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Der Israelit · 1904-07-21 · Heft 58 (21.7.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 58 (21.7.1904)
Date
1904-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 58. An GenLrat-Hrgan für das orlhodore Iudenlyum Begründet vo» W». in OaittJ. S«KM Dsnnerstag, den S. Aw S««4. TI. Juli 1904. abonntrt man bei allen Postanstalten für die Monate ürajjtasfc £3 SsjjtemaTsor auf den „IfirGslit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnsitzes deS Bestellers oder bei dem betreffenden LandbriestrLger aufaegeben werden. Die Briefträger sind berechtigt den LLomie.uents-Betrag in den ersten W Tagen deS Monats gegen Qusttung in Empfang zu nehmen. Lusland entsprechend höher. Auf Wunsch Ermäßigung auf den Abonnementspreis. Die Erpedition des «Israelit." Zsraels Trust—rnist Mcls mlti Tröster. Nur Tobte, sagen unsere Weisen s. A., werden vergessen, nur Begrabene werden im Laufe der Zeit nicht mehr beweint. Wer aber beweint wird, wessen Leid noch Seufzer erregt, der lebt noch, und wenn die Thräne des neunten Aw in Israels Auge glänzt, wenn die Klage über Zions Fall auf seinen Lippen schwebt, so liegt in dieser Thräne, in dieser Klage die Garantie dafür, daß die Thronen einst trocknen, die Klagen einst verstummen werden. Wenn Israel aufrichtig trauert, dann wird es erlöst. simcvz ram nan o’tev* bv Srxncn bz Wehe uns, wenn wir keinen Trost hätten, wehe uns, wenn dem Tischo beab kein Schabot Nachmu folgte, aber doppelt und dreifach wehe uns, wenn unser Trost ein falscher ist, weil unsere Trauer nicht die wahre. Und das ist der Fluch in unserer Zeit im jüdischen Kreis. O die Zähren fließen überall und frei athmet keine jüdische Brust, aber nicht, weil seine Söhne keine Offiziere werden konnten, nicht weil seine Geschäfte von nichtjüdischen Concurrenten auf gehässige Weise befehdet wurden, überhaupt nicht äußerer Unbill wegen klagten und weinten Israels Propheten. Sie sprachen ihr Wehe über die sündigende Nation, über das Volk, schwer mit Sünde beladen; über die Fürsten, die zu Abtrünnigen geworden, über die der Bestechung und dem Geld nachjagende Gesammtheit; über die Priester, die nicht nach Gott fragen, über die Baalspfafsen, die sich als Propheten gerieten, über die Führer, die das Volk von Gott und seinem Gesetze abwendig machten. (Jesaijas 40, Jeremias 2.) Darum stieg ihr Seufzer zum Himmel empor. Die wahren, echten, jüdischen Weisen sahen es als einen Gnadenakt Gottes an, daß Israel zwei Jahre vor der verheißenen Zeit auS seinem Lande getrieben wurde, damit die Verderbniß dort nicht zum vollen Maße erwachse, '.rvp rwt npnx wer c’Jt? w r^'zib (Vergl. Raschi V 4. 24.) Wenn daher das hauptsächlichste, beweinenswertheste Unglück, das uns getroffen, nicht die Dolchstöße der Gewalt, nicht die Nadelstiche des Spotts sind, wenn Israels Propheten schon damals klagten, als es im eigenen Lande frei und geachtet lebte, wenn Jesaijas schon anderthalb Jahrhunderte vor dem Untergang des jüdischen Staates und der Einäscherung der heiligen Stätte auf der Morijahöhe, diese Katastrophe als das unvermeidliche Ziel der damaligen Verirrungen und Versündigungen warnend und mahnend verkündet, und vor allem diese Ursachen unseres Exils beklagte, dann darf auch unser Trost nicht in der Beseitigung der äußeren Uebel bestehen, sondern er muß die inneren Ursachen derselben hinwegschaffen. Die verbängnißvolle Verwechselung zwischen diesen beiden, den verderblichen Wahn, als ob mit Wegschaffung der momentanen äußeren Folgen auch die inneren Ursachen hinweggeräumt waren, das ist das charakteristische

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