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Der Israelit · 1904-07-18 · Heft 57 (18.7.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 57 (18.7.1904)
Date
1904-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1206 Der Grundfehler des Judenthums, so dozierte der Verfasser, besteht darin, daß es die Alleinherrschaft der Ethik proklamirt, während doch die menschliche Natur auf der aus Ethik, Logik und Aesthekik resultirenden Mittellinie sich zu bewegen strebt. Konsequenterweise wird sich demnach der Verfasser befleißigt haben, bei seinem neuen Vorschlag diese, der menschlichen Natur adäquate Mittellinie einzuhalten, und dürfen wir demnach annehmen, daß diese drei Huldgöttinnen. Aesthetik, Logk und Ethik, alle daran ihre Befriedigung finden. Ist dem nun wirklich so? Ist es „schön" und „erhaben", in hündischem Gehorsam Wams mit Wams zu wechseln, um fürder nicht angespieen zu werden? Die Aesthetik antwortet: Nein. Hat der Verfasser die Logik zur Hilfe gerufen, hat er gefragt, was „Wahrheit" ist,' da er seinen Vorschlag ersann? Das hat er nicht, trotz der Logik. Dr. Elias Jakob ist bei feinem Vorschlag Stockjude geblieben, denn nur von ethischen Gründen hat er sich leiten lassen, freilich von ethischen Gründen der niedersten Stufe: Er hat gefragt: Ist es „nützlich"? Und die Ethik antwortete: Ja. Das ist der Genesis dieses Vorschlags. Dieser Vorschlag ist demnach, nach des Verfassers eigener Ansicht, naturwidrig. Es steht daher zu erwarten, daß alles beim Alten bleiben wird. Zetturrgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 14. Juli. In Sachen der Aufnahme von Juden in die Unteroffizierschulen hatte sich der Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bcschwerdeführend an den Kriegsminister gewendet. In der Eingabe wurde darauf hingewiesen, daß nach dem Wortlaut der betreffenden Bestimmungen als Vorbedingung der Aufnahme in eine Unteroffizierschule die Vorlegung des Konfirmationsscheines oder eines Ausweises über den Empfang der ersten Kommunion verlangt werde, wodurch Juden von den Bewerbungen ausgeschlossen erscheinen. Die Antwort des Kriegsministers lautet: Auf die Eingabe vom 16. Mai 1904 wird dem Zentralverein folgendes ergebenst erwidert: Die Ziffern 7b der Anlage 4 beziehungsweise 10b der Anlage8 der Dienstvorschrift für die Jnfanterieschulen enthalten überhaupt keine Bedingungen für die Aufnahme in eine Unteroffiziervorschule oder Unteroffizierschule, sondern nur eine Aufzählung der Anmeldepapiere. Die Bedingungen sind ausdrücklich für die Vorschulen in Ziffer 6, für die Schulen in Ziffer 6 bis 9 jener Anlagen bezeichnet. Eine Abweisung junger, zum Diensteintritt sich meldender Leute jüdischen Glaubens wegen Fehlens der Konfirmationsscheine u. s. w., also wegen ihrer Religionsangehörigkeit, hat nach den angestellteu Erhebungen in keinem Falle stattgefunden. Da hiernach die Auffassung des Zentralvereins in der Eingabe vom 16. Mai 1904 irrig ist, liegt ein Anlaß zur Abänderung der in Rede stehenden Bestimmungen nicht vor. 'gez. v. Einem. Frankfurt a. M., 15. Juli. Nach dem Beispiel mehrerer anderer Städte veranstaltete gestern die Frankfurter zionistische Vereinigung eine Trauerfeier für den jüngst verstorbenen Führer der zionistischen Bewegung, für Theodor Herzl. In dem dicht gefüllten Saal der Frankfurt-Loge schilderte Assessor Friedemann das Leben Herzl's. seine literarische Tkatigkeit und seinen „Judenstaat", der in tausend Herzen zündete. Wie Herzl als Mensch der liebevollste Vater und der treueste Berather war, so wirkte er für sein Werk, den Zionismus, mit seiner ganzen harmonischrn und reichen Persönlichkeit. Er hat eine große Sache erkannt, er hat die rechten Mittel gefunden, sie zu fördern, er hat sie in vollem Fortschritt gesehen, so starb er mitten in der Arbeit» ein glücklicher beneidenswerther Mann. In englischer Sprache wandte sich darauf Reverend Wiese aus Cincinnati an die Versammelten. Er feierte in begeisterten Worten Herzl als den Messias, der seinem Volke mehr als Zion, der ihm Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen zurückgab, der ihm eine Aufgabe stellte, für die es arbeiten, für die es leben und sterben könne. Nicht das Aktionskomitee, das jüdische Volk müsse Herzl's Nachfolger sein. Dann habe Herzl nicht vergebens gelebt. Weitere Ansprachen, musikalische und deklamatorische Vorträge umrahmten die Gedenkreden. Königshntte, 12. Juli. (DerOrgel Schach- Matt.) Werthvoll ist das Material, das in dem Artikel des „Israelit" geboten wird, wenig Nutzt der Kampf mit der Druckerschwärze; diejenigen, welche den Gegner nicht scheuen, müssen persönlich eintreten mit den Wafien, die in der Broschüre enthalten sind, diejenigen Massen belehren, die wohl im Sinne noch die kirchlichen Einrichtungen vermeiden, aber nicht den Mutb und die Kraft, und vor allen Dingen nicht den Einfluß haben, auf die Verwaltungen einzuwirken. Wenn in unserem Oberschlesien heute in einer der ältesten Gemeinden, in Beuthen, eine Orgel eingeführt werden soll, nnrf» Beschluß der Gemeindeverwaltung, dann nützt es nichts, wenn ein Theil der Gemeinde- Mitglieder. ein kleiner Tbeil der Verwaltung und der eine oder andere Rabbiner der großen Nachbargemeinden seinen Unmuth über die Orgel und über seine Gesinnungsgenossen und seine Gesinnungsblätter züm Ausdruck bringt. Das kann keine Aenderung und keine Umstimmung veranlassen. Will man was erreichen, so findet man einen Ausweg und wenn ein einziger Mann mit dem Eifer und der heiligen Begeisterung für die Sache eintreten will, so findet er genügend I

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