Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1904)
- Date
- 1904-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1221 die geistige war ungebrochen bis zu seinem Ende. Er war wie kein anderer th'ätig auf allen Gebieten Mischen Wohlthuns und Wissens. Mit höchster Verehrung hatte er an seinem Lehrer, Herrn Dr. Lehmann s. A. gehangen, die, unterstützt von einem geradezu phänomenalen Gedächtniß es fertig brachte, daß der Verblichene fast sammtliche Reden und Predigten seines Meisters bis zu seinem Lebensende ständig in sich trug und durch stete Wiederholung die Erinnerung an sie wieder auffrischte. Nie hatte er da gefehlt, wo die Gelegenheit sich bot, Gottes Wort zu hören und aufzunehmen. Bis schweres Siechthum ihn verhinderte, war er der Erste in der Synagoge früh und spat, war er der eifrigste Besucher religiöser Vorträge. Aber noch auf einem anderen Gebiete war es, wo der Verstorbene seine so überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltete, auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit. Sein Eifer, Armen und Schwachen zu helfen, führte ihn in die erste Reihe da, wo es galt. Dürftige zu unterstützen. Kranken Hilfe-angedeihen zu lassen. Lange Jahre war er daher Vorsitzender des dritten israel. Krankenvereins, der sog. Bretzenheimer Kippoh, lange war er Mitglied der Chewrah-Kadischa. der Bruderschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht, denen ihre Sorge zu widmen, die mit keinem Danke erwidern können. Nicht wankte und wich er von dem Bette der Kranken, von dem Lager der Sterbenden, nicht müde ward er, sich für sie selbst aufzuopfern. Erwähnen will ich noch, daß Heinrich Hertz bis in seine letzten Tage von der Gründung des .Israelit" ab Leser desselben war, und vermöge seiner außerordentlichen Gedächnißkraft den Inhalt aller Jahrgänge genau anzugeben im Stande war. Ein sprechender Beweis für die Beliebtheit des Dahingeschiedenen bot sich in der lebhaften Betheiligung an seiner Lewajoh. Trotz der glühenden Sonnenhitze, die sengend herniederbrannte, hatten es seine zahlreichen Freunde nicht versäumt, sich zum Theil aus weiter Ferne einzufinden, um dem theurcn Tobten in imposantem Zuge das letzte Geleite zu geben. Herr Rabbiner Dr. B o n d i betonte in seiner Trauerrede, die er an den Vers 'pft« m riv-.nr nm» D’pn* jotb anschloß, daß gerade in diesen Tagen der Trauer um den Fall des heiligen Tempels der Tod eines Gerechten uns doppelt schwer träfe. Er schilderte in lebendigen, zu Herzen gehenden Worten, die die Zuhörer zu Thränen hinrissen, die hervorragenden Tugenden unseres theuren Lotten, seine Frömmigkeit und seine Gottergebenheit, seinen Eifer und sein Schaffen und Wirken für gute Werke. Dem tobten Freund rief ferner noch Herr Dr. Ferd. Phil. Mayer im Namen des Krankenvereins seine letzten Grüße nach, während Herr Oskar Lehmann, als Vertreter der Chewrah, des Verstorbenen treue Pflichterfüllung als Mitglied der heil. Bruderschaft rühmte, worin er für immer allen denen. die ihn bei seinem Thun beobachten konnten, zum Vorbild diem» wird. Mögen die trauernden Söhne und Tochter des Dahingeschiedenen, der erst vor zwei Jahren in voller geistiger Frische seinen 70. Geburtstag feiern konnte, einen Trost für ihr herbes Leid in dem Gedanken finden, daß ihre Gefiihle getheilt werden von Vielen» und daß ein Mann wie Heinrich Hertz ein dauerndes Andenken hinieden und ein ewiges Leben in jener Welt sich erworben hat. .rsftn I. L. Berlin. Die „Allgemeine Hebräische Enzyklopädie" schreitet in ihren Vorarbeiten, mit denen im November v. I. begonnen wurde, rüstig vor. In den Redaktionsabtheilungeu zu Warschau und Berl i n wird neben anderem vorzüglich an der Herstellung eines erschöpfenden Stichwörter-Registers gearbeitet, was natürlich große Sorgfalt erfordert. Alle Zweige der Wissenschaften mit besonderer Berücksichtigung alles dessen, was Juden und Judenthum betrifft, werden in den Kreis der aufzunehmenden Artikel einbezogen. Diese Arbeit geht nunmehr ihrer baldigen Vollendung entgegen. Die .Allgemeine Hebräische Enzyklopädie" soll ihrer Anlage und ihrem Hauptzwecke nach nicht bloß ein Nachschlagewerk bilden, sondern belehrend sein. Dementsprechend werden auch die meisten Gegenstände nach einer neuen Methode zusammenhängend und umfassend behandelt, ohne daß dadurch der Uebersichtlichkeit Abbruch geschähe. Eine große Anzahl von hervorragenden Fachgelehrten in allen Kulturländern hat in dankrnswerther Weise ihre Mitarbeiterschaft zugesagt. Für den sprachlichen Theil ist eine Kommission von Orientalen eingesetzt, die den Redaktionen mit ihrem fachmännischen Rath beisteht. In kurzer Zeit dürfte ein umfangreiches Probeheft erscheinen, das einige größere und kleinere Artikel nebst einer Auswahl aus dem ’ reichhaltigen Jllustrationsmaterial enthalten wird. Auch über Plan und Umfang dieses großen Werkes wird da ausführlich berichtet werden. Breslau. Dem Verwaltungsbericht des Verbandsausschusses des Bezirks - Gemeindeverbandes Breslau - Liegnitz, für das siebente Geschäftsjahr 1903/04 entnehmen wir: In erfreulicher Weise haben wir zu berichten, daß unsere unablässigen Bemühungen, die Vorstande insbesondere der größeren Verbandsgemeinden zur Gewinnung von Einzelmitgliedern zu veranlassen, von Erfolg gekrönt gewesen sind: es traten dem Verbände im vergangenen Jahre 30 neue Einzebmitglieder bei. Die Zahl der Einzelmitglieder beläuft sich nunmehr insgesammt auf 291 Mitglieder mit einem Gesammtbeitrag von 1888 Mk. Die Zahl unserer Verbandsg^meindrn betragt nunmehr 40, mit einem Jahresbeiträge von 2330 Mt.