war. Denn es waren bei weitem nicht die schönsten Bäume, die sich am Saume des Waldes befanden. Durch ihre Entfernung wurde der Wald um so viel kleiner, als Bäume fielen, während im Innern, wo die stämmigsten Waldbäume anzutreffen waren, ihre Entfernung für die zurückgebliebenen Bäume eine Wohlthat gewesen wäre. Deßhalb trug sich der. Graf schon lange mit dem Gedanken, den Wald durch Anlegung von Fuhrwegen zugänglicher zu machen. Der Oberförster erklärte, das Fällen der Bäume und die Anlegung von Waldwegen als etwas leichtes; jedoch muffe durch einen Feldmesser — Geometer — die Richtung genau gemessen und abgesteckt werden, damit dann die Holzfäller die Stämme niederlegen und . die Erdarbeiter den Boden planiren könnten. Ein Geometer war nicht auf dem Schlosse, den mußte man von der Stadt oder vom Klostergute kommen lassen.

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