Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1904)
- Date
- 1904-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Merkzeichen aller modernen Tröstungsversuche, die darum mit einem früher oder spater sich zeigenden Mißerfolge enden muffen. Wenn das Prophetenwort die Zeit schildert, in welcher Israels Wunde geheilt. Israels Weh seinen Trost gefunden hat, dann meint es uv -.2-722 u-np frp rrm Heen nyis -a bx wx vn bi 7,21x2 iv 'n yn 'n *Ti22 nsp2*> c'crcTi •vp'zh 2ippa. „Wenn die Stimme Gottes ertönt und ihren Weg durch die Wüste nimmt, dann muß sich Thal erheben, Berg und Hügel senken, Krumme grad werden, dann wird sich Gottes Herrlichkeit offenbaren." Also sprach Jesaijas. Wenn Gottes Wort das Absolute, Feststehende ist. dann ist's nicht wandelbar nach Ort und Zeit, und nicht, wie die Wortführer der Reform es verlangten — darf sich das Gotteswort den jeweiligen Verhältniffen anschmiegen, sondern im Gegentheil, es ist der einzige Maßstab für die Richtigkeit und den Bestand aller menschlichen Zustände. Und wo stolz eine. Größe aus anderer Basis ihre Triumphe feiert, als aus der des sittlichen Menschenadels, da muß gestürzt sein diese Größe und es muß der Starke Demuth. und der Arme Kraft, die Hütte Zufriedenheit und der Palast Gottesunterstellung kennen, bis daß gekommen der Tag des Trostes für Israel. Seine irregeleiteten Söhne aber meinten klüger zu handeln, wenn sie nicht die Zeit vor den Richterstuhl der Thora, sondern die Thora vor das Tribunal der Zeit stellten und ihr Heiligstes verschacherten um wenigstens das, was man die Gleichberechtigung nannte, zu erkaufen. O, sie hatten sich verrechnet, gründlich verrechnet, Juden, echte wahre gottvertrauende Juden sind wir nicht mehr, haben es längst verlernt und ein mitleidiges Lächeln für die großen und kleinen Gassenbuben zu' haben und im eigenen Kreis tausendfachen Ersatz für das zu finden. was uns die Außenwelt versagt-das haben wir verlernt, die alten Juden sind nicht mehr, aber der alte Juden h a ß ist derselbe geblieben. Selbst der getaufte Jude bleibt „getaufter Jude" und nicht getaufter Ebrist. Die Charakterlosigkeit hat uns nichts genützt, wir haben den Himmel des Judenthums aufgegeben, aber seine Hölle sind wir nicht losgeworden. Unsere Gleichberechtigung steht wohl auf dem Papier, aber um so spitzer trifft uns die Brutalität und Gewalt und Hinterlist, die nichts nach papiernen Abmachungen fragt, sondern den Juden auch heute noch in gleicher Weise verfolgt, als zur Zeit, da er im Ghetto lebte. Und würde es immer klarer in den Augen der Masse --das kann unser Trost nicht sein, all unsere Eigenart aufgeben, um einen Fußtritt der Völker zu erbetteln, das ist der Balsam mit Nichten für Israels Wunde. Aber anstatt jetzt einzusehen, es müsse die Heilung von innen heraus geschehen, es müsse vor allem unser Judenthum rein und ganz und gesund dastehen. damit dann auch von selbst die Judenheit gesunde, zog man falsche Schlüsse, man ignonrte das Judenthum und sprach nur von der Judenheit. man wollte das, was die Fremden so hartnäckig verweigerten, sich selbst schaffen, ein Volk gleich dev anderen Völkern, dessen Lebensart keine andere sei, als die anderer Rationen. Und wir waren doch schon einmal ein Volk, machtstolz gleich den anderen Völkern, hatten Heere, vor denen Roms Legionen scheuten, hatten Land und Boden, der strotzte vor Fülle, aber wir verließen Gott, und da verließ Gott auch uns und unser Ruin war be- . schlossen an jenem Tage, da auch Tempel und Thora nur als untergeordnete Mittel und Hebel zur Erlangung politischer Größe mißbraucht wurden. Israel fehlte der Muth und die Ents "iedenheit, sich Gott und nur Gott als einzigen Schirm und Schutz zu erklären, es schielte hinüber nach den Wehren, die andere Völker sich aus materieller Größe erbaut-und da wurde Israels Staat zu Trümmer. Und heute, nach 2000-jähriger Lehrzeit wollten wir alles alles vergessen haben und es leugnen, daß wir w' xfn rnp-» vb -mm 2W 'bv v'2'212 'a r«o bv2 'n rv'N d*ik 'zb wie Thau von Gott, wie Regenschauer auf's Kraut, welches nicht hofft auf einen Mann und nicht seine Zuversicht setzt in Menschen. Und das sollte in Wahrheit unser Trost sein, unsere Führer brauchten nicht nach Gott zu ftagen, unsere Priester dürften Pfaffen sein, unsere Leiter dürsten das als Altweibermärchen verspotten, wofür unsere Ahnen in den Tod gegangen — — aber wir lebten im eigenen Lande, ohne Fußtritt von nichtjüdischer Seite und dann wären wir getröstet? Nicht wenn wir „ein Volk" sind, sondern wenn ihr mein Volk seid, sprach Gott, ns ’cru «w. -0- Frankfurt a. M. Zettrrngsrrachrrchten und Corresyorrderrzev. Deutschland. Mainz, 19. Juli. Schmerzerfüllt' geben wir unseren Lesern Kunde von dem Hinscheiden eines edlen Mannes, eines wahrhaften Jehudi: Herr Heinrich Hertz weilt nicht mehr unter den Lebenden. Was sich an diesen Namen von Achtung, Ehrfurcht und Liebe knüpft, brauchen wir denen nicht zu sagen, die das Glück hatten, ihn zu kennen, mit ihm zu verkehren. Nicht nur in dem engen Kreise unserer Stadt, nein überall, wo seine zahlreichen Freunde, seine Verwandten in der Welt zerstreut leben, überall dort ertönt der Klageruf: Heinrich Hertz ist nicht mehr! Nicht unerwartet leider kam uns sein Hinscheiden. In langen, körperlichen Qualen verzehrte, sich feine irdische Kraft,