Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 57 (18.7.1904)
- Date
- 1904-07-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1204 nur ein entweder oder, entweder Talmudjude oder ciDilijirter Europäer, und Elias Jakob wurde Europäer. Er, der den Anspruch erhebt, im Schulmeistertone seinem Volke die Wege der Zukunft zu weisen, hat nickt die Kraft besesten. über die herrschenden Vorurtheile sich hinwegsetzend, unbefangen das Verhältnis; des Judenthums zur Kultur zu prüfen, um seinen Landsleuten das zu werden, was uns in Deutschland der große Regenerator des Judenthums gewesen, er hat nur dazu beigetragen, den starren Bann des ciiculus vitiosns, unter dem der Osten Europas seufzt und krankt, weiter zu erhalten. Durch die Grausamkeit ihrer Wirthsvölker von der Außenwelt abgeschlossen, ist es den großen Führern des Ostens versagt, die Kultur selbst zu prüfen, nur nach dem Einfluß können sie ste beurtbeilen, den ste auf ihre Adepten gehabt hat. Dieser Einfluß aber war bis jetzt ein jämmerlicher. Folglich wird die Kultur verurtherlt, folglich gilt jeder für schlecht, der sich mit ihr befaßt, folglich wird auch jeder schlecht, d. h. gesetzesuntreu. Denn nichts wird man leichter, als das, wofür man gehalten wird. Elias Jakob hat «durch die in das Ghetto eindringenden Strahlen einer fremden Kultur geblendet, das Vertrauen zur talmudischen Weltanschauung verloren", und hat stch hintennach erst, als er schon längst außerhalb stand, daran gemacht, das Wesen des Judenthums zu finden, dem er bereits den Rücken gekehrt. Was Wunder, daß er entsprechendes fand. Die smd selten, die ausgehen, eine Eselin zu suchen um schließlich ein Königreich zu finden. Di- Regel ist. daß. wer eine Eselin sucht, eine Eselin findet. Nachdem uns Verfasser derart mit seinem Lebensgang bekannt gemacht hat. der stch. wie wir sehen, in nichts von den Tausenden unterscheidet, hält es Verfasser zum ..seelischen" Verständniß seines Aufsatzes des weiteren für nöthiq, uns zu zeigen, «wie das Weltbild in seinem Geiste stch spiegelt, wie er seine Weltanschauung stch zurecktgelegt hat. die von Plato, Descartes, Spinoza etc. ausgehend, in vielen Punkten über ste hinweggeht." «Man kann die Welt", so beginnt er zu doriren. ..von drei Gestcktspunkten aus erfassen: vom ethischen, loaiscken und ästhetischen. Die Ethik tragt nach dem «Wozu" und antwortet, je nach der Entwicklunasstuse mit ..nützlich", «gut" und «heilig". Die Aesthetik fraat nach dem «Wie" und antwortet mit „angenehm", «schön" und «erhaben". Die Loaik fragt nach dem «Was" und antwortet mit .richtig" und «wahr"." Die Menschheit sei nun zu allen Zeiten von dem instinktiven Streben-beseelt gewesen, aus einer aus diesen drei Anschauungsweisen resultirenden Linie .fortzuschreiten und sei stets von fieberhaften Zuckungen und Erschütterungen ergriffen worden, so oft ste von dieser Linie wich. — Dies die Jakob'sche Weltanschauung. die wir nicht umhin können sehr wahr, sehr richtig zu finden — allzu wahr, allzu richtig. Sollten wirklich die Plato, Decartes. Spinoza, Rent, Schoppenhauer von diesen — Bücherwahrheiten nichts gekannt haben? Doch ist hier nicht derart darüber zu richten. Hören wir lieber Jakob weiter orakeln. Er wird uns nicht zürnen, wenn wir uns erlauben, nun. da wir mitten in Jacobs Offenbarung hineinreiten, uns möglichst kurz zu fassen, um den Kern herauszuschalen aus dem Wüste schöner Worte und gelehrter historischer, nicht immer gerade wahrer Exkurse, um gerade hier die Wahrheit des Satzes zu zeigen, daß die Sprache nicht nur da ist. um die wahren Gedanken zu verdenken, sondern zuweilen auch dazu herhalten muß, über die klaffende Gedankenblöße das schützende Feigenblatt zu legen. Also von der Höbe dieser seiner über alle bisherigen Philosophen hinausgehenden Weltanschauung läßt nun der Verfasser seinen Blick auf das jüdische Volk geleiten, dessen Anschauungen längst nicht die seinen: er steht es allenthalben gehaßt, gemartert, verfolgt oder höchstens schmählich geduldet, aber er steht es dennoch immerhin existiren. und so erfaßt seinen Geist die Doppelfrage: Warum ist dieses Volk den ewigen Gesetzen des Entstehens und Vergehens entrückt und warum wird es von allen mit unauslöschlichem Hasse bedacht? Sein Blick schweift rückwärts in die Vergangenheit und erkennt mit Grauen, daß dies Volk eigentlich niemals glücklich gewesen. In der Geschickte der Völker aber entscheidet der Erfolg, folglich muß die die Judenheit leitende Idee falsch sein und werth. lieber heute als morgen aufgegeben zu werden. Zum lleberfluß zeigt uns auch Verfasser, was das falsche an dieser Idee sei. indem er das Wesen des Judenthums in dem Streben wiederfindet, in grimmigem Kampfe mit der menschlichen Natur die Ethik allein zur Herrschaft zu bringen, jeder Kampf aber gegen die stets von neuem mit elementarer Wucht zum Durchbruch kommenden Natur von vornherein erfolglos sei. Daher also das ewige Unglück der Juden, daher der Haß der Völker, der nichts ist als ihre instinktive Abneigung gegen die durch das Judenthum verkörperte Unnatur, daber auch endlich die qualvolle Ewigkeit des jüdischen Volkes, die eben nichts ist als die Folge der von den genialen Talmudisten mit beispielloser Energie zum Schuhe des Judenthums gegen die ganze Natur ringsum die Juden aufgebauten chinestschen Mauer von zahllosen immerwährende GeLung beansvruchenden Vorschriften und Satzungen. Wenn nun aber dem so ist. dann bleibt dem modernen Juden, der dies alles einsieht. eben kein anderes Mittel übrig, als schleunig unterrutauchen im Meere der BAker. unterzntauchen, um nie wieder zum Vorschein zu kommen. Werdet Christen! Zwar enthält das Christenthum auch nichts anders, als «die jüdische Idee von der Alleinherrschaft der Etbik, gelöst von allen staatlichen und gesellschaft- ■' lichen Banden, gelöst von dem jüdischen Ceremonial- J