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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sein wird, badische Kandidaten im Laufe dfs. Js. im Religionsschuldienste 311 verwenden. Alle meine persönlichen Vorstellungen ob dieser Harte Großh. Oberraths blieben fruchtlos; bis zum 1. August 1904 muß mein Posten verlassen sein, lautete stets das stolze Machtwort. — Das Räthselhafte hierbei ist. daß man in derselben Zeit, in welcher man mir wie einem Verbrecher den Laufpaß gibt, wegen Mangel an Religionslehrern Ausländer ohne jegliche Seminarbildung anstellt und dann noch im Verordnungsblatte bekannt gibt. Lehrer N. N. wurde ..auf Ansuchen" aus dem Dienste der Landessnnagoge entlassen. Entweder scheint es Großh. Oberrath mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, oder schämte sich im Zeitalter des kulturellen Fortschritts und der vieloevrieienen Humanität. — Wie häßlich dieses gewaltsame Vorgehen, dazu noch gegen einen Familienvater, wirken muß. das wird jeder Kollege Mitempfinden und muß diese Handlung Großh. Oberraths um so schwerer in den Augen derer erscheinen, die die Pensionsverhältnisse des Religionslehrers in Baden kennen. Wahrlich, ein Kgl. Regierungspräsident irgend eines deutschen Bundesstaates hätte gerechter, humaner und besonnener in diesem Falle gehandelt, wie der Großh. Oberrath d. Zsr. zu Karlsruhe, dessen Machtbesugniß sich leider weiter erstreckt, wie die eines Regierungspräsidenten; zum allerwenigsten hätte sich rin Regierungspräsident oder Kultusminister irgend eines deutschen Bundes- / . f / - SalöMöN 9 Akt Heil. — Gemälde von <Ld. Itkinlt im Urömmgss:ml (Uömer) in Hwnkknrt a. W. Berlagkjvo» H«t«r 1 ch fteilet, ^cantfuri «. «. Großh. Oberrath in Rücksicht auf seine Würde, die volle Wahrheit zu bekennen. — Die Würde eines Religionslehrers hat Großh. Oberrath gewiß nicht die Absicht gehabt zu schonen — oder ist „auf Ansuchen" ausznfassen, als hätten Gemeindemitglieder das Ansuchen gestellt, den Lehrer R. R. zu entlassen. Es ist aber traurige Thatsache, wenn ich als letzte Ursache feststelle, daß ich dem wüthenden Hasse einiger ungebildeter Gemeindemitglieder zum Opfer gefallen bin. Nicht diese Letzteren klage ich hiermit an. weil ich dieselben in Folge ihrer Unfähigkeit nicht zur Veranwortung ziehen kann, aber um so schwerer trifft diese Anklage den „fortschrittlichen" Großh. Oberrath staatcs nicht zum Rachewerkzeug niederer Elemente mißbrauchen lassen. Ich glaube, einem Rabbiner würde Großherz. Oberrath nicht in diesem Falle gekündigt haben, wie einem nicht beneidenswerthen Religionslehrer. wenn derselbe auch aus Schlesien oder gar aus Ungarn stammt. Aber gegen einen Religionslehrer, selbst wenn er auch aus einem ganz nahen Nachbarstaat« ist. ist mehr erlaubt, denn Religionslehrcr sind Beamte letzter Klasse, minderwerthige Elemente — welchen Ausdrucks Großh. Oberrath sich selbst schon bediente — dessen Empfindungen und Gefühle nickt so tief ausgeprägt sind, wie die eines akademisch gebildeten Rabbiners. Was war mein Verbrechen, daß man so rücksichtslos gegen mich vorging? DaS ist

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